Ägypten: Gäste flüchten, nur die Hoffnung bleibt
Am Roten Meer ist das Fehlen der Gäste überall offensichtlich. Nur wenig bleiben und erleben Ägypten von seiner stillen Seiten - und voller Optimismus.

Foto © Robert Breitler/Kleine ZeitungNoch sind die Strände in Hurghada leer
Entspannt sitzt Ahmed Amaar in seinem kleinen Geschäft und liest Zeitung. Während vor wenigen Wochen noch Hundertschaften von Touristen an seiner Parfumerie in der Neustadt von Hurghada entlang schlenderten, ist die Straße nun wie ausgestorben.
Stimmung ist optimistisch
Wo sonst lautstarkes Handeln auf dem Programm steht, dominiert die Stille. Ein paar Meter weiter spielen junge Männer auf dem Gehweg Fußball, behindern können sie damit im Moment ohnehin niemanden. "Ein paar Tage noch, dann ist alles vorbei", sagt Amaar. Aber nicht, dass er sein Geschäft schließen müsse, nein, er ist sich sicher, dass schon bald alles besser werde. "Man kann das schon jetzt spüren", sagt Amaar. Aus seiner Sicht hätten die Demonstrationen in Ägypten somit doch einen Wechsel gebracht. "Mubarak hat die letzten zehn Jahre verschlafen. Er hat sich immer nur mit anderen Staatschefs getroffen, während die Regierung sich auf Kosten des Landes bereichert hat", erzählt er. Nun werde den ehemaligen Ministern der Prozess gemacht, sagt er mit Verweis auf die Zeitung, die er in der Hand hält. Dann werde wieder Ruhe einkehren und die Ruhe auf den Straßen von Hurghada verschwinden.
Die 90.000-Einwohner-Stadt am Roten Meer lebt fast gänzlich vom Tourismus. Rund die Hälfte der Einwohner arbeitet in den bald 200 All-inclusive-Hotels und Ressorts. Dazu kommen zig Restaurants, Tauchschulen und Souvenirläden wie der von Amaar. Auch 25 Kilometer weiter südlich im Hotel Makadi Palace ist das Fehlen von Gästen offensichtlich: Am Strand ist jede zweite Liege frei und in den Restaurants bleibt ein Großteil der Tische zum Abendessen unbesetzt. Die Anlage, die über 1400 Betten verfügt, beherbergt derzeit gerade einmal 400 Gäste. Das Positive daran: kein Anstellen an den Essensbuffets und kein Kampf mehr um die Strandliegen.
Animateure zwangsbeurlaubt
"Das Angebot wurde allerdings auch verringert", sagt Monika Rast aus Graz, die mit ihrem Mann seit zehn Tagen hier ihren Urlaub verbringt. "Manche Restaurants haben zu Mittag geschlossen und die Animateure wurden zwangsbeurlaubt." Warum die beiden trotz der Demonstrationen in Ägypten Urlaub machen? "Unsere Tochter hat sieben Monate in Hurghada gewohnt und sie kennt hier einige Leute", antwortet Rudolf Rast, "die haben uns immer versichert, dass sich alles nur auf dem einen Platz in Kairo abspiele." Daher verstehen die Rasts nicht, warum internationale Medien über ein "Chaos in Ägypten" berichten.
Ausschreitung im Fernsehen
Zwischen Strand und Abendbuffet erfahren die Gäste via TV alles über Demonstrationen, Ausschreitungen und die Aufforderung der österreichischen und auch deutschen Politiker, das Land am Nil zu verlassen. Das verfehlt seine Wirkung nicht - Gerüchte gehen um: Ein Knall von der benachbarten Baustelle ist dann schnell mal ein Schuss aus einer Pistole gewesen.
Eine Dame erzählte gar, dass sie auf ihrer Nilkreuzfahrt von Einheimischen verfolgt wurde und ihr österreichische Soldaten bei der Flucht behilflich gewesen wären. Selbst wenn man die Geschichten nicht glaubt, bleibt ein ungutes Gefühl. Und schon wird es wieder ein bisschen leerer am Strand. "Die armen Menschen hier. Sie leben doch alle vom Tourismus. Wegen der Falschmeldungen in den Medien kommen aber keine Touristen mehr", sagt Rudolf Rast am fast menschenleeren Strand. Hin und wieder huscht einer der Angestellten des Hotels vorbei und freut sich, zumindest die Bestellung für ein paar wenige Getränke aufnehmen zu können.
Aber kann man sich überhaupt erholen, wenn man weiß, dass im selben Land Menschen gegen das Regime auf die Straße gehen und manche dafür mit dem Leben bezahlen? "Wir sind natürlich betroffen, aber diese Menschen stehen mutig für ihre Freiheit ein", so Monika Rast. Wäre es nicht nur in Kairo, sondern auch in anderen Landesteilen zu Ausschreitungen gekommen, hätten sie umgebucht. Jetzt aber genießen sie ihren Urlaub. "Dass wir aber anstatt nach Graz nach Wien fliegen sollen und von den sechs Restaurants im Hotel nur noch zwei geöffnet sind, vermiest uns ein bisschen den Urlaub", sagt Rudolf Rast.
Doch die Chancen stehen gut, dass so manches Restaurant in Kürze wieder aufmacht: Laut Reiseveranstalter erwarte man 400 neue Gäste. Und tatsächlich: Busweise strömen Neuankömmlinge zum Hotel Makadi Palace. In kurzen Hosen und mit dünnen Leibchen bekleidet kamen sie jedoch weder aus Österreich noch aus Deutschland, sondern von anderen Hotels in Hurghada, die wegen des Gästemangels vorübergehend schließen mussten.










