Australischer Wahlsieger Rudd rückt von USA ab
Kevin Rudd hat nach seinem Wahlsieg in Australien weiterhin eine enge Freundschaft mit den USA versprochen, doch wird es um die Amerikaner auf internationaler Bühne einsamer.

Foto © APKevin Rudd
Rudd hat den Abzug aus dem Irak angekündigt und die Ratifizierung des
Kyoto-Protokolls zum Klimaschutz. Damit geht US-Präsident George W.
Bush ein weiterer Verbündeter im Irak von der Fahne. Bei der
Weltklima-Konferenz Anfang Dezember in Bali bleiben die USA als
einzige Kyoto-Verweigerer unter den Industrienationen übrig.
Kompromisslos. Europa frohlockt dagegen. "Die Labor-Partei hat viel mehr Nähe zur
europäischen Sozialtradition", meinte ein Diplomat in der Hauptstadt
Canberra. Rudds Vorgänger John Howard habe kompromisslos an Bushs
Seite gestanden und wenig für die Europäer übrig gehabt. Die
Euroskepsis rühre aus seiner Zeit als Handelsminister, als er in
Brüssel mit der Forderung nach Sonderzugang zum EU-Markt abblitzte.
Als ehemaliger Diplomat stellte Rudd die auswärtigen Beziehungen
schon in seiner ersten Rede am Sonntag ins Rampenlicht. Mit
US-Präsident Bush telefonierte er, mit dem britischen Premierminister
Gordon Brown und dem indonesischen Präsidenten Susilo Bambang
Yudhoyono. Im September hatte er schon eine Einladung des
chinesischen Präsidenten Hu Jintao zu den Olympischen Spielen nach
Peking angenommen. Rudd spricht perfekt Mandarin und hatte den
Besucher in Sydney damit beeindruckt.
Irak und Klima - mit diesen Themen traf Rudd den Nerv des Volkes.
Mehr als 60 Prozent forderten in Umfragen den Rückzug aus dem Irak.
Der Klimawandel rückte spätestens durch die verheerende Dürre im
vergangenen Jahr ins Bewusstsein der Wähler. Da gab Howard noch die
Devise aus, das Wachstum dürfe nicht durch unfaire Emissionsauflagen
gedrosselt werden. Ironischerweise, meint Anne Henderson vom
Sydney-Forschungsinstitut, hat auch der von Howard kreierte Wohlstand
zum Sinneswandel beigetragen: "Nennen wir es soziales Gewissen - die
Bessergestellten (...) machen sich jetzt Gedanken über den
Klimawandel und unsere Schuld daran", meinte sie.
Features
Fakten
Auch die Hälfte der auf sechs Jahre gewählten Senatoren wurden neu
gewählt. Mehr als die Hälfte der 13,5 Millionen Wähler bevorzugt im
Ober-
haus eine Mehrheit von Labor und den seit 2004 nicht mehr im
Unterhaus vertretenen Grünen.
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Kevin Rudd punktete hochFoto © AP
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Kämpferisch: John Howard Foto © Reuters













