Kein Geld für Gastfreunde
Ein Flüchtlingsverein kritisiert die Unterbringungspolitik des Landes Kärnten: Wenn Flüchtlinge bei Privaten Asyl bekommen, verlieren sie die Grundversorgung.

Foto © WEICHSELBRAUN Wohin, wenn man keine Heimat hat? In Kärnten haben Asylsuchende nicht viele Möglichkeiten offen
Es war eine Welle der Solidarität, als zu Weihnachten 2008 zahlreiche Kärntner Familien die Herbergssuche von 16 Asylwerbern beendeten. Diese waren vor den Zuständen im umstrittenen Heim auf der Saualpe geflohen und kamen temporär bei Privatpersonen unter. Was für sie der letzte Ausweg für eine menschenwürdige Unterkunft war, ist für andere Asylwerber zurzeit ein aussichtsloser Wunsch: Private Unterbringung von Flüchtlingen wird vom Flüchtlingsreferat kaum mehr zugelassen.
"Das ist eine absurde Situation. Genau das, was von den Flüchtlingen immer gefordert wird, nämlich Integration, wird dadurch erschwert", sagt Angelika Hödl vom "Aktionskomitee für Menschlichkeit und Toleranz". Sie ist überzeugt, dass es für die Flüchtlinge von Vorteil ist, wenn sie bei Privatpersonen untergebracht werden.
Wenn sie in Heimen wohnen, erschwere das den Kontakt zu den Einheimischen, so Hödl. "In den Heimen wird die Isolation der Asylanten verstärkt." Es gebe auch genug Leute, die bereit sind, Asylwerber bei sich unterkommen zu lassen und sogar für deren Verpflegung zu sorgen. Diese Geste der Menschlichkeit wird aber vom Land Kärnten offenbar nicht gerne gesehen: "Wenn Asylwerber nicht die vom Flüchtlingsreferat zugewiesenen Quartiere in Anspruch nehmen, wird ihnen die Grundversorgung gestrichen", ärgert sich Hödl.
Das sind drei Mahlzeiten täglich und 40 Euro monatliches Taschengeld, auf das die Asylwerber angewiesen sind. Ausnahmen zu dieser Regelung gibt es nur für Personen, die bestimmte medizinische Versorgung benötigen und nicht abseits von Krankenhäusern untergebracht werden können.
Wenige Ausnahmen
"Das sind aber nur ganz wenige Ausnahmen", so Hödl. Sie macht seit geraumer Zeit eine Verschärfung bei der Durchsetzung dieser Regelungen aus. In der Steiermark hingegen gibt es diese Restriktionen nicht, bestätigt Robert Reithofer vom Grazer Migrations-Verein ISOP.
Der Flüchtlingsreferent Gernot Steiner sieht die Sache naturgemäß anders. Für ihn zählt das Argument der besseren Integration bei privater Unterbringung nicht, im Gegenteil: "Die Betreuung von Asylwerbern ist in kontrollierten Heimen leichter, weil sie dort besser ansprechbar sind." Dass nicht mehr Leute bei Privaten unterkommen können, erklärt er mit mangelnden Deutschkenntnissen und der Quotenregelung, die eine ausgewogene Verteilung der Asylwerber auf die Bezirke vorschreibt.
"Es ist verständlich, dass die Flüchtlinge lieber in den Ballungsräumen und privat unterkommen möchten. Aber wenn sie nicht das zugewiesene Quartier in Anspruch nehmen wollen, haben sie Pech." Denn die Grundversorgung sei mit der Inanspruchnahme der Unterkunft verknüpft. "Nehmen die Asylwerber die Unterkunft nicht an, müssen wir annehmen, dass sie nicht unterstützungswürdig sind", sagt Steiner. Dass aber generell Ressentiments gegen die Privatunterbringung vorherrschen würden, verneint er.














