Steuerreform: Mittelstand zahlt mehr als die Hälfte
Nicht ganz drei Prozent der Lohnsteuerzahler tragen wegen ihres hohen Einkommens gut ein Viertel des gesamten Steueraufkommens. Das geht aus einer Berechnung des Finanzministeriums auf Basis der Lohnsteuerstatistik 2006 hervor.

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Ebenfalls interessant: Der "Mittelstand" zahlt mehr als die Hälfte
der gesamten Lohnsteuer von insgesamt 18,9 Mrd. Euro. Und 2,55 Mio.
Steuerpflichtige müssen wegen ihres niedrigen Einkommens überhaupt
keine Steuern bezahlen. Zu den Zahlen im Detail.
Niedrigverdiener: Laut der Schätzung des Finanzministeriums
verdienen 2,55 Mio. Österreicher weniger als 15.000 Euro brutto. Das
entspricht (abzüglich Sozialversicherung und Werbungskosten) etwa dem
steuerfreien Jahreseinkommen von 10.000 Euro. Diese Gruppe zahlt zwar
weder Lohn- noch Einkommenssteuer. Trotzdem könnte sie bei der
Steuerreform berücksichtigt werden. Und zwar entweder über die von
der SPÖ geforderte Verdoppelung der Negativsteuer auf 220 Euro, oder
über eine Senkung der Lohnnebenkosten, für die sich sowohl SPÖ als
auch ÖVP erwärmen könnten.
Als problematisch gilt auch, dass im Niedrigeinkommensbereich
zuerst gar keine Steuern bezahlt werden (bis 10.000 Euro), dann aber
sofort ein hoher Steuersatz von 38,3 Prozent fällig wird.
Mittelstand: Im Mittelpunkt des Interesses steht bei der
Steuerreform jedoch der sogenannte "Mittelstand". Wo dieser beginnt
und wo er endet ist Ansichtssache. Geht man nach den bisherigen
Aussagen der Koalition, beginnt der untere Mittelstand bei 20.000
Euro (VP-Wirtschaftsminister Martin Bartenstein), der obere endet bei
56.000 Euro jährlich (SP-Finanzstaatssekretär Christoph Matznetter).
In diesem Bereich liegt mehr als ein Drittel der Steuerzahler
(zumindest 2,312 Millionen), die mindestens 9,7 Mrd. Euro an
Lohnsteuer bezahlen. Das sind 51,4 Prozent der Gesamteinnahmen.
Bei dieser Gruppe liegen die Pläne von SPÖ und ÖVP vorerst am
weitesten auseinander: Während die SPÖ Einkommen bis 4.000 Euro
monatlich (56.000 Euro jährlich) entlasten will, möchte die ÖVP das
Steuersystem zusätzlich noch per "Familiensplitting" nach
französischen Vorbild umbauen. Dort zahlt man ab drei Kindern
praktisch keine Steuer mehr, allerdings ist die Entlastung mit einem
Höchstbetrag gedeckelt, um Besserverdiener nicht überproportional zu
entlasten.
Spitzenverdiener: Fast eine halbe Million Steuerzahler verdient in
Österreich mehr als 50.000 Euro jährlich. Obwohl sie mit 8,5 Mrd.
Euro rund 45 Prozent der gesamten Lohnsteuer bezahlen, gehören rein
steuerlich nicht alle davon zu den tatsächlichen Spitzenverdienern.
Denn der Höchststeuersatz greift erst ab einem Bruttobezug von etwa
70.000 Euro pro Jahr (abzüglich Sozialversicherung und Werbungskosten
rund 51.000 Euro Steuerbemessungsgrundlage). Das wären etwa 170.000
"Steuerfälle" - diese drei Prozent der Steuerzahler bezahlen über ein
Viertel der gesamten Lohnsteuer (rund fünf Mrd. Euro). Absolute
Spitzenverdiener sind jene 7.000 Steuerzahler mit mehr als 200.000
Euro Jahresbrutto.
Features
Streit entbrannt
Am letzten Wochenende war in der Koalition ein Streit über die geplante
Steuerreform ausgebrochen. Vizekanzler Wilhelm Molterer (ÖVP) hatte
eine Senkung des Spitzen-
steuersatzes gefordert. Finanzsstaatssekretär
Christoph Matznetter (SPÖ) hatte dem eine Absage erteilt und sich
seinerseits für eine Anhebung der Einkommensgrenze ausgesprochen.












