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    Zuletzt aktualisiert: 23.12.2012 um 05:10 Uhr

    Der schillernde Bezirkschef Arthur Traußnig tritt ab

    In ihrer Kolumne "Salz & Pfeffer" schreibt Antonia Gössinger über den Wolfsberger Bezirkshauptmann Arthur Traußnig, der nach 22 wechselvollen Jahren Ende 2012 in Pension geht.

    Der Wolfsberger Bezirkshauptmann Arthur Traußnig (Mitte) im Landtag mit Mathias Reichhold und Martin Strutz

    Foto © Gert EggenbergerDer Wolfsberger Bezirkshauptmann Arthur Traußnig (Mitte) im Landtag mit Mathias Reichhold und Martin Strutz

    Freunde werden die beiden wohl nicht mehr! Der Wolfsberger Bezirkshauptmann Arthur Traußnig hatte 2009 sein Pensionsansuchen eingereicht. Als er vom Pensionsantritt des damaligen Landesamtsdirektors Reinhard Sladko erfuhr, machte er einen Rückzieher. Es war Traußnig ein Bedürfnis, länger als sein ewiger Widersacher im Landesdienst zu bleiben. Jetzt, mit 65 Jahren, tritt auch Traußnig ab. Er kostet sein Amt bis zum letzten Tag aus, lässt sogar Resturlaub verfallen. Am Freitag, 28. Dezember, haben die Lavanttaler bei einem "Tag der offenen Tür" in der Bezirkshauptmannschaft Gelegenheit, sich bei ihm zu verabschieden. Und Sladko resümiert: "Ich habe zur Kenntnis genommen, dass er den Bezirk Wolfsberg geführt hat."

    Traußnig ist 22 Jahre lang der BH Wolfsberg vorgestanden. "Ich verdanke den Posten Jörg Haider. Er hat die bis dahin geltenden fixen Proporzregeln gebrochen", beruft sich Traußnig darauf, "der Beste" im erstmals für diese Funktion durchgeführten Objektivierungsverfahren gewesen zu sein. Er war auf jeden Fall der erste Bezirkschef, der nicht aus der Landesverwaltung kam. Haider rühmte sich in seiner ersten Landeshauptmann-Amtszeit damit, "den ersten objektivierten Bezirkshauptmann Österreichs" installiert zu haben. Drei Jahre später war Traußnig Landtagsabgeordneter für Haiders Partei, damals die FPÖ.

    Eine "Mogelpackung" sei er nicht gewesen, verwehrt sich Traußnig gegen die verbreitete Meinung, er sei nie unabhängig gewesen. Er sei vielmehr "nie Parteimitglied, auch nicht als Abgeordneter" gewesen. Das Mandat habe er aber "als Absicherung angenommen: Die damit verbundene politische Immunität habe ich wirklich gebraucht", sagt er. Denn Haider war ab 1991 nicht mehr Landeshauptmann und mit dem Landesamtsdirektor gab es "ewige Reibereien". Sladko hat eine Erklärung dafür: "Traußnig hat große Schwierigkeiten mit Autoritäten und Hierarchien, die ihm etwas vorgeben. Er hat eine andere Einstellung, wie man als Beamter zu sein hat." Den Beamtenstatus habe er auch "nie angestrebt", sagt Traußnig, er sei "der erste zwangspragmatisierte Beamte" geworden.

    Die erste Hälfte seiner Amtszeit war geprägt von Auseinandersetzung und zwei Suspendierungen. Einen Monat war er suspendiert, weil er als Milchbauer mit dem Kontingent getrickselt haben sollte. "Es war alles rechtens", so Traußnig im Rückblick. 1994, nach seinem Einzug in den Landtag, war er ein halbes Jahr suspendiert. Er hatte seinen Chef, den damaligen Landeshauptmann Christof Zernatto (ÖVP) beschimpft ("Der Fisch beginnt beim Kopf zu stinken"). Das Land unterlag aber mit seiner Ansicht, dass die Funktion des Bezirkshauptmannes mit der eines Abgeordneten nicht vereinbar sei, beim Verfassungsgerichtshof.

    Traußnig kehrte ins Amt zurück. Haider kehrte auch zurück, und so empfand der Bezirkschef "die letzte Hälfte als schön". Die Stimmung im Haus sei "gekippt" und den Mitarbeitern habe er Selbstbewusstsein vermitteln können. Traußnig meint, sich zum "Elder Statesman", zum angesehenen Staatsmann, entwickelt zu haben. Er habe viele Streitigkeiten lösen können. Das schwebt ihm jetzt auch für die Pension vor. "Entweder lasse ich mich wieder in die Liste der Rechtsanwälte eintragen oder ich biete mich als kostenloser Mediator für Streitschlichtungen an", überlegt Traußnig.

    Die Milchwirtschaft hat seine Familie mittlerweile aufgegeben. Ehefrau Claudia, in der Jugend eine bekannte Schwimmerin, die Söhne Lukas und Tobias, Bücher und Golfspielen warten auf ihn. Nur seine Nachfolge bereitet Traußnig Unbehagen: "Es riecht nach Parteipolitik."

    ANTONIA GÖSSINGER

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