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    Zuletzt aktualisiert: 20.12.2012 um 12:08 UhrKommentare

    Geldbote trug in Kuverts Millionen zum "Grafen"

    Mensdorff-Pouilly habe mit seinem mittlerweile bekanntem Gesicht nicht regelmäßig in der Bank in Erscheinung treten wollen. Die Verhandlung wird am 8. Jänner fortgesetzt.

    Foto © APA

    Im Geldwäsche-Prozess gegen Alfons Mensdorff-Pouilly und den mitangeklagten Kurt D. ist am Donnerstag im Wiener Straflandesgericht der erste Zeuge vernommen worden. Alexander F., ein mittlerweile pensionierter Vermögensverwalter mit venezolanischen Wurzeln, der auch für die Familie Flick als Finanzberater tätig gewesen war, hatte für die beiden Angeklagten "Botengänge und Quittierungsdienste" geleistet, wie der 71-Jährige im Großen Schwurgerichtssaal zu Protokoll gab. In Kuverts trug er insgesamt an die vier Mio. Euro zum "Grafen".

    Exakt 27 Mal hatte der Mann auf Ersuchen von Kurt D. die zehn Minuten lange Strecke von einem Wiener Bankhaus zum Büro Mensdorff-Pouillys zurückgelegt, wo er vereinbarungsgemäß die Geldkuverts auf einem Schreibtisch ablegte. Die Millionen soll D. auf Betreiben von Mensdorff-Pouilly von den Konten einer karibischen Briefkastenfirma nach Wien geschleust haben, damit dieser - so der zentrale Vorwurf der Anklage - als Berater des Rüstungskonzerns BAE Systems diese als Bestechungsgelder einsetzen konnte, um Beschaffungsvorgänge in Ost- und Mitteleuropa zugunsten der Briten zu beeinflussen.

    Von der Vielzahl der Botengänge gab sich Alexander F. vor Gericht erstaunt: "Das ist mehr, als ich gedacht hätte. Ich bin überrascht. Ich nehme an, dass der Herr Staatsanwalt richtig recherchiert hat." Er sei "von einer Handvoll Übergaben" ausgegangen.

    "Hohe Beträge" in "unauffälligen Kuverts"

    Im Schnitt habe er 100.000 Euro transportiert, und zwar nicht in einem kleinen Koffer, wie der Staatsanwalt zuvor wiederholt anklingen hatte lassen. Dafür gebe es schließlich "Kuverts von unauffälliger Größenordnung", stellte der Zeuge klar. Es habe sich auch nicht um "hohe Beträge", sondern "relativ hohe Beträge" gehandelt, korrigierte er bei dieser Gelegenheit auch gleich Richter Stefan Apostol: "100.000 Euro sind auch viel Geld für mich. Aber aus meiner beruflichen Tätigkeit heraus habe ich da nicht mit den Ohren gewackelt."

    In der Bank sei immer alles bestens vorbereitet worden. Er habe mit seinem Wagen stets im Parkverbot vor der Bank Halt gemacht ("Das ging immer sehr schnell, daher sind keine Kosten für das Falschparken entstanden"), die Kuverts rasch an sich genommen und zu Mensdorff gebracht, der "ein alter Freund der Familie" sei: "Er hat schon mit meinem Vater gejagt." Im Unterschied zu Kurt D., den er persönlich regelmäßig treffe und sehr gut kenne, sei ihm Mensdorff aber nicht besonders vertraut: "Was er genau gemacht hat, habe ich nicht gewusst. Es hat immer geheißen, er ist ein Lobbyist."

    Er habe nie gefragt, wofür die Gelder bestimmt seien. Auch ihre Herkunft habe ihn nicht interessiert. Er habe "aus Freundschaft" gehandelt und sich "nichts dabei gedacht", sagte Alexander F.

    Bekanntes Gesicht

    Die nahe liegende Frage, weshalb sich Mensdorff-Pouilly des 71-Jährigen bediente, obwohl das betreffende Bankhaus nicht weit von seinem Wiener Büro entfernt liegt, hatte der "Graf" im Ermittlungsverfahren damit beantwortet, sein, Mensdorffs, Gesicht sei schon damals recht bekannt gewesen. Er habe "mit meiner Fresse" nicht regelmäßig in der Bank in Erscheinung treten wollen.

    Die Verhandlung wird am 8. Jänner mit der Befragung von Mark Cliff fortgesetzt, der im Wege einer Video-Konferenz vernommen werden soll. Der Steuer- und Finanzberater, der auch das beträchtliche Privatvermögen des Mensdorffs-Mentors Timothy Landon verwaltet hatte, gilt als Kronzeuge der Anklage. Er hatte gegenüber dem britischen Serious Fraud Office (SFO) hinsichtlich der Machenschaften bei BAE Systems ausgepackt, wo der Wiener Staatsanwalt Michael Radasztics eine auf Korruptionszahlungen ausgerichtete kriminelle Organisation ortet. Eine Vereinbarung, die Cliff mit dem SFO geschlossen hatte, sieht auch seine Kooperation mit ausländischen Strafverfolgungsbehörden vor.

    Ehe Richter Stefan Apostol Mensdorff-Pouilly und Kurt D. in die Verhandlungspause entließ, wünschte er beiden noch "schöne Weihnachten und trotz allem geruhsame Feiertage. Wir sehen uns im nächsten Jahr."


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