Finanzausgleich macht Regierung das Leben leichter
Bund, Länder, Gemeinden und Städte haben sich nach einer fast achtstündigen Verhandlungsrunde auf ein gemeinsames Papier geeinigt. Thematisiert waren die Bereiche Pflege, Mindestsicherung und Kinderbetreuung.

Foto © APA
Wenn Bund, Länder, Gemeinden und Städte einmal für
ein paar Minuten gemeinsam glücklich sind, ist der Finanzausgleich
unter Dach und Fach - so geschehen gestern kurz vor Mitternacht. Für
die Länder und Gemeinden erfolgt nun ein schöner Guss an
Steuermitteln, der Bund kann sich dafür freuen, dass Prestigeprojekte
wie 24-Stunden-Betreuung, Mindestsicherung und Ausbau der
Kinderbetreuung finanziert sind. Zusätzlich steht ein Überschuss im
Bundeshaushalt 2010 - zumindest auf dem Papier.
Plan für sechs Jahre. Finanzminister Wilhelm Molterer (V) war stolz darauf, in nur drei
Monaten die Verteilung der Steuermittel für die kommenden sechs Jahre
über die Bühne gebracht zu haben. Es sei viel Detailarbeit geleistet
worden, die letztlich die Detailumsetzung erleichtern werde. Damit
bezog er sich etwa auf Pflege und Mindestsicherung, für die nun
praktisch fertige Konzepte vorliegen. Folgerichtig frohlockte auch
Finanzstaatssekretär Christoph Matznetter (S), dass der
Finanzausgleich bereits die Umsetzung des gesamten
Regierungsprogrammes ermögliche.
Pflegepaket abgesegnet. Das stimmt zumindest einmal für den Bereich Pflege. Die
15a-Bund-Länder-Vereinbarung wurde bei der letzten
Finanzausgleichsrunde bereits abgesegnet. Änderungen in letzter
Minute betreffen die Möglichkeit der Länder, eine andere
Vermögensverwertungsgrenze als die bisher angedachten 5.000 Euro
festzulegen. Theoretisch besteht auch die Option, im gemeinsamen
Einvernehmen noch etwas an den Förderbeträgen zu ändern. Derzeit ist
ein Zuschuss für selbstständige Pfleger in Höhe von 225 Euro und
durch unselbstständige Betreuungskräfte in Höhe von 800 Euro
monatlich vorgesehen. Das reservierte Geld - rund 40 Millionen - soll
laut Sozialminister Erwin Buchinger (S) für rund 8.000 Förderfälle
reichen.
Mindestsicherung. Nicht ganz, aber fast so weit ist man bei der Mindestsicherung.
Sie wird wie immer schon vorgesehen 690 Euro netto, 14 mal pro Jahr
betragen. Wesentlichster Fortschritt: Der Regress - also die
Rückzahlungspflicht - entfällt praktisch zur Gänze. Ob das letztlich
den finanziellen Rahmen sprengt (die Länder müssen maximal 50
Millionen abliefern, den Rest der Bund) wird man wohl erst Ende 2010
wissen, wenn die erste Evaluierung stattfindet.
Fremdpatienten. Einer der letzten noch offenen Punkte, der am Mittwoch gelöst
werden musste, war die Fremdpatienten-Regelung - also was die Länder
für die Behandlung von Patienten anderer Bundesländer erhalten.
Letztlich wurden dafür von den 100 Millionen jährlich zusätzlich zur
Krankenanstalten-Finanzierung noch einmal 20 Millionen abgezwickt.
Den Löwenanteil von 14 Millionen erhält Tirol, womit Landeshauptmann
Herwig van Staa (V) seine Veto-Drohung doch lieber wieder zurückzog.
Große Zufriedenheit. Überhaupt herrschte seitens aller Gebietskörperschaften
Zufriedenheit am Tag danach. Selbst der Städtebund, der ebenfalls mit
einem Nein zum Pakt gedroht hatte, lenkte ein. Davor gab es freilich
noch ein Goodie. 16 Millionen Euro werden jährlich für finanzschwache
Städte über 10.000 Einwohnern zur Verfügung gestellt. Damit schrieb
auch der Städte-Chefverhandler und Salzburger Bürgermeister Heinz
Schaden (S) seinen Namen unter den Finanzausgleich.
Beschluss im Parlament. Ganz fertig ist die Kuchenverteilung freilich noch immer nicht.
Der Finanzausgleich muss im Herbst noch rasch durchs Parlament, die
diversen 15a-Verträge zusätzlich die Landtage überstehen. Ein klares
Nein kam vorerst nur von den Grünen. Deren Finanzsprecher Bruno
Rossmann meinte, neuerlich sei eine Chance für Weichenstellungen in
Richtung Klimaschutz, Wirtschaftswachstum und regionale
Beschäftigungspolitik vertan worden.
Features
24-Stunden-Pflege
Hier wurde den Ländern ein wenig mehr Flexibilität
zugestanden. Es muss nicht die ursprüngliche Ver-
mögensgrenze von
5.000 Euro angewendet werden. Auch höhere Limite werden möglich sein.
Foto

Nach acht Stunden waren sich alle einigFoto © APA
Fakten
Finanzminister Wilhelm Molterer (V) zeigte sich nach den
Verhandlungen glücklich mit dem Ergeb-
nis. Auch Finanzstaatssekre-
tär Christoph Matznetter (S) war überzeugt,
dass es beim Finanzausgleich diesmal keine Verlierer gegeben habe,
sondern nur den Ge-
winner Österreich.












