Wahlkampf unter Tränen
Als erste Frau und erste Indigena tritt Friedensnobelpreis-trägerin Rigoberta Menchu am Sonntag an, um Präsidentin in Guatemala zu werden. Der Wahlkampf war der blutigste aller Zeiten.

Foto © APRigoberta Menchu (links) kennst das Leid der Bevölkerung
Wahlgeschenke verteilt sie keine. Rigoberta Menchu schüttelt Hände, spricht mit Bauern im Maya-Dialekt und trägt Särge. In Guatemala herrscht Wahlkampf, und das im brutalsten Sinne des Wortes: Mehr als 40 Kandidaten, Parteimitglieder und Familienangehörige wurden in den letzten Wochen getötet - darunter Parteifreunde von Rigoberta Menchu. Es gehört Mut dazu, in Guatemala seine Stimme gegen die Mächtigen zu erheben, und Menchu hat ihn: Als erste Frau und erste Indigena tritt sie heute bei den Präsidentschaftswahlen um das höchste Amt im Lande an.
Ein ganzes Jahrzehnt ist seit dem Ende des 36 Jahre dauernden Bürgerkriegs vergangen, doch geändert hat sich leider wenig: Die Kluft zwischen Arm und Reich, zwischen der schmalen Oberschicht der Unternehmer und der indigenen Bevölkerung ist enorm. Mayas und andere Ureinwohner, die rund 60 Prozent der Einwohner ausmachen, werden weiterhin an den gesellschaftlichen Rand gedrängt.
Lynch-Justiz.
Noch immer halten Gewalt und Lynchjustiz das Land im Würgegriff - eine Gewalt, die im Dienste Krimineller steht: "In Guatemala regiert das Drogengeschäft", sagt Sonja Perkic. Die Steierin lebt seit 1999 vor Ort und organisiert mit Menschenrechtsgruppen eine Beobachter-Mission für die Wahlen. "Die Mafia reicht tief in Regierung und Parlament", so Perkic.
Rigoberta Menchu wurde 1959 als Quiche-Maya geboren. In einem katholischem Internat kam sie mit den Ideen der Befreiungstheologie und der Frauenbewegung in Berührung. 1992 erhielt sie für ihren Einsatz für die Opfer des Bürgerkriegs den Friedensnobelpreis. Menchu gilt heute als Ikone der europäischen Solidaritätsbewegung mit Guatemala. Doch in ihrer Heimat selbst hat sie in der Zwischenzeit viel an Rückhalt verloren. Sie kann die Wahl nicht gewinnen. Im Vergleich zu ihren Konkurrenten wirkt ihr Auftreten wenig professionell. Geschadet hat ihrem Ansehen zudem, dass sie sich von der gegenwärtigen Regierung als Sonderbotschafterin einspannen ließ und einen konservativen Großgrundbesitzer zu ihrem Stellvertreter kürte.
Eine Stimme für ein Mittagessen.
Als Favoriten gelten ein reicher Textil-Unternehmer und Ex-General mit Blut an den Händen. "Die Bevölkerung ist so arm, dass sie für ein Mittagessen jedem die Stimme gibt", sagt Perkic. Zudem sehnen sich in einem Klima der Angst viele nach einer starken Hand. So steht Guatemala vor der paradoxen Situation, dass die Mehrheit der indigenen Bevölkerung jetzt einen Militär wählen wird, der für Massaker an den Ureinwohnern verantwortlich gemacht wird.
"Die Anspannung in der Bevölkerung ist stark zu spüren. Wir sind alle froh, wenn die Wahl vorbei ist", erzählt Sonja Perkic. Ein großer Erfolg wäre der heutige Wahlsonntag bereits, wenn ihn alle überleben.
Features
Fakten
Der Staat Nicaragua liegt in Zentralamerika. Er grenzt im Norden an Honduras und im Süden an Costa Rica sowie im Westen an den Pazifik und im Osten an die Karibik.
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An Bilder wie diese mußte man sich im Wahlkampf gewöhnen
Fakten
Nicaragua gehört zu den ärmsten Ländern der Welt, das Pro-Kopf-Einkommen lag 2003 mit 623 Euro unterhalb der Armutsgrenze nach Definition der WHO. Außerdem gilt Nicaragua als Entwicklungsland. 50 % der Bevölkerung leben in Armut, in der Landbevölkerung steigt dieser Anteil bis auf 70 %.
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