Van der Bellen sieht die SPÖ als "rotes BZÖ"
Der Grünen-Chef beurteilt die Performance der Regierung als ein "Debakel erster Ordnung". Die SPÖ könne sich nicht durchsetzen.

Foto © ORF/ PressestundeVan der Bellen in der ORF-Pressestunde
Als "Debakel erster Ordnung" hat am Sonntag
Grünen-Chef Alexander Van der Bellen die Regierungsperformance
bezeichnet. Die SPÖ sei führungslos und agiere als "rotes BZÖ", sagte
Van der Bellen in der ORF-"Pressestunde". Scharfe Kritik übte der
Parteichef auch am Pflege-Modell von Sozialminister Erwin Buchinger
(S) und dem umstrittenen Gesetz zum Asylgerichtshof. Das Experiment
der Neuen Mittelschule ist seiner Meinung nach ohne die Steiermark
"tot".
Schuldebatte.
Unterrichtsministerin Claudia Schmied (S) "tut mir echt leid", so
Van der Bellen, der die Schuldebatte vom "erfolgreichen Widerstand"
der ÖVP und der "Unfähigkeit der SPÖ, sich durchzusetzen", geprägt
sah. Die Drohung des steirischen Landeshauptmanns Franz Voves (S),
aus dem Versuch auszusteigen, hat Van der Bellen offenbar ernst
genommen: "Wenn die Steiermark aussteigt, ist das Experiment tot."
Skeptisch äußerte sich der Grünen-Chef hinsichtlich einer
Aufnahmsprüfung für angehende Lehramtsstudenten an den Unis.
Kritik.
Kritik übte Van der Bellen am Pflege-Modell Buchingers. Was der
Sozialminister vorgelegt habe, "funktioniert nicht und ist zum Teil
skandalös". "Das wird in dieser Form nicht funktionieren", meinte Van
der Bellen und forderte wie die ÖVP eine Verlängerung der Amnestie.
Die Straffreiheit für illegale Pflege läuft mit Jahresende aus.
Asyl-Debatte.
Scharf ins Gericht mit der Regierung ging Van der Bellen in Sachen
Asylgericht. Den Rechtsstaat "zur Seite zu schieben", um weniger
positive Asyl-Bescheide zu haben, sei "das Letze", empörte er sich.
Das sei einem Rechtsstaat "unwürdig", kritisierte er die neue
Regelung, mit der Flüchtlingen der Gang zum Verwaltungsgerichtshof
künftig verwehrt wird. "Keinerlei Verständnis" hat Van der Bellen
hingegen für kriminelle Ausländer. Tschetschenische Banden gehören
"eingefangen, abgeurteilt und abgeschoben".
Tschad-Einsatz.
Bekräftigt wurde vom Parteichef die Ablehnung des
Tschad-Einsatzes. Die Grünen seien bisher immer für die
Auslandseinsätze gewesen, in diesem Fall sei man aber skeptisch. Als
Grund nannte er zum einen die Rolle Frankreichs als ehemalige
Kolonialmacht und Unterstützer der Regierung im Tschad und zum
anderen die möglicherweise unzureichende Ausrüstung des
österreichischen Bundesheers. Der Frage, wieso die Grünen für einen
Einsatz in der sudanesischen Krisenregion Darfur angetreten sind,
wich Van der Bellen aus.












