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    Zuletzt aktualisiert: 03.01.2013 um 21:33 Uhr

    Der Hungerstreik wird fortgesetzt

    Die Situation rund um die Flüchtlinge in der Votivkirche in Wien spitzt sich zu. Die Freiheitlichen fordern die Räumung.

    Asylwerber in der Votivkirche

    Foto © APAAsylwerber in der Votivkirche

    Es ist kalt im Gotteshaus. Der Menschlichkeit zum Trotz. Oft sind es Privatpersonen, die das Notwendigste bringen. Kleidung, Schuhe, Schlafsäcke und Decken. Da und dort lugt ein Kopf hinter diesem textilen Berg aus Nächstenliebe hervor; müde die Augen, leer der Blick. Einer trägt ein weißes Stirnband und hat mit schwarzem Filzstift die erschreckende Parole darauf aufgeschrieben: Hungerstreik.

    Immer noch sind es rund 100 Asylwerber, die in der Votivkirche ausharren. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass am Mittwoch vier von ihnen von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner kurzfristig zu einem Gespräch eingeladen wurden. Von diesem nämlich zeigen sich die Flüchtlinge enttäuscht, wie sie nun bei Kerzenlicht im Rahmen einer in der Kirche abgehaltenen Pressekonferenz verkündeten.

    Kritik an Caritas

    "Das Treffen mit der Ministerin hat nichts in Bewegung gesetzt, so erfreulich der Umstand, dass es überhaupt zu diesem Treffen gekommen ist, auch war", sagt Khan Adalt, 47 und einer der Sprecher der Asylwerber. Auch von der Caritas zeigt sich der einstige Besitzer einer Ziegelei in Pakistan, der seit acht Jahren auf der Flucht vor den Taliban ist, enttäuscht. "Direktor Michael Landau hat uns aufgefordert, die Kirche rasch zu verlassen und in bereitgestellte Quartiere zu übersiedeln. Damit aber wäre unser Protest zu Ende."

    Und an diesem Protest will man so lange festhalten, bis die Forderungen erfüllt sind. Auch wenn so manche unrealistisch erscheinen, wie etwa das Löschen von Fingerabdrücken. Weiters geht es den Flüchtlingen u. a. um die Grundversorgung und eine Sozialversicherung für alle Asylwerber, die freie Wahl des Aufenthaltsortes, den Zugang zum öffentlichen Wohnbau, um Zugang zum Arbeitsmarkt, um den Stopp aller Abschiebungen nach Ungarn und um die Einrichtung einer unabhängigen Instanz zur Überprüfung aller negativen Asylbescheide.

    Die Caritas hat die Kritik indes zurückgewiesen, obwohl auch nach Ansicht der Hilfsorganisation das Asylwesen hierzulande durchaus verbesserungswürdig sei. "Etwa was die Grundversorgung oder die Arbeitssituation betrifft", erklärt Caritas-Sprecher Klaus Schwertner.

    Der Hungerstreik sei laut Schwertner jedenfalls kein geeignetes Mittel und die Zustände in der eisig kalten Kirche seien "nicht menschenwürdig. Wir wären froh über eine Übersiedlung".

    Zu der aber wird es eben nicht kommen. Im Gegenteil, es scheint, als verhärteten sich die Fronten. Denn von den rund 35 im Hungerstreik befindlichen Flüchtlingen verweigern einige selbst Wasser, drei Personen sind derzeit im Spital. "Wir werden diesen Kampf so lange nicht aufgeben, solange nichts passiert", betont Khan Adalt, der seine Frau und seine fünf Kinder, von denen zwei studieren, zuletzt vor acht Jahren gesehen hat. "Und wenn aus den 14 Tagen Hungerstreik 14 Wochen oder 14 Jahre werden."

    Warum er nicht zurück in seine Heimat geht? Die Antwort trägt er in der Jackentasche mit sich: die Todesanzeige seines von den Taliban ermordeten Bruders.

    Appell an Bundespräsident

    In ihrer Verzweiflung wenden sich die Flüchtlinge nun auch an Bundespräsident Heinz Fischer und bitten das Staatsoberhaupt, selbst in die Votivkirche zu kommen und sich ein Bild von der sehr tristen Lage zu machen.

    Geht's allerdings nach den Wiener Freiheitlichen, würde Fischer in der Votivkirche keine Flüchtlinge mehr vorfinden. "Es reicht", poltert Klubchef Johann Gudenus, der ankündigt, die Flüchtlinge anzeigen zu wollen und der von Innenministerin Mikl-Leitner fordert, die Kirche rasch räumen zu lassen. Die Verstöße reichten laut Gudenus "von der Herabwürdigung religiöser Lehren über die Aufforderung zum Ungehorsam gegen Gesetze bis hin zur Nötigung".

    Seitens der rot-grünen Wiener Stadtregierung übt man sich in gar nicht nobler Zurückhaltung. Zumindest im Moment noch. Aber ein Ende der "Besetzung" ist ohnehin nicht abzusehen.

    ACHIM SCHNEYDER

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