Putschversuch auf Philippinen unblutig beendet
Putschisten, die aus dem Gericht entkommen waren, ergaben sich in umstelltem Luxushotel. Anführer Trillanes sagte, er wolle Zivilisten im Hotel nicht gefährden.

Foto © ReutersDas Militär bleibt Präsidentin Arroyo treu
Eine Meuterei von mehreren Dutzend philippinischer Soldaten, die zum Sturz von Präsidentin Gloria Macapagal Arroyo aufgerufen hatten, ist am Donnerstag vom Militär innerhalb weniger Stunden niedergeschlagen worden. Der Anführer der Rebellen, Antonio Trillanes, der sich mit einigen Dutzend Anhängern im Luxushotel Peninsula in der Innenstadt von Manila verschanzt hatte, sagte vor laufenden Fernsehkameras, er gebe auf, um die ebenfalls im Hotel anwesenden Zivilisten nicht zu gefährden. Er warf Präsidentin Arroyo Korruption und Wahlbetrug vor.
Umsturzversuch. Trillanes stand wegen eines Umsturzversuchs aus dem Jahre 2003 vor Gericht und war im Frühjahr aus dem Gefängnis heraus in den Senat gewählt worden. Am Donnerstag nutzte er einen Gerichtstermin, um sich abzusetzen. Die bewaffnete Militärpolizei, die ihn und seine Mitangeklagten eigentlich bewachen sollte, war offenbar zu ihm übergelaufen. Praktisch ungehindert marschierte die Gruppe zu dem Hotel. Dem Aufruf der Soldaten an die Bevölkerung, sich anzuschließen und die Präsidentin in einem Volksaufstand aus dem Amt zu jagen, folgte nach ersten Berichten kaum einer.
Korruptionsvorwürfe. "Die Leute haben genug", sagte Trillanes. "Wir rufen die Menschen
auf, sich uns anzuschließen." Einer seiner Mitstreiter, General
Danilo Lim, verlas eine Erklärung, in der die Gruppe Arroyo ihre
Unterstützung entzog. Die Regierung kämpft seit Monaten gegen
Korruptionsvorwürfe. Nach den letzten Wahlen hielten sich hartnäckig
Vorwürfe eines Wahlbetrugs, die aber nie nachgewiesen wurden. "Ich
akzeptiere die Konsequenzen meines Verhaltens", sagte Trillanes
schließlich , bevor er sich festnehmen und in Handschellen abführen
ließ.
Militär loyal. Wie schon bei vorherigen Putschversuchen zeigte sich das Militär
loyal gegenüber der Staatschefin. Um die Meuterei zu beenden, brachte
die Armee mehrere hundert Soldaten in Stellung. Ein Einsatzkommando
der Armee fuhr mit einem gepanzerten Truppentransporter in die Lobby
des Hotels, nachdem die Rebellen einem Aufruf, sich zu ergeben, nicht
gefolgt waren. Die Soldaten schossen mit Tränengas. In dem Hotel
waren auch zahlreiche Journalisten, die im Fernsehen live über die
Meuterei und die anschließende Erstürmung berichteten. Viele von
ihnen waren mit in Wasser getränkten Lappen vor dem Gesicht zu sehen,
um sich vor dem Tränengas zu schützen.
Features
Fakten
Die Staatschefin
hatte bereits im Juli 2003 einen Umsturz-
versuch von rund 200
Sol-
daten überstanden. Im ver-
gangenen Jahr scheiterte auch ein
Amtsenthe-
bungsverfahren, in dem ihr zur Last gelegt wurde, den
Wahlsieg vom Mai 2004 durch Betrugerrungen zu haben. Arroyo kam erstmals 2001 an die Macht.
Ausgangssperre
Die Regierung verhängte unmittelbar nach dem Ende der Aktion eine Ausgangssperre für die Hauptstadt und zwei angrenzende Gebiete von Mitternacht bis 5:00 früh. Präsidentin Arroyo kündigte an, die Rebellen würden neuerlich angeklagt werden.
















