Burma: "Kriegserklärung an das Volk"
Seit den Ausschreitungen im letzten Herbst geht die Regierung laut Berichten der Organisation noch härter gegen Kritiker im eigenen Land vor. Jüngster Beleg dafür soll der aktuelle Verfassungsentwurf der Regierung sein.

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Die in Burma (Myanmar) herrschende Militärjunta hat den angekündigten Entwurf für eine neue Verfassung fertiggestellt. Für Mai ist eine Volksabstimmung angekündigt worden. Wie die staatlichen Medien am Dienstag berichteten, soll die künftige Verfassung die 1988 außer Kraft gesetzte staatssozialistische Verfassung ersetzen, die 1974 unter der Diktatur von General Ne Win erlassen worden war. Die vom Regime eingesetzte Sonderkommission habe ihre Arbeit nach mehr als zwei Monaten beendet, hieß es. In dem Gremium war die Nationale Liga für Demokratie (NLD) der unter Hausarrest stehenden Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi nicht vertreten.
Burma
Ein Vielvölkerstaat der an Indien, Bangla-
desch,
China, Laos und Thailand grenzt. Es ist reich an Rohstoffen,
gehört aber zu den 20 ärmsten Ländern.
Referendum im Mai. Als "gegen das Volk gerichtete Kriegserklärung" haben die
Exponenten der burmesischen Demokratiebewegung die Ankündigung der
Militärmachthaber aufgefasst, ein Verfassungsreferendum im Mai und
Mehrparteienwahlen im Jahr 2010 abzuhalten. Das "Schein-Plebiszit"
solle lediglich "die Militärdiktatur legalisieren", hieß es in einem
Kommuniqué der Widerstandsbewegung "Studentengeneration 1988". Die
Junta werde die Bevölkerung wie in der Vergangenheit mit allen
Mitteln einschüchtern und zur Teilnahme an der sogenannten Abstimmung
zwingen.
Wahl annulliert. Das südostasiatische Land wird seit 1962 - mit Ausnahme von
wenigen Wochen 1988 - vom Militär regiert. Die NLD hatte die Wahlen
zu einer Verfassungsgebenden Nationalversammlung im Jahr 1990 mit
Vierfünftelmehrheit gewonnen, doch hatte das Militär den Urnengang
annulliert und die Machtübergabe an eine Zivilregierung verweigert.
Dem burmesischen Regime werden schwerste Menschenrechtsverstöße zur
Last gelegt, insbesondere Zwangsarbeit, Folter, brutale Verfolgung
von ethnischen Minderheiten und Missbrauch von Kindersoldaten.
Friedliche Proteste. Im vergangen Jahr hatten buddhistische Mönche friedliche
Massenproteste angeführt, die das Regime blutig niederschlagen ließ.
Zeitweise hatten in mehreren Städten täglich mehr als 150.000
Menschen gegen die Diktatur demonstriert. Juntachef General Than Shwe
hatte erklärt, die Führung sei entschlossen, ihren Kurs unbeirrt
fortzusetzen, die Armee betrachte sich als oberste Hüterin der
Interessen der burmesischen Nation. Die Junta setzte zwar einen
Verbindungsmann für Kontakte zu Suu Kyi ein, doch erklärte die NLD,
das Regime führe nur Scheinverhandlungen. Der 2004 abgesetzte
Ministerpräsident General Khin Nyunt hatte einen "Demokratiefahrplan"
versprochen, doch mit seinem Sturz war es innerhalb der Junta zu
einer Machtverschiebung zugunsten der von China unterstützten
"Hardliner" gekommen, die Zugeständnisse an die Demokratiebewegung
strikt ablehnten.
"Richtige Signale". Der stellvertretende UNO-Generalsekretär Ibrahim Gambari hat am
Dienstag China aufgefordert, den Militärs in Burma die "richtigen
Signale" zu senden und sie zur Kooperation zu bewegen. Nach
Gesprächen mit dem chinesischen Außenminister Yang Jiechi in Peking
sagte Gambari, die vorgelegten Pläne für ein Referendum im Mai seien
ein "bedeutender Schritt", da erstmals ein Zeitrahmen mit einem
klaren Ziel vorliege. China sowie andere Nachbarstaaten und die
internationale Gemeinschaft könnten noch mehr tun, um eine Lösung in
Burma zu erreichen.
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Junta-Chef General Than ShweFoto © APA













