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Zuletzt aktualisiert: 25.10.2010 um 22:19 UhrKommentare

Der Ball, das einende Element

Was Österreich beim Thema Migration versäumt hat, welche Probleme jetzt bestehen und wie wir sie lösen sollten: Warum der Sport und insbesondere Fußball bei der Integration immer Vorbildwirkung haben - und wie Österreich davon profitieren kann.

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Das ist der Ausgleich! Ivica Vastic erzielt den Ausgleich", brüllte Hans Huber 1998 ins Mikrofon. 1:1 im WM-Spiel gegen Chile in der 92. Minute. Ivica Vastic, eingebürgerter Österreicher, ein Ausländer, oder besser: ein Legionär, wie es im Fußball heißt, wurde daraufhin von der Kronen Zeitung auf Seite eins zum "echten Österreicher" gemacht, zuvor war er ja nur eingebürgert, des Fußballs wegen.

Ein "echter Österreicher"? Ivica Vastic zögert mit der Antwort, formuliert es anders: "Ich bin am ehesten ein offener Mensch. Ich wurde in Jugoslawien geboren, später wurde es durch den Krieg zu Kroatien. Ich bin Österreicher, aber ich war auch in Japan, ich war überall. Am wichtigsten ist doch, dass ich mich da zu Hause fühle, wo ich bin. Und dass ich Österreich und die Österreicher respektiere." Dabei hat ihm der Fußball, der Sport im Allgemeinen geholfen, "weil da egal ist, woher du kommst, es zählt nur, was du kannst".

Es gibt Regeln

Und - er selbst hat sich an seine Maxime gehalten: "Man muss die Regeln befolgen. Egal ob auf dem Fußballfeld oder abseits davon. Fouls gibt es da wie dort." Eine davon ist es, die Sprache zu lernen. Eine andere, diese zu benützen, zu kommunizieren. Wobei wir wieder beim Fußball sind: "In einer Mannschaft hat man Kontakt - und irgendwann spricht man darüber, wo der andere herkommt. Was er tut, was er isst, welche Bräuche es gibt. Und Kontakt ist genau das, was Integration schafft."

Weil er selbst erfahren hat, wie es ist, in ein neues Land zu kommen, hat er sich zur Verfügung gestellt - und mit der Kinderbuchautorin Karin Ammerer ein Buch verfasst: "Gemeinsam gewinnen wir - Fußball verbindet!" Ein Werk, das schon als Unterrichtshilfe dient, das die Geschichte einer Mannschaft unterschiedlicher Nationalitäten erzählt, die am Ende entdecken, dass man nur gemeinsam gewinnt, nicht gegeneinander. Und Ivo Vastic hat Tipps beigesteuert, Tipps im Umgang miteinander.

Eigentlich interessant: Zum einen lebt der Sport, insbesondere der Fußball, von der Nation. "Immer wieder Österreich", singen die Fans im Stadion. Und zum anderen ist es just dieser Sport, der als Muster für Integration verstanden wird - auch wenn es Österreich auch auf diesem Feld geschafft hat, erst mit gehöriger Verspätung auf den Zug aufzuspringen und von ihm sogar zu profitieren.

Fußball als Vorbild

Es ist auch interessant, dass just der Fußball alles richten soll. Denn im Wintersport - beim Schifahren wie im Eishockey, um Beispiele zu nennen - sind Migrationskinder nach wie vor praktisch unbekannt. Im Fußball hingegen gab es vor allem in den vergangenen fünf Jahren einen riesigen Aufschwung: "Da entspricht die Zahl der Kinder aus zweiter Generation schon eher dem echten Verhältnis", erklärt Kurt Wachter, Projekt-Koordinator von "Fairplay - Viele Farben. Ein Spiel.": "Hier hat der Sport, der Fußball sicher Vorbildwirkung - im Vergleich zum Parlament, wo eine der 183 Abgeordneten, die Grüne Alev Korun, in der Türkei geboren wurde und eingewandert ist." Allerdings: Im Fußball sei diese Entwicklung nicht aufzuhalten gewesen. "In anderen Nationen war das schon länger so - und auch Österreich hat erkannt, dass es so Qualität gewinnt. Genau diese Integration ist die Zukunft des Fußballs."

Bestes Beispiel: In der heutigen Nationalmannschaft finden sich bis zu zehn Spieler, deren Eltern aus Ex-Jugoslawien oder der Türkei nach Österreich kamen und die hier aufwuchsen. Ivo Vastic hingegen war einst als Fußballer verpflichtet worden - und so als "Schlüsselpersonal" Österreicher geworden. Sogar ein echter.

MICHAEL SCHUEN

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