Nabucco: Kampf um Lebensader für die EU
Die Industrie in der EU will sich von Russland als Hauptlieferant für Erdgas abkoppeln. Das Pipeline-Projekt Nabucco ist der Weg zum Ziel. Die Russen setzen alles daran, die Pläne zu torpedieren.

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Gut war das Wetter und prächtig die Stimmung im letzten Herbst in Kasachstan. Mit Zuversicht im Gepäck kehrte eine österreichische Wirtschaftsdelegation aus Zentralasien zurück - man hatte anscheinend Verbündete für Nabucco gefunden. Jetzt ist vieles anders, Russland will das Projekt unterlaufen.
Nabucco ist das gegenwärtig ehrgeizigste Unternehmen der EU im Energiebereich. Die Industrie verbraucht 500 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr. In den nächsten 15 Jahren soll der Bedarf um die Hälfte auf 750 Milliarden ansteigen. Hauptlieferant ist derzeit Russland mit rund der Hälfte der Menge.
Warnendes Beispiel.
Wie gefährlich die Lage ist, hat die EU schon lange erkannt. Auch wenn Wladimir Putin nach den Präsidentschaftswahlen in Russland Anfang März sein Amt laut Verfassung abgeben muss, wird er die Fäden ziehen. Als größter Energielieferant der Welt kann Russland die Weltmarktpreise entscheidend beeinflussen. Als warnendes Beispiel dienen die Gaslieferungen Russlands an die Ukraine, die von Moskau aus politischen Gründen zeitweise willkürlich gestoppt wurden.
Erste Querschüsse.
Europa will diese Gefahr über die Nabucco-Pipeline, benannt nach Giuseppe Verdis Freiheitsoper, verringern. Ab 2012 soll Erdgas aus Kasachstan, Turkmenistan, Aserbeidschan, möglicherweise Usbekistan und dem Iran nach Europa transportiert werden (siehe Grafik). Die Gesamtleitung hat die heimische OMV übernommen, als Partner sind die Mol (Ungarn), Botas (Türkei), Bulgargaz (Bulgarien), Transgaz (Rumänien) und RWE (Deutschland) im Boot. Erwünscht wäre die Gaz de France, die geringfügig an der Energie Steiermark (Estag) beteiligt ist.
Etwa 30 Milliarden Kubikmeter Erdgas, das sind weniger als zehn Prozent des Gasbedarf in 15 Jahren, sollen jährlich über Nabucco geliefert werden. Die Russen schießen aber erfolgreich gegen die Pipeline quer. Sie errichten die South Stream Erdgasleitung gemeinsam mit dem EU-Energiemulti Eni aus Italien und haben weitere Verbündete gefunden.
Weitere Probleme.
Die für Nabucco wichtigen Transitländer Bulgarien und Rumänien, Mitgliedsländer der EU, sympathisieren mit der South Stream. Bulgarien hat Mitte Jänner anlässlich des Besuchs von Putin in Sofia einen entsprechenden Vertrag unterzeichnet. Auch Serbien hat sich Putin angeschlossen. Nach diesen Schritten sei Nabucco "nicht mehr ernst zu nehmen", sagt Rom Patriciu, Präsident des zweitgrößten rumänischen Erdölkonzerns Rompetrol. Der bulgarische Staatspräsident Sergej Stanischew schwächte ab, Nabucco und South Stream würden einander ergänzen.
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Fakten
Die Entscheidung über den Bau von Nabucco wurde bereits verlegt. Ende 2007 war als Zieldatum ins Auge gefasst, nun soll die "finale Entscheidung im ersten Quartal 2008" fallen, erklärte OMV-Gasvorstand Werner Auli vor einiger Zeit.
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Die Verträge wurden am Dienstag unterzeichnetFoto © APA
Weitere Probleme
Turkmenistan und Kasachstan, die ihr Erdgas neben Russland und China auch nach Europa verkaufen wollen, spielen die EU gegen Russland aus. Der Unterschied: Die Russen kaufen in beiden Ländern Gas, die EU muss erst eine Leitung bauen. Neue Lieferverträge mit Russland wurden abgeschlossen.












