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    Zuletzt aktualisiert: 19.01.2013 um 10:09 UhrKommentare

    Kinder in jordanischem Flüchtlingslager erfroren

    Katastrophale Zustände in Lagern für syrische Flüchtlinge: Augenzeugin berichtet von überschwemmten Zeltplätzen, Kindern, die erfrieren, Gasheizungen, die jede Woche Todesopfer fordern und Korruption.

    Im jordanischen Flüchtlingslager Zaatari

    Foto © APAIm jordanischen Flüchtlingslager Zaatari

    Mittlerweile befinden sich insgesamt mehr als 200.000 syrische Flüchtlinge in Jordanien, und der Flüchtlingsstrom reißt nicht ab: Täglich kommen rund 1.000 Personen über die Grenze. "Die Verhältnisse in den Flüchtlingslagern sind katastrophal", berichtete eine Augenzeugin am Freitag der APA aus dem Flüchtlingslager Zaatari, in dem rund 50.000 Flüchtlinge untergebracht sind. Die jordanische Regierung drohe mit einer Grenzschließung unter dem Motto: "Das Boot ist voll." Die Augenzeugin vermutet einen Zusammenhang mit den Parlamentswahlen in Jordanien am Mittwoch.

    Vergangene Woche habe es in Strömen geregnet, das gesamte Lager sei überschwemmt gewesen, und die Zelte der Flüchtlinge seien in Schlamm und Wasser gestanden, schilderte die Frau. Schneestürme seien auf den Regen gefolgt und durch das Lager gefegt. "Drei Kinder sind bereits an Kälte gestorben und durch die verteilten, leicht entzündlichen Gasheizungen brennt wöchentlich etwas", fuhr sie fort. "Jede Woche verbrennt jemand. Letzte Woche war es eine Familie, davor ein kleines Mädchen."

    Korruption bestimme das Lagerleben, beklagte sie. "Du brauchst viel Geld, um gescheit zu überleben", schilderte sie die Lage. Die Versorgung im Lager beschrieb sie mit den Worten "zu viel zum Sterben, zu wenig zum Leben". Geschickte Händler seien im Laufe der vergangenen Monate durch ihre Geschäfte auf den Marktplätzen im Lager reich geworden. Das Lager dürfe man nur mit einer Bürgschaft einer Person außerhalb des Lagers oder gegen teure Bezahlung verlassen: Liegt Beispielsweise ein Angehöriger in einem Spital zur Behandlung, und man möchte ihn besuchen, müsse man mit einem Ausgangsgeld in Höhe von etwa 50-100 jordanischen Dinar (rund 53-105 Euro) rechnen - für viele der Flüchtlinge nicht zu leisten.

    "Palästinenser werden nicht über die Grenze nach Jordanien gelassen. Auch dann nicht, wenn sie inmitten von Bombenangriffen und Feuergefechten sind", erzählte die Frau. Zusätzlich dazu habe man gehört, dass Israel einen Mauerbau zur Abwehr von Flüchtlingen entlang der Grenze zu Syrien plane. Für Palästinenser südlich von Damaskus gebe es also derzeit kaum Wege zur Flucht in den Süden.

    Die bevorstehenden Parlamentswahlen betreffend, beklagten viele Jordanier das Fehlen von richtigen Inhalten bei Wahlprogrammen. "Ein typisches Programm lautet in etwa ''Ja zu Reformen, Nein zu Korruption'", sagte die Frau. Zusätzlich dazu werde ein Wahlverhalten erwartet, dass eher die tribale, jordanische Gesellschaft wiederspiegle: "Die Leute werden nicht das Programm, das ihnen gefällt, wählen", so die Frau, "sondern die Personen, denen sie verwandtschaftlich nahe stehen." In Jordanien brodle es: "Das Land leidet unter ökonomischen Problemen, die Inflationsrate ist sehr hoch, die Korruption ist ein riesiges Problem und die Oberschicht lebt völlig abgeschottet", schilderte sie.


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