Endbericht zum Fall Kampusch übergeben
In dem Bericht wird laut Innenministerium eine "Vielzahl an Verbesserungsvorschlägen in Hinblick auf künftige Kriminalfälle empfohlen".

Foto © APGünther Platter und Ludwig Adamowich
Der Endbericht der Evaluierungskommission im Fall
Kampusch ist heute, Mittwoch, Innenminister Günther Platter (V)
übergeben worden. Der Ressortchef hatte Anfang Februar die
Einrichtung der Kommission unter der Leitung des ehemaligen
Präsidenten des Verfassungsgerichtshofes und nunmehrigen rechtlichen
Beraters des Bundespräsidenten, Ludwig Adamovich, beauftragt.
Verbesserungsvorschläge.
In dem Bericht wird laut Innenministerium eine "Vielzahl an
Verbesserungsvorschlägen in Hinblick auf künftige Kriminalfälle von
besonderer Komplexität und öffentlichem Interesse empfohlen". Von
politischer Vertuschung könne hingegen nicht gesprochen werden, hieß
es. Der Bericht wird nun an die Parlamentsdirektion übermittelt.
Die Kommission ist zu der Einschätzung gekommen, "dass die
sachdienlichen Ermittlungsansätze bisher nicht vollständig
ausgeschöpft wurden". Das ist das Fazit des Ergebnisses der
monatelangen Untersuchung des Teams rund um Ludwig Adamovich. In
Anknüpfung an den Evaluierungsauftrag sei unmittelbarer Kontakt zur
Oberstaatsanwaltschaft Wien hergestellt worden. Mit einer
Wiederaufnahme der Ermittlungen beschäftigt sich der Bericht
inhaltlich nicht direkt.
"Missbrauch".
Zum ersten Mal ist in dem Evaluierungsbericht im Zusammenhang mit
dem Fall Kampusch offiziell von Missbrauch die Rede: Bei der
Gefangenschaft des heute 20-jährigen Opfers Natascha Kampusch handle
es sich demnach um einen Verdachtskontext, der "schwerwiegende
Verbrechen zum Nachteil eines im Entführungszeitpunkt zehnjährigen
Kindes und mit langfristigen sexuellem Kindesmissbrauch" zum
Gegenstand gehabt habe, so der Kommissionsbericht.
"Unzulässig" gewesen sei es, die Niederschriften der Aussagen
Natascha Kampuschs im Original bei der Justiz zu verwahren, ohne eine
Kopie bei der Sicherheitsbehörde zu lassen. Kritisiert wird außerdem
die Herausgabe von Beweisen aus dem Verlies - wie Videokassetten
oder ein Tagebuch - an das Opfer, ohne den Beweiswert zu sichern.
Mehrtäterschaft.
Eingegangen wird in dem Bericht auch auf den "von Anfang an
fassbaren Hinweis in Richtung Mehrtäterschaft". Auch Angaben von
Natascha Kampusch vom 22. September 2006 "über das Verhalten Wolfgang
Priklopils während des Aufenthalts in einem Waldstück bei Strasshof"
hätten in diese Richtung gewiesen.
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Schwere Vorwürfe
Der Ex-Bundeskriminal-
amtschef Herwig Haidinger hatte mit Feststellungen für
Aufsehen gesorgt, in denen er im Zusammenhang mit dem Fall Natascha Kampusch und der Causa Bawag ehemalige Kabinettsmitglieder der
ver-
storbenen Innenministerin Liese Prokop (ÖVP) in die Nähe
von möglichem amts-
missbräuchlichem Verhalten rückte.
















