"Auch Pakt gegen Nagl ist möglich"
SPÖ-Chef Franz Voves lässt der Grazer Partei völlig freie Hand. Im Land will er wieder stärker auf die ÖVP zugehen.

Foto © APAFranz Voves
Wie wichtig ist es Ihnen persönlich, Graz wieder in rote Hand zu bekommen?
FRANZ VOVES: Das ist mir sicher wichtig, ich wäre ja auch gerne als Gemeindereferent wieder zuständig für die Landeshauptstadt.
Wer hat die besseren Karten?
VOVES: Das wird eine knappe Entscheidung. Ein Ergebnis wie 1998 - 30,9 Prozent - müsste in Graz für die SPÖ wieder möglich sein, die fünf Prozentpunkte, die man verloren hat, müssten zurückzugewinnen sein, die ÖVP könnte im selben Ausmaß wieder verlieren. Beide könnten sich bei rund 30 Prozent einpendeln. Der Ausgang wird ganz stark von der Wahlbeteiligung abhängen, also davon, welcher Partei es gelingt, ihre Wähler zur Wahl zu bringen.
Wer hat denn dann den Anspruch auf den Bürgermeister? Die Nummer 1 in Graz, oder der, der besser verhandelt?
VOVES: Man muss davon ausgehen, dass sich die beiden Großen wieder treffen müssen. Es geht also darum, dass man vorne ist.
Aber was wäre es Ihnen denn wert, den Bürgermeister wieder zurückerobern? Auch einen Pakt mit anderen gegen die ÖVP?
VOVES: Also, wir wollen den Proporz auf Landesebene abschaffen, und es stellt sich berechtigt die Frage, ob man das nicht auch in Graz anders sieht in Zukunft.
Das heißt, es spricht nichts gegen einen solchen Pakt?
VOVES: Ich sage Ihnen, ich bin für eine offene Situation in der Frage der Koalitionsbildung, das ist Demokratie. Ich schließe da nichts und niemanden aus.
Das hätte aber dann auch Auswirkungen auf das landespolitische Klima, oder?
VOVES: Ich glaube nicht, bei dem Klima, das wir so auf Bundes- und auf Landesebene fahren, dass das noch Auswirkungen hätte. Was soll es denn noch verschärfen? Die Grazer sind da in ihrer Entscheidung völlig frei.
Hat es Graz Ihrer Meinung nach eigentlich geschadet, dass es seit 2003 einen schwarzen Bürgermeister gibt?
VOVES: Also, die beiden, Nagl und Ferk, haben sich miteinander einfach schwer getan, sind in vielen Fragen nicht zu einem Konsens gekommen. Das wird sich in der Wahlbeteiligung niederschlagen.
Die ÖVP legt die Wahlkampflinie darauf an, dass es gilt, nach den SPÖ-Siegen in Bund und Land zu verhindern, dass auch Graz wieder rot wird.
VOVES: Die Bevölkerung weiß haargenau, was in Graz weitergegangen ist und was nicht, und wem sie das zuzuschreiben hat. Die Verbindungen zu Bundespräsident und Kanzler und den Ausgleich dazu, dieses Denken halte ich für nicht mehr zeitgemäß.
Wo liegt die Latte für einen Erfolg für Walter Ferk?
VOVES: Ich habe mit ihm natürlich Gespräche geführt. Sein Ziel ist es, wieder Erster zu werden, also mindestens das Ergebnis von 1998. In der Erwartung, dass die ÖVP wieder einiges verliert und die SPÖ Stimmen von der KPÖ zurückgewinnen kann.
Wenn dieses Wahlziel nicht erreicht wird, hat das auch Folgen für die Landespartei. Werden Sie da Ihr Gewicht in die Waagschale werfen, um bei einer Neuordnung mitzureden, obwohl Sie damit schon einmal gescheitert sind?
VOVES: Wir haben gesprochen über diese Ziele. Die Grazer Partei selbst hat sich die Latte gelegt, und weiß, dass sie diese Ziele erreichen muss. Andernfalls muss sie selbst genau diese Gespräche führen.
Haben Sie lernen müssen, kleinere Brötchen zu backen?
VOVES: Ja, absolut. Ich habe akzeptieren müssen, dass man in der Politik Mehrheiten braucht. Auch, dass ich dort, wo ich die (Regierungs-)Mehrheit hätte, diese Macht nicht übertrieben einsetze. Das verlangt der demokratische Stil innerhalb der Proporzsituation, dass man nicht alle Brücken abbrechen kann. Das geht dem Gusenbauer im Bund nicht anders. Politik ist die Kunst des Möglichen, das habe ich die ersten eineinhalb Jahre nicht so verstehen wollen, weil ich es nicht so gewöhnt war. Ich werde immer wieder versuchen, auf die ÖVP zuzugehen, denn ohne sie geht kaum etwas, weil sich Grüne und KPÖ ja vielem verschließen.
Hermann Schützenhöfer befürchtet das Gegenteil, dass Sie ihn stärker als bisher attackieren.
VOVES: Nein. Sicher nicht.
Die SPÖ misst sich natürlich ständig an der ÖVP. Haben Sie schon an Terrain verloren?
VOVES: Ich glaube nicht.
Was hat Sie davor bewahrt?
VOVES: Ich hoffe, dass die Menschen das sehen, was wir mit unserem Powerplan umsetzen.
Sie glauben wirklich, dass Sie mit Inhalten punkten?
VOVES: Nein, aber das ist etwas, was andere feststellen müssen. Ich glaube, dass es primär die Art ist, wie ich vor Ort den Menschen mit ihren Sorgen und Problemen begegne. Dass ich ihnen zuhöre, mich um ihre Probleme kümmere. Das bedeutet einen gewissen Grad von Sympathie und Glaubwürdigkeit. Ob man fesch ist oder nicht, ist völlig unerheblich.
Welchen Vorsprung haben Sie laut Ihren Umfragen auf die ÖVP?
VOVES: Das sag' ich nicht!
Features
Zur Person
Geboren: 1953 in Graz
Karriere: Studium der Betriebswirtschaft, ab 1979 Merkur-Versicherung, ab 1989 Vorstand. Im Jahr 2002 wechselte er in die Politik und beerbte Peter Schachner als SPÖ-Chef, seit 2005 ist er Landeshauptmann.












