"Haaretz": Strache nannte Anschluss 1938 und EU in einem Atemzug
In einem Interview mit der israelischen Zeitung spricht Strache über Neonazis als "eine Art Geist, der es manchmal in die Schlagzeilen schafft, aber nicht wirklich existiert". FPÖ-Chef: Äußerungen aus dem Zusammenhang gerissen und nicht autorisiert.

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"Es passierte 1938 und wir sahen etwas Ähnliches während der Entwicklung der EU." So antwortete FPÖ-Obmann H.C. Strache laut israelischer Zeitung "Haaretz" auf die Frage, was ihm zum Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland 1938 einfalle. In einem Wordrap, den die Zeitung in der Wochenendausgabe neben einer langen Reportage über den Parteichef druckte, assoziierte Strache auch noch zum Schlagwort Neonazis: "Eine Art Geist, der es manchmal in die Schlagzeilen schafft, aber nicht wirklich existiert."
Strache kritisierte am Dienstag in einer Aussendung, dass das Interview mit "Haaretz" entgegen der Zusage des Journalisten nicht zur Autorisierung vorgelegt worden sei. Zahlreiche Passagen seien "stark verkürzt dargestellt oder aus dem Zusammenhang gerissen", erklärte der FPÖ-Chef. In der veröffentlichten Form hätte er die Zitate nicht autorisiert.
Der Vergleich des Jahres 1938 mit dem Beitritt zur EU "sollte keinesfalls die EU mit dem Schreckensregime des Nationalsozialismus gleichsetzen, sondern darstellen, dass Österreich mit der EU-Mitgliedschaft in seinen Souveränitätsrechten beschränkt wurde", sagte Strache. Weiters stellte Strache klar, dass es "außer Zweifel" stehe, dass die Wehrmacht Verbrechen begangen habe. Ein Krieg bringe leider oft die niedrigsten Instinkte der Menschen zum Vorschein. Auch andere Armeen hätten Verbrechen begangen.
"Haaretz" hatte den Parteichef mit den Worten zitiert: "Die Wehrmacht hat Verbrechen begangen wie jede andere Armee und die Deserteure sollen behandelt werden wie Deserteure in jeder anderen Armee." Zur Debatte über Deserteure in Österreich sagte Strache, dass eine generelle Rehabilitierung nicht zielführend sei, da Schuld und Unschuld individuell zu betrachten seien. Bezüglich des Themas Neonazismus ergänzte Strache, dass es sicher "ein paar vereinzelte Verrückte" gebe, aber diese völlig bedeutungslos seien.
Die NS-Zeit sei "ein sehr finsteres Kapitel" in der Geschichte der Menschheit. "Wir müssen alle Alles tun, damit sich das nicht wiederholt." Die Frage, ob Österreich ein Opfer des NS-Regimes gewesen sei, wollte Strache "nicht klären". "Es ist keine Frage sondern ein Faktum, dass es ein kriminelles Establishment gab, das den Menschen das totalitäre System aufgedrängt hat. Es ist sehr wichtig, dass die Familien nicht verantwortlich waren und es deswegen keine kollektive Schuld geben kann."
Der FPÖ-Chef bezeichnete Israel als "sehr faszinierenden Staat", lehnte eine Aufnahme des Landes in die EU jedoch ab. "Wir sind gegen eine Aufnahme Israels in die EU aus gleichen Gründen, weswegen wir gegen die Aufnahme der Türkei sind. Israel ist einfach kein europäischer Staat."
Die Zitate in der Wochenendbeilagen der linksliberalen Zeitung Haaretz erregte in Israel keinerlei Aufsehen. Haaretz ist ein Traditionsblatt mit linksliberaler Ausrichtung und einer Auflage von rund 75.000 Exemplaren. Vier andere Zeitungen haben höhere Auflagen: "Yedioth Aharonot" mit 600.000, "Maariv" mit 270.000 und "Israel Hajom" mit 255.000 Exemplaren.













