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    Zuletzt aktualisiert: 20.12.2012 um 07:53 UhrKommentare

    Leitfigur in Zeiten des Umbruchs

    Altlandeshauptmann Friedrich Niederl verstarb im 93. Lebensjahr. Mit seiner Bürgernähe führte er die steirische ÖVP in vorher und nachher nie mehr erreichte Höhen.

    Friedrich Niederl mit Frau Hermine im Jahr 2010

    Foto © kk | ArchivbildFriedrich Niederl mit Frau Hermine im Jahr 2010

    Der frühere steirische Landeshauptmann Friedrich Niederl, der am Mittwoch im Alter von 92 Jahren gestorben ist, wurde mit den größten Mehrheiten aller Zeiten gewählt - jenseits von heute als unerreichbar geltenden 50 Prozent. Was in der Rückschau so logisch und selbstverständlich scheint, war allerdings vor vierzig Jahren auch äußerst ungewöhnlich.

    Niederl dürfte die einzige Führungspersönlichkeit gewesen sein, die in einer Demokratie gleichsam durch Testament bestimmt wurde. Als im November 1971 der damalige Landeshauptmann Josef Krainer I auf der Jagd den Herztod erlitt, fand dessen Tochter in einem Anzug des Verstorbenen einen sorgfältig gefalteten Zettel mit dem handschriftlich verfassten letzten Willen: "Der Niederl soll Landeshauptmann werden. Er ist der Verlässlichste und Beste. Mit ihm kann man die Steiermark politisch halten."

    Es waren Zeiten des Umbruchs. Die schwarze Alleinregierung von Bundeskanzler Josef Klaus wurde abgewählt, Bruno Kreisky leitete die Ära des roten Sonnengottes ein. In der Steiermark hatte Krainer in einer Abwehrschlacht noch einmal den Sessel des Landeshauptmanns gerettet, weil er im Frühjahr 1970 das Risiko einging, zwei Wochen nach den für die ÖVP so verheerenden Nationalratswahlen in der Steiermark zu wählen.

    Doch wie lange sollte die Macht halten? Wer war dieser per Testament bestimmte Nachfolger?

    Friedrich Niederl amtierte seit 1965 als Landesrat für Landwirtschaft und Wohnbau. Fleißig, sachkundig, doch eingezwängt zwischen dem Arbeitnehmerbündler Franz Wegart und dem Wirtschaftsbündler Anton Peltzmann. Seine Stützen waren der Regierungschef Krainer und der tonangebende Bauernbund. Es fügte sich gut, dass Niederl zuvor fünf Jahre lang Bezirkshauptmann im agrarisch geprägten Feldbach war. In diesem großen Kernland der steirischen ÖVP bewies Niederl sein großes Talent: besondere Bürgernähe.

    An sich war Niederl Obersteirer. Er wurde am 15. Juli 1920 in ärmlichsten Verhältnissen in Treglwang geboren. Seine ledige Mutter zog von der Hungerleiten ober dem Paltental nach Lassing, wo sie in einer Keusche auf dem Sonnberg Mann und Herberge fand.

    Zielstrebig und zäh

    Der Bub war zielstrebig und zäh: Volks- und Hauptschule, Privathandelsschule, Externistenmatura. Dann kam der Krieg, nach der Rückkehr aus der Gefangenschaft trat er in die Bezirkshauptmannschaft Liezen ein. Bereits Vater zweier Söhne schaffte er als Pendler das Jusstudium an der Grazer Universität.

    Der Posten des Bezirkshauptmannes im heimatlichen Liezen wäre vermutlich sein Traumjob geworden. Das Schicksal in der Person Krainers wollte es anders. Die Partei erfüllte den Willen des plötzlich verstorbenen Patriarchen. Nicht alle überzeugt, manche still murrend. Der neue Landeshauptmann hatte oft schlotternde Knie, doch 1974 schaffte er mit tatkräftiger Unterstützung von Josef Krainer II, der die Führung der Partei übernommen hatte, die große Sensation: Niederl errang für die ÖVP mehr als 53 Prozent aller Stimmen, einen vorher und nachher nicht wieder erreichten Wert, obwohl er 1978 bei der Wiederwahl mit 52 Prozent souverän die absolute Mehrheit verteidigte.

    Niederl war ein begnadeter Stimmenfänger. Er wirkte wie das Gegenteil eines Berufspolitikers, was neben seiner fast burschikosen Ausstrahlung für parteilich nicht gebundene Wähler anziehend war. Wer gedacht hatte, Niederl würde nur der Platzhalter zwischen Vater und Sohn Krainer sein, hatte sich gründlich geirrt.

    Nach fast einem Jahrzehnt, kurz vor seinem 60. Geburtstag, trat Niederl im Sommer 1980 zurück. Der Abschied war von manchen Spannungen und Wirrungen, auch höchst persönlichen, begleitet. Nach einem Zwischenspiel als Obmann der Raiffeisen Zentralkasse und der Verstrickung in den Skandal um die Bundesländer-Versicherung lebte Niederl mit seiner zweiten Frau, der ehemaligen Büroleiterin, zurückgezogen in Wien.


    Steirische Landeshauptleute seit 1945

    Grafik © APA

    Grafik vergrößernGrafik © APA

    Zur Person

    Friedrich Niederl (geboren am 15. Juli 1920 in Treglwang) verbrachte seine Kindheit und Jugend in Lassing. 1936 übersiedelte er nach Graz und besuchte die Abendschule der Grazer Handelsakademie. Von 1948 bis 1951 studierte er Rechtswissenschaften an der Grazer Karl-Franzens-Universität. 1960 wurde Niederl Bezirkshauptmann von Feldbach , bevor er 1965 unter Josef Krainer senior zum Landesrat (Agrar- und Wohnbauressort) bestellt wurde. Nach dem plötzlichen Tod Krainers im Jahr 1971 wurde er zum vierten steirischen Landeshauptmann der Zweiten Republik gewählt. 1980 legte Niederl sein Amt als Landeshauptmann zurück und wurde Obmann der Raiffeisen Zentralkasse Steiermark . Als Landeshauptmann folgte ihm Josef Krainer junior.

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