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Zuletzt aktualisiert: 11.06.2008 um 19:22 Uhr

Endbericht zum Fall Kampusch übergeben

In dem Bericht wird laut Innenministerium eine "Vielzahl an Verbesserungsvorschlägen in Hinblick auf künftige Kriminalfälle empfohlen".

Günther Platter und Ludwig Adamowich

Foto © APGünther Platter und Ludwig Adamowich

Der Endbericht der Evaluierungskommission im Fall Kampusch ist heute, Mittwoch, Innenminister Günther Platter (V) übergeben worden. Der Ressortchef hatte Anfang Februar die Einrichtung der Kommission unter der Leitung des ehemaligen Präsidenten des Verfassungsgerichtshofes und nunmehrigen rechtlichen Beraters des Bundespräsidenten, Ludwig Adamovich, beauftragt.

Verbesserungsvorschläge. In dem Bericht wird laut Innenministerium eine "Vielzahl an Verbesserungsvorschlägen in Hinblick auf künftige Kriminalfälle von besonderer Komplexität und öffentlichem Interesse empfohlen". Von politischer Vertuschung könne hingegen nicht gesprochen werden, hieß es. Der Bericht wird nun an die Parlamentsdirektion übermittelt. Die Kommission ist zu der Einschätzung gekommen, "dass die sachdienlichen Ermittlungsansätze bisher nicht vollständig ausgeschöpft wurden". Das ist das Fazit des Ergebnisses der monatelangen Untersuchung des Teams rund um Ludwig Adamovich. In Anknüpfung an den Evaluierungsauftrag sei unmittelbarer Kontakt zur Oberstaatsanwaltschaft Wien hergestellt worden. Mit einer Wiederaufnahme der Ermittlungen beschäftigt sich der Bericht inhaltlich nicht direkt.

"Missbrauch". Zum ersten Mal ist in dem Evaluierungsbericht im Zusammenhang mit dem Fall Kampusch offiziell von Missbrauch die Rede: Bei der Gefangenschaft des heute 20-jährigen Opfers Natascha Kampusch handle es sich demnach um einen Verdachtskontext, der "schwerwiegende Verbrechen zum Nachteil eines im Entführungszeitpunkt zehnjährigen Kindes und mit langfristigen sexuellem Kindesmissbrauch" zum Gegenstand gehabt habe, so der Kommissionsbericht. "Unzulässig" gewesen sei es, die Niederschriften der Aussagen Natascha Kampuschs im Original bei der Justiz zu verwahren, ohne eine Kopie bei der Sicherheitsbehörde zu lassen. Kritisiert wird außerdem die Herausgabe von Beweisen aus dem Verlies - wie Videokassetten oder ein Tagebuch - an das Opfer, ohne den Beweiswert zu sichern.

Mehrtäterschaft. Eingegangen wird in dem Bericht auch auf den "von Anfang an fassbaren Hinweis in Richtung Mehrtäterschaft". Auch Angaben von Natascha Kampusch vom 22. September 2006 "über das Verhalten Wolfgang Priklopils während des Aufenthalts in einem Waldstück bei Strasshof" hätten in diese Richtung gewiesen.


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Grafik vergrößernZusammensetzung des U-AusschussGrafik © APA

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Bild vergrößernHerwig Haidinger - er brachte die Sache ins RollenFoto © Reuters

Schwere Vorwürfe

Der Ex-Bundeskriminal-
amtschef Herwig Haidinger hatte mit Feststellungen für Aufsehen gesorgt, in denen er im Zusammenhang mit dem Fall Natascha Kampusch und der Causa Bawag ehemalige Kabinettsmitglieder der ver-
storbenen Innenministerin Liese Prokop (ÖVP) in die Nähe von möglichem amts-
missbräuchlichem Verhalten
rückte.

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