Staatsreform: Haider will in Bundesrat, SP-Landeshauptleute nicht
Eine Verfassungs-Expertengruppe will die Landeshauptleute in den Bundesrat setzen. Haider spricht von einer "guten Idee". Die SP-Landeschefs winken ab. Voves spricht von einem Verstoß gegen die Gewaltentrennung.

Foto © APAJörg Haider
Die SPÖ-Landeshauptleute lehnen den Vorschlag der
Expertengruppe zur Verfassungsreform geschlossen ab, wonach die
Landeschefs künftig direkt im Bundesrat sitzen sollen. Das hat ein
Rundruf der Austria Presse Agentur in den Bundesländern ergeben. Kärntens
BZÖ-Landeshauptmann Jörg Haider kann dem Plan dagegen einiges
abgewinnen. "Ich halte das für eine gute Idee", sagte Haider der Austria Presse Agentur.
Schließlich habe er diesen Vorschlag schon vor Jahren im Zusammenhang
mit der von ihm skizzierten "Dritten Republik" gemacht.
Kaum Chancen.
Haider pocht allerdings darauf, dass die Zahl der Bundesräte
insgesamt nicht erhöht werden dürfte. "Der Landeshauptmann wäre dann
für jedes Bundesland sozusagen der erste Bundesrat", sagt der
Landeshauptmann. Grundsätzlich hätten die Landeshauptleute aber auch
jetzt jederzeit das Recht, im Bundesrat ans Rednerpult zu treten,
betont Haider. Freilich dürfte der Vorschlag der von der Koalition
eingesetzten Verfassungsexperten wenig Chancen auf Realisierung
haben, denn die von der SPÖ gestellten Landeschefs lehnen ihn
geschlossen ab.
Getrennte Funktionen.
Wiens Bürgermeister Michael Häupl - hält von der Idee "überhaupt
nichts". Der Landeshauptmann sei Vertreter der Verwaltung, im
Bundesrat würde er eine Gesetzgebungsfunktion übernehmen. "Das wäre
eine völlig unzulässige Vermischung", sagte Häupl gegenüber der Austria Presse Agentur.
"Exekutiv- und Legislativfunktionen müssen getrennt bleiben",
befindet auch Salzburgs Landeschefin Gabi Burgstaller. Häupl kann
sich aber vorstellen, dass der Bundesrat ein Vetorecht beim
Finanzausgleich bekommt und über Kompetenzstreitigkeiten zwischen
Bund und Ländern entscheiden soll.
Voves lehnt ab.
Der burgenländische Landeshauptmann Hans Niessl will keine
Einschränkung der Wahlfreiheit der Länder bei der Entsendung ihrer
Bundesräte hinnehmen. "Die Mitglieder des Bundesrates sollen
weiterhin von den Landtagen entsandt werden", sagte Niessl auf
APA-Anfrage. Der Steirer Franz Voves hatte den Vorschlag bereits am
Freitag als Verstoß gegen die Gewaltentrennung abgelehnt.
Features
Drei-Säulen-Modell
Im Rahmen der Bundesratsreform sollen Bund-Länder-Kompetenzen in ein Drei-Säulen-Modell zusammengefasst und neu geordnet werden...
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Voves und BurgstallerFoto © AP
Fakten
...zwei Säulen umfassen reine Bundes- und Landesaufgabenbereiche, die Dritte dient als Brücke zwischen Bund und Land, soll also Kompetenzen beider Gewalten beinhalten.












