Joschka Fischer: "Wir verlieren Pakistan"
Der frühere deutsche Außenminister Joschka Fischer hat massive Kritik an der US-Außenpolitik geübt.
"Wir verlieren
Pakistan durch die gleichen Fehler wie vor dem Jahr 1979 (den Iran,
als es dort zur islamischen Revolution kam, Anm.)", sagte Fischer am
Samstag bei einer Diskussionsveranstaltung des Instituts für die
Wissenschaften vom Menschen (IWM) in Wien. Er sei auch besorgt wegen
der Zuspitzung des Iran-Atomkonflikts. Die Möglichkeit eines
US-Angriffs auf den Iran bereite ihm "Alpträume".
Düster. "Die Situation ist sehr düster", sagte der frühere deutsche
Chefdiplomat. Sollte es zu einem Umsturz in Pakistan kommen, "wird
die gesamte Region auf den Kopf gestellt", verwies er auf mögliche
Konsequenzen für Afghanistan.
Hochschaukeln. In Hinblick auf den Iran äußerte Fischer die Befürchtung, dass
sich der Konflikt durch die bevorstehenden Wahlen in beiden Ländern
hochschaukeln könnte. Jüngste Aussagen des aussichtsreichen
republikanischen Präsidentschaftsbewerbers Rudy Giuliani zum Iran
hätten ihn "schockiert", sagte Fischer. Auch der iranische Präsident
Mahmoud Ahmadinejad habe Interesse an einem "begrenzen Militärschlag"
gegen sein Land, um seine Wahlchancen im kommenden Jahr zu erhöhen.
Warnung. Fischer warnte die USA davor, im Iran "wieder einen Krieg zu
beginnen, der nicht gewonnen werden kann". Den transatlantischen
Beziehungen würde dieser Krieg einen "massiven Schlag" versetzen,
erwartet er ein noch stärkeres Zerwürfnis als im Irak-Konflikt. "Wir
werden dann aggressive Worte in den transatlantischen Beziehungen
verwenden müssen."
"Tragische Entwicklung." Dass die USA sich seit dem Ende des Kommunismus nur noch auf ihre
militärische Macht verließen, sei eine "tragische Entwicklung", so
Fischer. "Wir alle zahlen den Preis dafür", kritisierte Fischer, der
sich skeptisch über eine Änderung in der US-Außenpolitik nach den
kommenden Präsidentenwahlen zeigte.












