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Zuletzt aktualisiert: 01.12.2012 um 17:37 UhrKommentare

Rivalisierende Kundgebungen offenbaren Spaltung Ägyptens

Tausende Islamisten haben sich am Samstag zu einer Demonstration für die Regierung vor der Universität in Kairo versammelt. Unterdessen setzen Gegner des Präsidenten und der Muslimbruderschaft ihre Proteste am Tahrir-Platz fort.

Protest gegen Mursi

Foto © APAProtest gegen Mursi

Massenkundgebungen sowohl für als auch gegen den ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi haben am Samstag die Spaltung des Landes offenbart. An der Universität von Kairo demonstrierten tausende Anhänger Mursis, darunter zahlreiche Muslimbrüder, für dessen Machterhalt und die neue Verfassung. Die Veranstalter hatten dazu aufgerufen, den Tahrir-Platz zu meiden, um Zusammenstöße mit den dort protestierenden Gegnern Mursis zu verhindern.

Der Präsident dürfte im Laufe des Tages die im Eiltempo verabschiedete Verfassung unterschreiben und damit den Weg für eine Volksabstimmung Mitte des Monats freimachen. Um den Protesten gegen seine Politik die Spitze zu nehmen, hatte Mursi die Abstimmung über das neue Grundgesetz vorziehen lassen.

Viele Anhänger Mursis waren mit Bussen nach Kairo gekommen. Auf Spruchbändern bekannten sie sich zum Islam und zur politischen Stabilität. "Die Muslimbruderschaft unterstützt Mursis Entscheidungen" und "Gemeinsam für die Rettung der Revolution", war auf Schildern der Demonstranten zu lesen. Unter den Kundgebungsteilnehmern waren viele verschleierte Frauen und Anhänger der Salafisten. "Das Volk fordert die Anwendung von Gottes Gesetz", skandierten sie. Die Menge hielt ägyptische Flaggen und Bilder von Mursi hoch, nachdem sie ein Massengebet vor der Universität abgehalten hatte. Zudem setzten sich die Islamisten für verstärkte Anstrengungen gegen die Korruption ein.

Die Anhänger des Staatschefs sehen in der am Freitagmorgen angenommenen neuen Verfassung eine Garantie für Stabilität inmitten einer andauernden politischen Krise. Der Opposition werfen sie vor, die Errungenschaften der Revolte vom vergangenen Jahr aufs Spiel zu setzen. Auch in Alexandria sowie in der zentralen Provinz Assiut gab es Kundgebungen für Mursi.

Auf der anderen Seite des Nil harrten in Kairo indes Hunderte Gegner des Präsidenten weiterhin auf dem Tahrir-Platz aus. Dort campieren sie, seit sich Mursi am 22. November mit einem umstrittenen Dekret weitere umfangreiche Vollmachten gegeben hatte und fordern die Rücknahme dieser Erklärung. Sie kritisieren zudem die neue Verfassung, die in ihren Augen die Vorherrschaft der Islamisten zementiert.

Zehntausende gegen Mursi

In den vergangenen Tagen hatten Zehntausende gegen Mursi demonstriert und zum Boykott des Referendums aufgerufen. In Alexandria und im Nildelta kam es am Freitagabend zu Steinwürfen von islamistischen Gegendemonstranten.

Die Verfassungsversammlung hatte von Donnerstagnachmittag bis Freitagmorgen über jeden einzelnen der 234 Artikel abgestimmt. Artikel 2 des Entwurfs besagt etwa, dass die "Prinzipien der Scharia" die "wichtigste Quelle der Gesetzgebung" seien. Der Artikel erklärt den Islam zudem zur Staatsreligion und das Arabische zur Amtssprache. Die Dauer der Amtszeit des Präsidenten wird auf vier Jahre festgelegt, wobei nur eine einmalige Wiederwahl möglich ist. Hosni Mubarak hatte bis zu seinem Sturz im vergangenen Jahr 30 Jahre lang geherrscht.

Quelle: APA

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