Stalker-Gesetz zeigt Wirkung: 2.000 Anzeigen in elf Monaten
Das Anti-Stalking-Gesetz hat alle Erwartungen übertroffen, zeigt aber auch, dass es notwendig war - denn immer mehr Fälle von Verfolgung werden gemeldet.

Foto © APAWenn aus Verehrung Besessenheit wird: Immer mehr Menschen werden Opfer von Stalkern
Das Anti-Stalking-Gesetz wird am 1. Juli ein Jahr
alt, und angesichts des Umstandes, dass Juristen einst von zu
erwartenden 300 Fällen im Jahr ausgingen, hat es alle Erwartungen
übertroffen: Die polizeiliche Kriminalstatistik verzeichnet für die
ersten elf Monate knapp 2.000 Fälle, in denen wegen andauernder
unerwünschter Belästigung bzw. Nachstellung - sei es durch Anrufe,
SMS, Auflauern oder Verfolgung - Anzeige erstattet wurde.
Immer mehr Anzeigen. 63 Anzeigen waren es im Juli 2006, bis Dezember stieg diese Zahl
jeden Monat an. Seither hat sie sich bei ungefähr 200 pro Monat
eingependelt. Die Opfer: Frauen nach der Trennung oder Scheidung, die
unerreichbare Angebete, der Leiter der Wiener Universitätszahnklinik,
die halbwüchsige Nachbarstochter.
Mehrheit der Opfer sind Frauen. Nach Angaben des Vereins Autonome Frauenhäuser sind 90 Prozent von
Stalking-Opfer Frauen und 80 Prozent der Täter Männer. Ausnahmen
bestätigen die sprichwörtliche Regel: zum Beispiel eine Kärntnerin,
der 11.000 Anrufe binnen eines halben Jahres vorgeworfen werden. Die
37 Jahre alte Frau soll ihre Opfer, darunter Kinder, beschimpft,
bedroht und sexuell belästigt haben.
Der erste Stalker-Prozess. Der allererste Stalking-Prozess
Österreichs begann bereits am 23. August vergangenen Jahres in
Innsbruck, angeklagt war ein 42-Jähriger, der seiner
Ex-Lebensgefährtin immer wieder nachstellte und drohte. Der Mann
wurde zu neun Monate teilbedingt verurteilt.
Geldbuße für Wiener. Mit sechs Wochen bedingt kam in Wien ein Student davon, der den
Zahnklinik-Chef und dessen Sekretärin monatelang durch Krawall vor
seinem Büro genervt hatte. 2.400 Euro Geldbuße im Rahmen einer
Diversion musste ein 53-jähriger Polizeibeamter zahlen, der sich in
eine jüngere Verkäuferin verliebt hatte, ihr immer wieder auflauerte
und sie mit Anrufen und SMS bombardierte. Ein hartnäckiger Verehrer,
der jahrelang eine Schaffnerin verfolgt hatte, wurde im Gerichtssaal
verhaftet.
Features
Fakten
Die Folgen von Stalking (englisch, "anpirschen") für die Opfer:
Durch die Beeinträchtigung des persönlichen Lebensbereichs kann es zu
Schlafstörungen, Angstzuständen, Panikattacken und Depressionen
kommen.
Tätern droht bis zu einem Jahr Haft. Bis jetzt gab es
ungefähr 150 Verurteilungen.













