"Muslimbrüder führen Westen an der Nase"
Der liberale iranische Studentenführer Ghasseminejad warnt vor einer Islamisierung Ägyptens.

Foto © KKSaeed Ghasseminejad
Der Jahrestag der islamischen Revolution im Iran jährt sich dieser Tage zum 32. Mal. Sehen Sie Parallelen zu Ägypten? Oder erinnert Sie der Aufstand eher an die gescheiterte Revolte 2009?
SAEED GHASSEMINEJAD: Ich glaube, es ist eher so wie 1979. Umfragen zufolge befürworten 82 Prozent der Ägypter Steinigungen, 77 Prozent, dass Verbrechern (nach islamischem Recht, Anm.) Hände abgehackt werden.
Es ist also kein Zufall, dass sich der iranische Religionsführer Ali Khamenei mit den ägyptischen Demonstranten solidarisiert?
GHASSEMINEJAD: Er unterstützt die Muslimbrüderschaft. Und ich glaube, dass diese den Westen an der Nase herumführt. Wenn sie können, werden sie die Macht ergreifen. Es hängt von den USA ab, ob sie ihre arabischen Verbündeten jetzt zu Reformen zwingen. Wenn es auf den arabischen Straßen so weitergeht, haben sie bald überhaupt keine Kontrolle mehr.
Sie glauben, dass Tunesien und Ägypten nur der Anfang waren?
GHASSEMINEJAD: Alle mit den USA verbündeten arabischen Staaten haben korrupte, undemokratische Regime. Sie werden nicht ewig halten. Jemen könnte als Nächstes kommen.
Sie haben den Iran 2008 verlassen. Warum?
GHASSEMINEJAD: Ich konnte mein Studium nicht beenden und hatte zwei Jahre Haft hinter mir. Mir droht noch immer das Gefängnis.
Hat die grüne Revolution 2009 etwas verändert?
GHASSEMINEJAD: Damals waren drei Millionen auf der Straße. Würde das Regime heute ähnlich brutal reagieren, würden sie sich wehren. Die Leute im Iran sind aufgeregt, aber ich bin mir nicht sicher, ob etwas geschehen wird.
Österreichische Firmen gehören zu den größten Investoren im Iran. Unterstützen sie das Regime?
GHASSEMINEJAD: Die meisten iranischen Firmen gehören direkt den Revolutionswächtern. Sie sind so mächtig, weil sie Geld haben. Wer mit ihnen Geschäfte macht, macht sie noch stärker.
Saeed Ghasseminejad lebt in Paris. Er kam für "Stop the Bomb" nach Wien. Die Initiative fordert härtere Sanktionen gegen den Iran.










