Kärnten und Libyen
Muammar Gaddafis Massaker an Demonstranten und Kindern erschüttern die Welt. In Abscheu vor dem Diktator und Trauer um die Opfer mischen sich hierzulande auch anwidernde Erinnerungen an die einstige Kärntner Politbühne Libyen.
Kärnten war die Wiege der Österreichisch-Libyschen Gesellschaft, der Jörg Haider vorstand und dem 2009 seine Witwe als Präsidentin folgte. Bei der Gründung 2002 hatte Haider auf die "ersten freundschaftlichen Beziehungen" zwischen Bruno Kreisky und Gaddafi verwiesen. Kärnten weiß, was aus der "Brücke zwischen Ländern" wurde.
Jörg Haiders Besuche bei Gaddafi und Kumpanen sind nicht als Menschenrechts-Vorstöße in die Geschichte eingegangen. Von der Reisefreiheit, mit der sich Haider als weltläufig schmückte, konnten die meisten Libyer nicht einmal träumen.
Wenn Gaddafi-Sohn Saif beim Beachvolleyball am Wörthersee Party machte, waren inhaftierte Oppositionelle kein Thema. Wenn in der Landhausgalerie Ali Ahmed und andere libysche Künstler Bilder ausstellten, war Protesten vorgebeugt.
Als in Tripolis Wolfgang Kulterer Libyen die Hypo als tolle Geschäftsbank anpries, kam eher Verdacht des Geldtransfers für den Diktator nach Liechtenstein auf, als Aufsehen über Kärntner Mikrokredite für Beduinen.
Aus Mitgefühl für akute Opfer ist man jetzt froh, dass dieser Libyen-Zirkus im Wüstensand verlaufen ist.
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