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    Zuletzt aktualisiert: 10.02.2013 um 08:26 UhrKommentare

    "Miesmachen geht mir auf die Nerven"

    Verteidigungsminister Norbert Darabos über die Schlappe der Herren in Schladming, über Selbsteinschätzung Österreichs im Skisport und über die verlorene Heeresbefragung. Das Interview führte Hubert Patterer.

    Foto © APA/Jaeger

    S oeben ist der Herrenabfahrtslauf für Österreich ohne Medaille zu Ende gegangen, wie bewerten Sie die bisherige Bilanz der Ski-WM in Schladming?

    NORBERT DARABOS: Bei mir ist es so, dass ich bei einem Fußballspiel oder Skirennen immer noch mitzittere. Wenn Hoffnungen unerfüllt bleiben, bin ich enttäuscht und das hallt dann körperlich nach. In diesem Zustand finden Sie mich vor. Ich begehe jetzt nicht noch einmal den Fehler von London und würde es so sagen: Es lässt sich ein gewisses Potenzial nach oben konstatieren.

    Sie könnten auch diesmal sagen: Touristisches Dabeisein reicht nicht.

    DARABOS: So war es weder gesagt noch gemeint. Immerhin haben wir durch Nicole Hosp eine Medaille auf dem Konto. Dann war auch mangelnde Fortüne im Spiel. Die Österreicher errangen zwei unbedankte vierte Plätze. Ich hoffe, dass daraus kein Abo wird und der Vorrat an Pech damit aufgebraucht ist. Es ist für Österreich auch wichtig, sich als professioneller Gastgeber zu präsentieren. Das kann man nach dieser Woche mit Fug und Recht behaupten.

    Österreich empfindet sich als Großmacht des Skisports. Stimmen da noch Selbstzuschreibung und Wirklichkeit überein?

    DARABOS: Österreich liegt in allen Weltcupwertungen klar vor den anderen Nationen. Wir sind eine große Skination. Das ist keine Chimäre. Offenkundig haben die anderen Nationen aufgeholt. Das verwundert nicht, wenn man sich den Transfer an österreichischem Know-how vergegenwärtigt, denken Sie nur an den Export der Trainer im Skirennsport wie im Skispringen. Es ist also heimisches Wissen, das uns Konkurrenz macht. Vielleicht tut dieser Dominanzverlust dem Skisport und seiner Verbreitung gar nicht schlecht. Das soll jetzt keine Trostformel sein.

    Fehlen dem Sport die glamourösen Charaktere?

    DARABOS: Die Zeiten sind mit jenen eines Franz Klammer oder Hermann Maier nicht vergleichbar. Die fortschreitende Professionalisierung führt automatisch zu einer Normierung der Gladiatoren. Dadurch leidet das glamouröse und das emotionale Element. Dieses Phänomen sieht man auch im Tennis. Auch dort gibt es nicht mehr Charaktere wie einen Connors, McEnroe oder Becker. Dennoch habe ich nicht das Gefühl, dass dem Skirennsport die Typen ausgehen. Ich denke an Aksel Svindal, Lindsey Vonn oder an Marcel Hirscher. Der hat ein Pop-Potenzial und ist trotzdem erstaunlich ausgereift.

    Was ist die Ski-WM: Ein famoses sportliches Kräftemessen, ein kommerzielles Spektakel oder eine gigantische Incentive-Veranstaltung zur Steigerung von Nächtigungszahlen?

    DARABOS: Es ist eine Mischung aus allem. Ich bin stolz, dass Schladming den Zuschlag erhalten hat, das zeigt, dass das Netzwerk des Skiverbandes global funktioniert. Bei Olympischen Spielen wird uns das nur sehr schwer gelingen, da haben wir gegen die Lobbys wenig Chancen.

    Die Eröffnungsfeier hat Zuspruch, aber auch Häme hervorgerufen. Österreich habe sich rückwärtsgewandt und allzu selbstbezogen präsentiert, als Kollektion von Klischees. Teilen Sie die Kritik?

    DARABOS: Nein, ich widerspreche ihr. Mir geht dieses Miesmachen aus dem Intellektuellen-Separee ziemlich auf die Nerven. Ich habe die Art und Weise, wie an diesem Abend aus dem kulturellen und folkloristischen Erbe zitiert wurde, authentisch empfunden. Ich habe kein ideologisches Problem mit den Lipizzanern, es sei denn, sie dienen als Metapher, um die Neutralität zu schmähen, wie das Kanzler Schüssel seinerzeit getan hat. Wir haben nun einmal nicht zu viele Weltmarken, die wir herzeigen können, sieht man von Red Bull oder Swarovski ab.

    Tut sich Österreich schwer, ein zeitgemäßes Bild von sich zu zeichnen?

    DARABOS: Für mich war da nichts zum Fremdschämen. Ich habe auch kein gebrochenes Verhältnis zum Heimatbegriff. Das Schuhplattln ist zwar nicht meine liebste kulturelle Ausdrucksform, aber ich fand die Darbietung anmutig. Es gibt Teile in der Partei, die ein Problem damit haben, ich habe keines. Es hatten ja mit Gabalier und seiner Neuinterpretation von Volksmusik auch das Junge und Ironische seinen Platz. Für mich war das keine unangenehme Spielform des Patriotismus und des Wir-Gefühls.

    Haben Sie es bedauert, dass kein anderes Land zugeschaltet war, auch nicht die alpinen Nachbarn?

    DARABOS: Dass wir mit der Eröffnung nicht über Österreich hinausgekommen sind, war ein Manko, das wir nicht steuern konnten. Es hat damit zu tun, dass der Skisport noch nicht ausreichend globalisiert ist. Für Tennis braucht man einen Tennisplatz, den kann ich überall auf dem Planeten mühelos errichten. Für den Skisport brauche ich einen Berg, den kann ich nicht mühelos exportieren. Trotz dieser natürlichen Beschränkungen sieht man bei dieser WM dennoch eine beachtliche Breite des Teilnehmerfeldes. Internationalität kann man dem Sport nicht absprechen. Außerdem gehen die Bilder aus Schladming ja trotzdem um die Welt. Kevin Costner auf der Piste, dieses Motiv wird die Blätter aller Erdteile zieren. Das ist positiv für Österreich.

    Geht es bei diesem Skifest um die Sportler oder sind sie nur Mittel zum touristischen oder kommerziellen Zweck?

    DARABOS: Wir leben in einer kapitalistischen Welt, da kann der Profisport kein hermetisches Reservat bleiben. Das ist eine Illusion. Es ist unbestritten, dass es eine klare Verknüpfung zwischen dem professionellen Skisport und dem Wintertourismus gibt. Der ist gerade in den alpinen Regionen überlebenswichtig. Die Verknüpfung ist gewollt, ich sehe darin kein Problem. Ich glaube auch, dass die Akteure kein Problem damit haben. Die Popularisierung des Skisports ist auch ihnen ein Anliegen. Natürlich sind das moderne Gladiatoren, die sich die Pisten hinunterschmeißen, in einer Art, die fast an Selbstverleugnung grenzt. Aber es macht jeder freiwillig. Die Rennläufer sind gerne Gladiatoren und sind euphorisiert, wenn sie am Ende des Laufes in ein Menschenmeer eintauchen und zwei Millionen schauen vor dem Fernseher zu.

    Dennoch befindet sich der Skisport in einer Popularitätskrise. Teile der Jugend haben sich von ihm entfremdet. Wie kann das Sportministerium entgegensteuern?

    DARABOS: Das Problem ist nicht zu leugnen. Gemeinsam mit dem ÖSV haben wir die Kampagne "Schnee ist cool" ins Leben gerufen. Wir versuchen, die Sprache der Jungen aufzunehmen und sie gezielt anzusprechen. Als ich ins Gymnasium ging, gab es zwischen der dritten und achten Klasse verpflichtende Skikurse. Dieses Fundament ist leider brüchig geworden, nicht nur aufgrund des Klimawandels. Attraktivere Preise für Familien mit Kindern halte ich für soziales und strategisches Gebot. Der Skisport ist tendenziell zu teuer, vergleichen Sie den Winter- mit dem Sommerurlaub. Der ÖSV ist der bestgeführte Sportverband des Landes. Aber die professionellste Arbeit oben an der Spitze hilft nicht, wenn ich unten nicht die Breite absichere. Und für die Breite brauche ich die Massenbewegung. Ohne sie können wir nicht die Top-Nation bleiben, die wir noch immer sind.

    Ist für Sie Schladming auch ein Fluchtort, um sich nach den Tiefschlägen rund um die verlorene Heeresbefragung neu aufzurichten?

    DARABOS: Ich verhehle nicht, dass die eine oder andere Wunde noch unvernarbt ist. Ich schüttle hier nicht nur Hände, sondern bin mit den Verantwortlichen eng verwoben. Die wissen schon, dass ich einige Dinge auf den Weg gebracht habe: vom Anti-Doping-Kampf über das Sportförderungsgesetz bis zum Reinemachen im Österreichischen Olympischen Komitee. Ich bin in der Community anerkannt. Hier weiß ich, dass hinter meinem Rücken nicht gelästert wird.

    INTERVIEW: HUBERT PATTERER

    Fakten

    Norbert Darabos, geboren am 31. Mai 1964 in Wien. Aufgewachsen im burgenländischen Dorf Kroatisch Minihof.

    Karriere: Studierte Geschichte und Politikwissenschaften, leistete den Zivildienst ab. Begann seine politische Laufbahn 1987 als SPÖ-Gemeinderat in Nikitsch. Nach Spitzenfunktionen in der Landespartei wurde er 2003 Bundes- geschäftsführer und übernahm nach der Nationalratswahl 2006 den Posten des Verteidigungs- ministers. In seine Ressortzuständigkeit fällt auch der Sport.

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