Dubiose Spielberger Geldflüsse
In Rom ist die Finanzpolizei bei Razzien auf Unterlagen gestoßen, wonach EADS über eine Briefkastenfirma zehn Millionen für das Projekt Spielberg gezahlt hat. Doch wer hat das Geld kassiert?

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Die Vorgeschichte ist hinreichend ausgeleuchtet worden: Vor zehn Jahren beginnt sich Red-Bull-Chef Didi Mateschitz für den einst legendären Österreich-Ring zu interessieren. Gemeinsam mit Partnern will der Getränkehersteller die verwaiste Rennstrecke wiederbeleben. An dem Projekt ist auch der Eurofighter-Hersteller EADS beteiligt, der dort einen Hangar sowie eine Flugschule errichten will. Im Dezember 2004 scheiterte das Vorhaben an einem Veto des Umweltsenats.
In der Causa Eurofighter sind die Ermittler auf einen seltsamen Fund gestoßen - und zwar im Zuge einer von Spezialeinheiten der italienischen Finanzpolizei beim Eurofighter-Zulieferer Alenia erfolgten Hausdurchsuchung im April 2011 in Rom. In den Rechnungsunterlagen, die der Kleinen Zeitung vorliegen, findet sich eine mit 6. Juni 2006 datierte Forderung der Firma "Vector Aerospace" gegenüber EADS-Deutschland in Höhe von zehn Millionen Euro - für das ursprüngliche Spielberg-Projekt.
Dass sich EADS an dem Ausbau der Rennstrecke beteiligen wollte, war damals überhaupt kein Geheimnis. Aus vertraulichen Unterlagen des Wirtschaftsministeriums vom 2. Februar 2004 geht hervor, dass der Einstieg des Eurofighter-Herstellers bei Spielberg als Teil der Gegengeschäfte angedacht wurde.
Zusammenhang
Was die Ermittler so stutzig macht: Warum wird im Jahr 2006 eine Rechnung für ein Projekt ausgestellt, das eineinhalb Jahre zuvor zu Grabe getragen wurde? Wie im Wirtschaftsministerium heute versichert wird, hat es das Vorhaben nicht in die Liste der Gegengeschäfte geschafft, weil es eben nie das Licht der Welt erblickt hat. Im Ministerium gibt es im Zusammenhang mit der Eurofighter-Beschaffung keine Akte Spielberg.
Was besonders ominös ist: Die Zahlungsverpflichtung in Höhe von zehn Millionen Euro basiert auf einem Vertrag, der am 5. November 2004 geschlossen wurde. Der grüne Aufdecker Peter Pilz dazu: "Wer hat den Vertrag geschlossen? An wen sind die Millionen geflossen? Das muss durchleuchtet und aufgeklärt werden."
Dass das Geschäft über Rom abgewickelt wurde, wirft weitere Fragen auf. "Vector Aerospace" ist eine vom italienischen Finanzjongleur Gianfranco Lande in London gegründete Briefkastenfirma, über die der deutsche EADS-Konzern mindestens 79 Millionen Euro nach Österreich umgeleitet hat. Die Münchner Staatsanwaltschaft spricht, so das aktuelle "Profil", ganz offen von "Bestechungsgeldern". Justizministerin Beatrix Karl hat die Spielbeger Geldflüsse dieser Tage im Nationalrat erstmals bestätigt. In Graz wird beteuert, Politiker und Beamte seien in den Fall nicht involviert.












