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Zuletzt aktualisiert: 10.01.2010 um 22:07 UhrKommentare

"Zeit der Massenlager müsste längst vorbei sein"

Zweieinhalb Prozent der Traiskirchner Bevölkerung stellen Asylwerber. Probleme mit Einheimischen gibt es nicht. Dennoch fordert Bürgermeister Fritz Knotzer von den anderen Ländern mehr Solidarität ein.

Der Traiskirchner Bürgermeister Fritz Knotzer

Foto © APADer Traiskirchner Bürgermeister Fritz Knotzer

Chaotische Zustände? Zumindest an der Eingangspforte zum Erstaufnahmezentrum Traiskirchen ist davon nichts zu spüren. "Ist mein neuer Ausweis schon gekommen?", fragt ein tschetschenischer Flüchtling in gebrochenem Deutsch. "Moment", sagt der Pförtner und erkundigt sich telefonisch. "Morgen", vertröstet er. Noch muss der Asylwerber eine provisorische Identifikation vorweisen und unterschreiben, wenn er das Gelände verlässt. Bis zu 24 Stunden kann er sich frei bewegen, ehe er sich erneut melden muss. Eine Praxis, die Innenministerin Maria Fekter (ÖVP) nun abstellen möchte (siehe Seiten 2-3).

Gibt es in Traiskirchen Probleme zwischen Asylwerbern und Einheimischen? "Ehrlich", sagt die Inhaberin einer örtlichen Bäckerei, die von vielen Flüchtlingen besucht wird. "Ich kann mich an keine schlechte Erfahrung erinnern". Auch der Leiter der Erstaufnahmestelle, Franz Schabhüttl, betont, dass es kaum Reibungspunkte zwischen Asylwerbern und Einheimischen gäbe. Eine Rolle mag die zusätzliche Polizeipräsenz spielen, aber: "Es gibt so gut wie keinen Kontakt."

Rauferei aus Emotion

Das Problem, sagt Schabhüttl, seien die "Emotionen". Ein Wort, das der Spitzenbeamte oft in den Mund nimmt - stets mit tadelndem Unverständnis. Wenn sich, was aber laut Schabhüttl selten vorkomme, Flüchtlinge eine Rauferei liefern, sei das eine Frage der Emotion. Ebenso aber auch wenn, wie jüngst in Eberau, aufgebrachte Bürger gegen die Errichtung eines Asylzentrums auf die Barrikaden gehen. Verständnis habe er dafür wenig, sagt Schabhüttl. Fakt sei: Österreich habe sich verpflichtet, Flüchtlingen Asyl zu gewähren. Das sei abzuwickeln: "Ohne Emotionen."

Rund 700 Asylwerber aus 40 Nationen warten derzeit in der ehemaligen k.u.k-Kadettenschule Traiskirchen auf eine Zuweisung in ein reguläres Asylheim. In Spitzenzeiten waren es fast 2000. Seit der Ungarn-Krise 1956 ist die niederösterreichische Kleinstadt nahe Wien die erste Adresse für Flüchtlinge (ein viel kleineres Asylzentrum befindet sich im oberösterreichischen Thalheim).

"Wir bekennen uns zur Humanität und haben 50 Jahre lang die Hauptlast getragen", sagt Bürgermeister Fritz Knotzer (SPÖ). "Aber die Zeit der Massenlager müsste längst vorbei sein." Keinem Ort sei es zumutbar, dass die Anzahl der Flüchtlinge ein Prozent der Gesamtbevölkerung überschreite. In Traiskirchen sind es zweieinhalb Mal so viele.

WOLFGANG RÖSSLER

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