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Zuletzt aktualisiert: 05.03.2008 um 16:59 Uhr

Obama vs. Clinton: Schlammschlacht droht

Dauerduell Obama-Clinton geht in die nächste Runde. Nach dem Siegeszug Clintons vergangene Nacht hat diese wieder Chancen erste Präsidentin der Vereinigten Staaten zu werden - auch wenn diese verschwindend gering sind.

Foto © AP

Hillary Clinton überlässt nichts dem Zufall, nicht die Farbe ihres Kostüms, schon gar nicht ihre Wortwahl. Als sie in der Wahlnacht vor ihre Fans tritt, ist ihre Kleiderfarbe feuerrot, die Stimmung ist aufgepeitscht wie nie - und die ehemalige First Lady wählt die Sprache der Boxer. Gleich mehrfach spricht sie in ihrer Rede von k.o., von Knockout, vom Auszählen. Kein Zweifel: Die Frau ist kampfbereit bis zum Sieg. Auch der ansonsten so geschmeidige Barack Obama gibt sich wild entschlossen: "Wir werden die Nominierung gewinnen", heizt er seine Leute an. Niemand will nachgeben, Kampf bis aufs Messer - das anhaltende Patt zwischen den beiden US- Präsidentschaftsbewerbern wird zum Alptraum-Szenario der Demokraten.

"Duell der Giganten" als Zerrißprobe. "Für Frau Clinton richtet sich die Schlacht, die ihr jetzt bevorsteht, nicht so sehr gegen Obama, sondern gegen das Partei- Establishment der Demokraten", kommentiert die "New York Times" am Mittwoch. Schon vor den Vorwahlen in Texas und Ohio äußerten führende Demokraten die Sorge, dass das anhaltende "Duell der Giganten" die Partei in eine Zerreißprobe führen könnte. "Obama und Clinton laufen immer mehr Gefahr, sich gegenseitig zu beschädigen", meint ein TV- Kommentator in der Wahlnacht. Die Partei ist in einer Zwickmühle. "Den Vorteil hat der politische Gegner."

Schlammschlacht drokt. Kein Zweifel: Nachdem die Abstimmungen vom Dienstag erneut keinen klaren Sieger und Verlierer brachten, verspricht das Ringen zunehmend härter, zunehmend hässlicher zu werden. Schon in den Tagen vor der Vorwahl am Dienstag zielte Clinton in TV-Spots und ihren Reden bewusst darauf ab, die Eignung Obamas als Präsident sowie seine Glaubwürdigkeit als Politiker in Zweifel zu ziehen. "Und da sie damit ganz offenbar Erfolg hatte, wird sie damit weitermachen", meint ein Moderator des TV-Senders CNN.

Ironie der Geschichte. Noch kürzlich herrschte Hochstimmung unter Demokraten: Zwei Bewerber mit Niveau, mitreißender "Visionär" der eine, kühler "Politprofi" die andere, gute Chancen auf einen Sieg bei der Präsidentenwahl im November. Dann noch die Aussicht, Geschichte zu machen, erstmals seit Bestehen der USA könnte eine Frau ins Weiße Haus einziehen oder erstmals ein Schwarzer. Doch der Haken: Einer der Bewerber muss verlieren - und je länger der Kampf dauert, desto schmerzhafter wird es.

Enttschäuschung vorprogrammiert. Das Dilemma, aus dem es kein Entrinnen gibt: "Falls Obama die Nominierung verliert, machen sich die Demokraten große Sorgen um eine entfremdete Gemeinschaft der Afroamerikaner", schreibt die "Washington Post". Doch auch falls Clinton verlieren sollte, drohen Verwerfungen: Dann sind es die Frauen, die enttäuscht wären.

Clinton hat kaum Chancen. Wahlauguren sehen so gut wie keine realistische Chance mehr, dass Clinton den Rückstand zu Obama in den nächsten Vorwahlen aufholt. "Dazu müsste sie 16 Vorwahlen hintereinander klar gewinnen", meinte ein Wahlstatistiker. Selbst die genannten "Super-Delegierten" beim Parteitag, die VIP-Politiker, die ohne Basisvotum frei nach Gusto entscheiden können, entgehen der Zwickmühle nicht. Bereits vor der vermeintlich alles entscheidenden Schlacht am Dienstag kursierten Berichte und Spekulationen, dass führende Politiker bei Clinton vorstellig werden wollten. Angeblich halten sich schon Spitzenpolitiker wie Ex-Vizepräsident Al Gore für entsprechende "Friedensverhandlungen" bereit, hießt es.

Ungebrochener Kampfgeist. Doch das Schreckens-Szenario, dass sich das Duell bis zum Nominierungs-Parteitag Ende August in Denver hinzieht, wird angesichts der Kampfbereitschaft Clintons und Obamas immer wahrscheinlicher. Ein Experte meinte, nur wenn einem der beiden die Spendengelder ausgehen, werde es ein Einlenken geben.


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