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    Zuletzt aktualisiert: 15.11.2012 um 16:10 UhrKommentare

    Wenn die Politik hohle Phrasen drischt

    "Wir sagen es in aller Klarheit: Am Ende des Tages sollten wir die Menschen wieder abholen und unsere Hausaufgaben machen, auch wenn es uns nicht gelungen ist, unsere Inhalte richtig zu vermitteln": Sätze wie diese ergeben für Sie wenig bis keinen Sinn? Richtig - wer sagt es den Politikern? Von Thomas Golser.

    Foto © fffranz - Fotolia.com

    Und da ist es schon wieder passiert: Verirrt im Wald aus Floskeln. Ausgesetzt am Spielplatz der Stehsätze. Randvoll mit leeren Phrasen. Dass manche Politiker in ihrer Rhetorik allzu oft im abgestandenen Wasser waten, war ja zu befürchten - doch gerade jetzt im Wahlkampf häufen sich auffällig oft Beispiele für Aussagen ohne jeden Gehalt. Was gesagt wird, wenn einem eigentlich nichts von Substanz einfällt, ist schnell entlarvt.

    Zehn Negativbeispiele aus gegebenem Anlass - schlucken wir noch mehr Worthülsen?

    "In aller Klarheit"

    Das wohl wichtigste Füllmaterial, gewissermaßen die rhetorische Amalgam-Plombe, wenn es für Politiker darum geht, ihren Aussagen besonderen Nachdruck zu verleihen bzw. ultimativen Wahrheitsgehalt vorzugaukeln. In aller Klarheit wird heute schon fast alles gesagt. Wenn denn nur im echten Leben wirklich alles so eindeutig wäre! Diese Phrase kann einem Satz vorangestellt oder nachgestellt werden, je nach Anlass. Freilich ist man vorgewarnt: Wenn heute in aller Klarheit etwas behauptet wird, könnte es alles andere als wahr sein. Dem Politiker hilft es vielleicht dabei, selbst zu glauben, was er da von sich gibt. Trotzdem sollte man diese Plattitüde auf den sprachlichen Schrottplatz bringen, abgenutzt und verschlissen genug wäre sie ja: Eine hohle Phrase, das ist nur allzu klar.

    "Inhalte nicht richtig vermittelt"

    Eine vorgegossene und sehr schnell gezückte Floskel, wenn es darum geht, schmerzhafte Wahlschlappen so gut wie möglich aussehen zu lassen. Nicht das Programm als solches, sondern nur die Art, wie es verkauft wurde, sei falsch gewesen. Selbstverständlich! Es ist ja auch denkunmöglich, dass der Wähler gewisse Positionen einfach nicht annehmen wollte. Durch das Blabla von nicht richtig vermittelten Inhalten wird dieser wenigstens indirekt in ein gewisses Eck gedrängt: Wir haben vielleicht nicht perfekt kommuniziert, was wir eigentlich wollen - doch ihr seid wohl auch zu kleingeistig, um unsere Visionen zu verstehen. Die Frage, die sich hier stellt: Wie kann es sein, dass die mit unzähligen Beratern ausgestatteten Parteiapparate vor allem Probleme damit haben, richtig zu erläutern, was sie eigentlich wollen? Eine mittlerweile recht unvermittelbare Phrase.

    "Den Wähler abholen"

    Den Wähler abholen - eine ebenfalls seit geraumer Zeit (und in allen Parteien gängige) Wendung, die zwangsläufig eine weitere Frage provoziert: Wo war er denn nun, der Wähler? Auf der Flucht? Abgestellt, abgeladen - oder doch nach der Wahl ein Mal zu oft verladen? Ein eher nichtssagendes Konstrukt aus dem prall gefüllten Wörterbuch der politischen Stehsätze, das mehr Volksnähe und Gespür für das Wesentliche vorgaukeln soll, aber doch nie wirklich stehen bleibt. Wie kann man sich das vorstellen - wo ließ man einen bis jetzt stehen? Eine Wählerschicht als Fahrgemeinschaft, eine Partei als Taxi, das der Wähler möglicherweise gar nicht bestellt hat? Die Politik sollte eher Antworten liefern und nicht abholen - wer gibt die Route vor? Eine leider unzustellbare Phrase.

    "Politik für die Menschen"

    Der Politiker als Menschenfreund, die Politik als Jungbrunnen der Selbstlosigkeit - ein Klassiker. Politik wird selbstverständlich nicht für die Partei und deren Wohlbefinden betrieben, sondern nur für die Menschen - immer. Ausnahmslos. Angeblich. Interessant nur, dass der Berufsstand des Volksvertreters eigens betonen muss, dass er für das Volk da sei. Sich den Menschen zu widmen sollte doch - der Berufsbezeichnung geschuldet - eine (gut bezahlte) Selbstverständlichkeit sein. Ein Schelm, wer dabei Böses denkt und Politiker vor allem damit beschäftigt sieht, diverse Kassen auf kreative Weise aufzufüllen, Untersuchungs-Ausschüssen zu entgehen und die eigene Position möglichst langfristig abzusichern: Diese Phrase geht geradewegs und ungeniert am Menschen vorbei.

    "In keinster Weise" bzw. "zur vollsten Zufriedenheit"

    Hier dürfte nicht nur der aufmerksame Deutschprofessor stutzig werden: Wenn es mit wirklich bemerkenswerten Standpunkten etwas hapert, neigt der Politikerstand oft zu atemberaubenden Steigerungsformen - und zu Superlativen. Dann ist man nicht nur einfach zufrieden mit sich selbst, sondern sieht Probleme gleich zur vollsten Zufriedenheit erledigt. Umgekehrt hingegen seien Missstände in keinster Weise zu tolerieren. Ein besonders gutes Beispiel, wie Inhalte mit mäßigem Nährwert verbal ausgestopft und aufgekocht werden. Doch was permanent auf die Spitze getrieben wird, nutzt sich oft schnell ab. Würden manche Politiker damit aufhören, wäre das möglicherweise zu unserer allervollsten Zufriedenheit. Eine Phrase, die in gar keiner Weise zufrieden stellt.

    "Sage ganz offen"

    Der Politiker, der sein Herz so richtig öffnet und endlich Tacheles spricht? Direkt, ungeschönt und schonungslos ehrlich? Mitnichten! Ich sage ganz offen, wird bevorzugt dazu verwendet, um Vorwürfe zu entkräften, Entschuldigungs-Versuche anzubringen, besondere Durchblickskraft vorzutäuschen oder für zusätzliche Dramatik zu sorgen. Taktiken, die grassieren, aber leider immer seltener funktionieren. Man sollte eigentlich erwarten können, dass immer ganz offen kommuniziert wird. Sogar in der Politik. Falls dem tatsächlich so wäre, würden die Parteien nicht so viel Zeit mit Selbstreinigungs-Versuchen zubringen müssen. Eine Phrase zum Wegwerfen, ganz offen gesagt.

    "Habe mit den Menschen gesprochen"

    Ich habe mit den Menschen gesprochen, wird bevorzugt zu Wahlkampfzeiten abgesondert und soll vortäuschen, dass zwischen dem Politiker und dem Wähler kein Blatt Papier mehr Platz habe. Ob nun im Bierzelt, unter dem Rednerpodium oder vor dem Wahlkampf-Bus: Angeblich wurden die Antennen ausgefahren, der Puls gefühlt, die Ohren gespitzt und dann destilliert, was dem Wähler wirklich auf dem Herzen liegt und auf der Seele brennt. Das wirft - mit Verlaub - sofort zwei Fragen auf: Was bedeutet "die Menschen" bzw. mit wem soll sich ein Politiker sonst unterhalten? Tiere könnten immer eine starke Lobby gebrauchen, als Ansprechpartner vor Wahlen sind sie dann aber doch weniger geeignet. Eine Phrase, die man nun doch schon einige Male zu oft ausgesprochen hat.

    "Ursprünglich nicht vorgesehen" bzw. "derzeit nicht nötig"

    Ursprünglich nicht vorgesehen bzw. derzeit nicht nötig sind zwei Möglichkeiten der verbalen Frotzelei, die allerdings auf das gleiche hinauslaufen und übersetzt nicht selten so viel bedeuten wie: Was jetzt eingetreten ist, konnten wir leider auch nicht verhindern - und was bis jetzt noch nicht erledigt wurde, könnte schon recht bald unvermeidbar sein. Politiker-Palaver und so etwas wie sprachliche Notausgänge, die einen darauf vorbereiten, dass es unerfreulich wird bzw. schon längst ist. Sie merken: Die zeitliche Komponente spielt bei diesem einfach zu entschlüsselnden Stehsatz eine wichtige Rolle, doch selten eine besonders gute. Eine Phrase, aus sprachlicher Irreführung heraus geboren.

    "Die Hausaufgaben machen"

    Die Politik, rhetorisch zurück am Weg in die Grundschule - vor allem dann, wenn Gefahr in Form von roten Zahlen in Verzug ist. Die Hausaufgaben machen sollten immer auch die Politiker selbst - für die breite Masse namens Volk übersetzt heißt das aber nicht selten: Den Gürtel enger schnallen bitte, da geht noch etwas! Was nicht in Ordnung, über Jahre falsch gelaufen ist, auch durch Fehlentscheidungen der Entscheidungsträger, lässt sich nicht so einfach durch Hausaufgaben korrigieren. Die sollten daheim gemacht werden, und das Zuhause der Politik darf man in Einrichtungen wie National- und Bundesrat bzw. Landtagen vermuten. Ihre Opfer müssen in von Krisen durchgeschüttelten Zeiten natürlich alle bringen - doch seine Schulzeit und autoritäre Zeigefinger hat man nun wirklich schon hinter sich gebracht. Notiz im Mitteilungsheft: Nicht genügend für diese Phrase.

    "Am Ende des Tages"

    In der politischen Landschaft von heute wird es manchmal ziemlich dunkel. Was liegt also für viele Volksvertreter näher als auch gleich ihre Aussichten und Erwartungen gegen das Ende des Tages hin zu verlagern: Oft werden dem Bürger auf diese Weise unliebsame Wahrheiten (z.B. Mehrbelastungen in Form von Steuern und Kürzungen in Form von Sparpaketen) verkauft, denn am Ende des Tages müsse man sich eben damit abfinden. Andererseits eignet sich diese durch und durch hohle Floskel auch für großzügig verteiltes Eigenlob der Parteien: Am Ende des Tages würden schon alle sehen, welch großartige Bilanz man vorweisen könne. Es fragt sich nur, warum dem Bürger nicht schon von selbst echtes Lob ausgekommen ist. Vielleicht liegt es auch daran, dass so manche politische Position bei Tageslicht betrachtet alt aussieht? Eine eher unterbelichtete Phrase.

    Vielleicht brachte es Loriot schon vor 40 Jahren am besten auf den Punkt, als er es nicht auf den Punkt bringen wollte: Weniger ist oft mehr - und noch mehr von zu wenig will sich der Bürger nun wirklich nicht mehr anhören müssen. Aber schauen Sie doch selbst:

    THOMAS GOLSER

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