Pflichtschule: SPÖ-Appell für zehntes Jahr
Vorstoß für zehntes Pflichtschuljahr fällt in der Steiermark auf fruchtbaren Boden. Intensivtraining im Lesen und in Mathematik soll Defizite abbauen und Schulabbrechern den Weg in den Beruf ebnen.

Foto © ReutersZehntes Pflichtschuljahr soll "qualifizierenden mittleren Abschluss" ermöglichen
Einmal mehr rennt die SPÖ mit einem schulpolitischen Vorstoß in der Steiermark offene Türen ein. Der ÖVP-nahe Landesschulinspektor für das Pflichtschulwesen, Hermann Zoller, fühlt sich vom Vorstoß für ein zehntes Pflichtschuljahr geradezu bestätigt in seinen Bemühungen, die Ausbildung nach dem achten Schuljahr auf neue Beine zu stellen.
"Qualifizierender mittlere Abschluss." Seit Jahren läuft in der Steiermark der Schulversuch der Realschulen - an 19 von 178 Hauptschulen ist es möglich, ein neuntes, manchmal sogar ein zehntes Schuljahr anzuhängen und damit einen "qualifizierenden mittleren Abschluss" zu erreichen ("mittlere Reife" durfte es nicht heißen, weil das im Gesetz so nicht vorgesehen ist). Die ideale Möglichkeit etwa für Anwärter auf die Schwesternschulen, die ihre Ausbildung überhaupt erst mit 16 beginnen können.
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Probleme beim "sinnerfassenden Lesen". Aber auch die Pisa-Resultate seien, so Zollner, eine Bestätigung dafür, dass es Sinn macht, an das 8. Schuljahr noch einmal eine intensive Lernphase anzuhängen: Rund ein Fünftel aller 15- bis 16-Jährigen in Österreich erreicht derzeit gerade noch oder gar nicht den so genannten "Level 1": Das bedeutet, sie können gerade noch einen Buchstaben nach dem anderen lesen, manchmal nicht einmal das. Sie scheitern am "sinnerfassenden Lesen": Nach der Lektüre wissen sie nicht, worum es in der Passage gegangen ist. In Mathematik sieht es ähnlich aus.
Einstimmige Zustimmung. Bei einer Leiterkonferenz der Polytechnischen Schulen in der Steiermark bekam Zoller einstimmige Zustimmung für das Bemühen darum, eine zweistufige Berufsrealschule ins Leben zu rufen - als Ausbildung nach der 8. Schulstufe für all jene, die keine andere weiterführende Schule besuchen. Im ersten Jahr ginge es um einen vertiefenden Unterricht in Allgemeinbildung, im zweiten um die Hinführung zum Beruf. In die Lehre würden die Jugendlichen demnach künftig erst ab dem 16. Lebensjahr einsteigen.
Schiene in den Beruf. Zoller ist auch deshalb ein flammender Befürworter so eines Modells, weil damit all jene aufgefangen werden könnten, die nach der 8. Schulstufe eine HTL oder eine AHS-Oberstufe beginnen wollen, aber schon am ersten Semesterzeugnis scheitern. Derzeit gibt es nur bis Weihnachten die Möglichkeit, verspätet noch in die Polytechnische Schule einzusteigen. Im Februar stehen diese Jugendlichen auf der Straße, ohne eine Schiene in den Beruf.













