Obama vs. Clinton: Schlammschlacht droht
Dauerduell Obama-Clinton geht in die nächste Runde. Nach dem Siegeszug Clintons vergangene Nacht hat diese wieder Chancen erste Präsidentin der Vereinigten Staaten zu werden - auch wenn diese verschwindend gering sind.

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Hillary Clinton überlässt nichts dem Zufall,
nicht die Farbe ihres Kostüms, schon gar nicht ihre Wortwahl. Als sie
in der Wahlnacht vor ihre Fans tritt, ist ihre Kleiderfarbe feuerrot,
die Stimmung ist aufgepeitscht wie nie - und die ehemalige First Lady
wählt die Sprache der Boxer. Gleich mehrfach spricht sie in ihrer
Rede von k.o., von Knockout, vom Auszählen. Kein Zweifel: Die Frau
ist kampfbereit bis zum Sieg. Auch der ansonsten so geschmeidige
Barack Obama gibt sich wild entschlossen: "Wir werden die Nominierung
gewinnen", heizt er seine Leute an. Niemand will nachgeben, Kampf bis
aufs Messer - das anhaltende Patt zwischen den beiden US-
Präsidentschaftsbewerbern wird zum Alptraum-Szenario der Demokraten.
"Duell der Giganten" als Zerrißprobe. "Für Frau Clinton richtet sich die Schlacht, die ihr jetzt
bevorsteht, nicht so sehr gegen Obama, sondern gegen das Partei-
Establishment der Demokraten", kommentiert die "New York Times" am
Mittwoch. Schon vor den Vorwahlen in Texas und Ohio äußerten führende
Demokraten die Sorge, dass das anhaltende "Duell der Giganten" die
Partei in eine Zerreißprobe führen könnte. "Obama und Clinton laufen
immer mehr Gefahr, sich gegenseitig zu beschädigen", meint ein TV-
Kommentator in der Wahlnacht. Die Partei ist in einer Zwickmühle.
"Den Vorteil hat der politische Gegner."
Schlammschlacht drokt. Kein Zweifel: Nachdem die Abstimmungen vom Dienstag erneut keinen
klaren Sieger und Verlierer brachten, verspricht das Ringen zunehmend
härter, zunehmend hässlicher zu werden. Schon in den Tagen vor der
Vorwahl am Dienstag zielte Clinton in TV-Spots und ihren Reden
bewusst darauf ab, die Eignung Obamas als Präsident sowie seine
Glaubwürdigkeit als Politiker in Zweifel zu ziehen. "Und da sie damit
ganz offenbar Erfolg hatte, wird sie damit weitermachen", meint ein
Moderator des TV-Senders CNN.
Ironie der Geschichte. Noch kürzlich herrschte Hochstimmung unter
Demokraten: Zwei Bewerber mit Niveau, mitreißender "Visionär" der
eine, kühler "Politprofi" die andere, gute Chancen auf einen Sieg bei
der Präsidentenwahl im November. Dann noch die Aussicht, Geschichte
zu machen, erstmals seit Bestehen der USA könnte eine Frau ins Weiße
Haus einziehen oder erstmals ein Schwarzer. Doch der Haken: Einer der
Bewerber muss verlieren - und je länger der Kampf dauert, desto
schmerzhafter wird es.
Enttschäuschung vorprogrammiert. Das Dilemma, aus dem es kein Entrinnen gibt: "Falls Obama die
Nominierung verliert, machen sich die Demokraten große Sorgen um eine
entfremdete Gemeinschaft der Afroamerikaner", schreibt die
"Washington Post". Doch auch falls Clinton verlieren sollte, drohen
Verwerfungen: Dann sind es die Frauen, die enttäuscht wären.
Clinton hat kaum Chancen. Wahlauguren sehen so gut wie keine realistische Chance mehr, dass
Clinton den Rückstand zu Obama in den nächsten Vorwahlen aufholt.
"Dazu müsste sie 16 Vorwahlen hintereinander klar gewinnen", meinte
ein Wahlstatistiker. Selbst die genannten "Super-Delegierten" beim
Parteitag, die VIP-Politiker, die ohne Basisvotum frei nach Gusto
entscheiden können, entgehen der Zwickmühle nicht. Bereits vor der
vermeintlich alles entscheidenden Schlacht am Dienstag kursierten
Berichte und Spekulationen, dass führende Politiker bei Clinton
vorstellig werden wollten. Angeblich halten sich schon
Spitzenpolitiker wie Ex-Vizepräsident Al Gore für entsprechende
"Friedensverhandlungen" bereit, hießt es.
Ungebrochener Kampfgeist. Doch das Schreckens-Szenario, dass sich das Duell bis zum
Nominierungs-Parteitag Ende August in Denver hinzieht, wird
angesichts der Kampfbereitschaft Clintons und Obamas immer
wahrscheinlicher. Ein Experte meinte, nur wenn einem der beiden die
Spendengelder ausgehen, werde es ein Einlenken geben.












