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Zuletzt aktualisiert: 17.12.2012 um 18:51 UhrKommentare

Journalisten im Strasser-Prozess unsichtbar

Foto © APA

Die beiden britischen Aufdeckungs-Journalisten Claire Newell und Jonathan Calvert, die sich Ernst Strasser gegenüber als Lobbyisten ausgegeben hatten, werden im Prozess gegen den ehemaligen Innenminister und EU-Delegationsleiter der ÖVP als Zeugen zur Verfügung stehen. Sie werden am 11. Jänner per Videokonferenz befragt, für Prozessberichterstatter und Publikum aber "unsichtbar" bleiben.

Die Reporter habe ihre Bereitschaft zur gerichtlichen Befragung an die Bedingung geknüpft, dass dabei ihre Anonymität gewahrt bleiben muss, da sie ansonsten nicht weiter investigativ arbeiten könnten. Sie waren - als angebliche Lobbyisten einer Londoner Agentur namens Bergman & Lynch getarnt - für die "Sunday Times" an Strasser herangetreten und hatten ihm laut Anklage die entgeltliche Bereitschaft zur Einflussnahme auf die EU-Gesetzgebung entlockt, indem sie ein Honorar von 100.000 Euro pro Jahr in Aussicht stellten.

Um ihnen entgegenzukommen, wird das Wiener Gericht bei der Videokonferenz den Bildschirm nun so platzieren, dass nur der Schöffensenat, die Staatsanwältin und der Verteidiger Calvert und Newell, die mittlerweile für den "Telegraph" arbeitet, zu sehen bekommen.

Das erscheint insofern skurril, als bei den heimlich aufgenommenen Videos, die die stundenlangen Gespräche der beiden mit Strasser dokumentieren, Calvert über weite Strecken in Großaufnahme zu sehen ist. Die Mitschnitte sind im Zuge des Beweisverfahrens im Großen Schwurgerichtssaal bereits in voller Länge abgespielt worden, und jeder Zuhörer hatte Gelegenheit, das Äußere Calverts eingehend zu studieren und könnte vermutlich eine exakte Personsbeschreibung des Mannes abgeben.

Calvert hatte sich bei den Unterredungen meist seiner Kollegin gegenüber und direkt neben Strasser gesetzt. Die mitlaufende winzige Kamera hatte Newell offenbar an ihrer Oberbekleidung angebracht.

Der Prozess gegen Strasser, dem wegen Bestechlichkeit bis zu zehn Jahre Haft drohen, soll nach der Videokonferenz und weiteren Einvernahmen noch am 11. Jänner zu Ende gehen.

Quelle: APA

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