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    Zuletzt aktualisiert: 15.01.2013 um 16:27 UhrKommentare

    Tor zur Hölle

    In Mali kämpfen französische Streitkräfte gegen islamistische Truppen. Der Einsatz ist schwieriger als gedacht – und droht, Europa in einen neuen, unberechenbaren Dauereinsatz zu verwickeln. Das Arsenal der Dschihadisten ist beachtlich, ihr Selbstvertrauen auch: "Das wird schlimmer als Afghanistan".
    Von Sebastian Krause.

    Französische Kampfpiloten, Militärbasis im Tschad: "Ihr habt das Tor zur Hölle aufgestoßen"

    Foto © APFranzösische Kampfpiloten, Militärbasis im Tschad: "Ihr habt das Tor zur Hölle aufgestoßen"

    Nur sehr zögerlich gab Paris Ende letzter Woche bekannt, was französische Soldaten in Mali zu suchen haben.
    Dabei kämpften diese längst, als Präsident Francois Hollande am Samstag vor die TV-Kameras trat und sich sichtlich bemühte, in kurzen, sachlichen Sätzen über den unberechenbaren Krieg zu sprechen, in den er sein Land führt.
    Die Operation "Serval", benannt nach einer afrikanischen Raubkatze, habe das Ziel, das Vorrücken der dschihadistischen Truppen im Norden Malis "mit aller Macht" zu stoppen, der einheimischen Armee zu helfen und untern anderem das Leben der 5.000 in Mali lebenden Franzosen zu sichern. Seit Freitag fliegen französische Kampfjets und Hubschrauber Einsatze gegen Islamisten, so Hollande.
    Doch schon am Donnerstag soll die Fremdenlegion gelandet sein, dazu mindestens 200 französische Soldaten aus dem Tschad und Marineinfanteristen aus Paris. Wie viele Soldaten wirklich in Malis enttarntem Krieg kämpfen, gab Hollande erst am Dienstagmorgen zähneknirschend zu Protokoll: 750 – doch es sollen weitere folgen.

    Die einstige Kolonialmacht Frankreich beruft sich bei der spontanen Kriegsentscheidung auf ein Hilfegesuch des malischen Präsidenten Dioncounda Traoré. Doch Frankreichs Truppen hatten Mali schon betreten, bevor Traoré am Donnerstagabend überhaupt um Hilfe bat, weil seine schwach ausgerüstete Armee eine wichtige Schlacht nach der anderen verlor. Nun steht Frankreich vor einer strategischen Frage: Gegen wen wird eigentlich gekämpft?
    Mali galt bis vor wenigen Jahren noch als afrikanischer Musterversuch in Sachen Demokratie – bevor sich einst rivalisierende islamistische Gruppierungen zusammenschlossen. Aus "Mujao", der "Al-Qaida im islamischen Maghreb" und "Ansar al-Dine" entstand so eine mächtige Armee. Wie mächtig, mussten als erstes die aufständischen Tuareg erfahren, die vor einem Jahr einfach überrannt wurden beim Versuch, im Norden Malis einen eigenen Staat zu gründen.

    "Erstaunlich gut an ihren Waffen"

    Auch die Franzosen zeigen sich schon nach wenigen Tagen überrascht von der Kampfkraft der Islamisten – und sprechen hinter vorgehaltener Hand bereits von einem unerwartet komplizierten Einsatz, dessen Ende nicht abzusehen sei. Bereits am ersten Tag des offiziellen Einsatzes schossen die islamistischen Kämpfer einen Hubschrauber samt Pilot vom Himmel. Aus französischen Militärkreisen war zu hören, die Kämpfer seien "erstaunlich gut ausgerüstet und effektiv mit ihren Waffen", die zum Teil aus dem Arsenal des gestürzten libyschen Ex-Diktators Muammar al Gaddafi stammen dürften. Am Dienstag folgten Meldungen, nach denen die Dschihadisten trotz massiver Luftangriffe französischer Kampfjets die Stadt Dialaby 400 Kilometer nördlichen der Hauptstadt Bamako unter ihre Kontrolle brachten.

    Schon kommt in Europa Angst auf. Angst davor, nach Afghanistan und dem Irak in den nächsten militärischen Dauerkonflikt zu schlittern. Zwar formiert sich langsam breite internationale Unterstützung für die Militärintervention und die EU signalisiert Hilfsbereitschaft (Manuel Barroso spricht von "mutigem Handeln") – doch Kampftruppen will niemand entsenden. Großbritannien will Transportflugzeuge zur Verfügung stellen, Drohnen aus den USA sollen bereits über Mali kreisen. Und das, obwohl zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal sicher war, ob der Einsatz wirklich im Einklang mit dem UN-Sicherheitsrat und dessen Resolution steht.

    Afghanistan, die "Hölle" und ein beschlossener Einsatz

    Doch Europa beschloss längst eine Operation in dem krisengeschüttelten Land: Bereits im Herbst 2012 wurde ein internationaler Ausbildungseinsatz für die malischen Streitkräfte beschlossen. Dieser soll nun schon Ende Februar starten, um Frankreich nicht zu lange alleine an der Front stehen zu lassen, heißt es aus dem Büro der EU-Chefdiplomatin Catherine Ashton. Man wolle sich aber aus Kampfhandlungen "raushalten".
    Bis dahin werden die Schlachten in Mali aber kaum beendet sein – es wartet der Einsatz im Kriegsgebiet. In Deutschland äußerte die Bundeswehr schon vor Monaten Bedenken, schließlich habe auch der Afghanistan-Einsatz als Ausbildungsmission begonnen. Acht Staaten, darunter Deutschland, sicherten ihre Teilnahme bislang zu, Österreich lehnte eine Beteiligung an der Mission zuletzt ab.

    Die islamistischen Rebellen feiern indes ihre blutigen Siege und treten immer selbstbewusster auf. "Frankreich hat die Tore zur Hölle aufgestoßen", sagte einer der Anführer dem Radiosender "Europe1". Das Land sei in eine explosive Falle getappt, gefährlicher noch als Afghanistan oder der Irak. Es sei mit Anschlägen zu rechnen – nicht nur in Frankreich.
    Paris reagierte mit Wachsamkeit: Kontrollen an öffentlichen Gebäuden, Flughäfen und U-Bahnen wurden bereits verstärkt. Innenministers Manuel Vall stufte die Bedrohung als "sehr ernst" ein, fügte jedoch an: "Die Terrorgefahr ist für Frankreich nichts neues".

    SEBASTIAN KRAUSE

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    Foto © AP

    Bild vergrößernBritisches Flugzeug, französischer Radpanzer: Rebellen sind bislang nicht zu stoppenFoto © AP

    Österreich

    Außenminister Michael Spindelegger (V) sieht die Militärintervention Frankreichs in Mali als notwendig an.

    Im Pressefoyer des Ministerrats am Dienstag betonte er, die islamistische Zelle in dem westafrikanischen Land sei "gefährlich", das Einschreiten Frankreichs geschehe im Einklang mit dem UN-Sicherheitsrat bzw. dessen Resolution.

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    Bild vergrößernAngst vor Terror: In Paris patroulliert die ArmeeFoto © AP

    UN billigt Einsatz

    Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat das militärische Eingreifen Frankreichs in Mali gutgeheißen. "Alle Mitglieder haben ihre Unterstützung für die französische Position ausgedrückt", sagte der französische UN-Botschafter Gerard Araud am Montag nach einer Sondersitzung des UN-Gremiums.

    US-Verteidigungsminister Leon Panetta kündigte eine "begrenzte logistische Unterstützung" des französischen Einsatzes an. Logistische Hilfe haben auch Kanada, Großbritannien, Deutschland, Belgien und Dänemark zugesagt.

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    Bild vergrößernMilitärbasis im Tschad: Ausrüstung der französischen Mirage-BomberFoto © AP

    Aufstockung

    Nach neuen Vorstößen der islamistischen Aufständischen in Mali will Frankreich seine Truppen im Kampf gegen die Rebellen deutlich verstärken.

    Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian plant nach übereinstimmenden Berichten vom Dienstag, bis zu 2.500 Soldaten in das westafrikanische Krisenland zu schicken.

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