Springe zu: Inhalt | Hauptnavigation | Seitenleiste | Fußzeile
  • Zur Kärnten-Ausgabe
  • 21. Oktober 2014 15:49 Uhr | Als Startseite
    Neu registrieren
    Terrorattacke mit Auto auf Soldaten in Kanada EU-Parlament gibt Sacharow-Preisträger bekannt Voriger Artikel Aktuelle Artikel: Politik Nächster Artikel Terrorattacke mit Auto auf Soldaten in Kanada EU-Parlament gibt Sacharow-Preisträger bekannt
    Zuletzt aktualisiert: 08.11.2012 um 20:56 UhrKommentare

    Ein Drittel der Bürgermeister will nicht mehr

    Zusätzlich zur Debatte über die Erhöhung von Politikergehältern haben Gemeindechefs vielschichtigere Probleme und Belastungen. Von Andrea Bergmann

    Wer den Bürgermeister erwischt, fragt gleich nach: Mörtl im Gespräch vor seinem Gemeindeamt

    Foto © KLZ/Hassler/GemeindebundWer den Bürgermeister erwischt, fragt gleich nach: Mörtl im Gespräch vor seinem Gemeindeamt

    Am Biertisch, wenn die Volksseele kocht, ist die Position klar: Politiker verdienen nicht das, was sie verdienen. Da wird kaum unterschieden, ob's der Bürgermeister ist, ein Landesrat oder Nationalratsabgeordneter. Unterschiedlich sind derzeit die Stoßrichtungen auf Bundesebene in der Debatte, ob bzw. in welchem Ausmaß Politikergehälter erhöht werden sollen.

    Dieter Mörtl ist Bürgermeister (ÖVP) der kleinsten Gemeinde Kärntens. 660 Einwohner zählt Feistritz/Gail. 1700 Euro netto im Monat verdient er. 2003 wurde Mörtl mit 30 Jahren der jüngste Gemeindechef kärntenweit. 2015 will er wiederkandidieren, weil es die bürgernächste Ebene ist. Trotz allem. "Als Bürgermeister bist du immer Bürgermeister", sagt er. "Gehst du schon wieder weg", hört er oft von seinen Töchtern (vier und acht), wenn das Feuerwehrfest das Schwimmen mit der Familie aussticht. "Der Bürgermeisterjob wird immer zeitintensiver: Amtsstunden, Wegprobleme, Gewerbeprojekte, Beschwerden, Sitzungen, Feste. Die Budgetsituation lässt kaum noch Gestaltungsspielraum. Und den Zorn der Bevölkerung auf die Bundes- wie Landespolitiker kriegen wir 1 : 1 ab".

    Als Landesbediensteter ist Mörtl teilkarenziert, arbeitet 164 Stunden im Monat. "Da sind wir gegenüber Angestellten in der Privatwirtschaft privilegiert." Beide Einkommen werden gemeinsam versteuert. Österreichweit üben über 70 Prozent der Bürgermeister auch einen Zivilberuf aus. Dass seine Pension einmal "eher klein ausfallen wird", dessen ist sich Mörtl bewusst. Denn für Bürgermeister gibt es keine Pensionsabsicherung, nur die Möglichkeit der Privatvorsorge, als Landesbediensteten fehlen ihm die Beiträge zur Vollbemessung.

    Der Gemeindebund als Interessenvertretung fordert die bessere soziale Absicherung für Bürgermeister. "Es gibt keinen Pensionsanspruch und keinen Arbeitslosenbezug, bis vor Kurzem gab es nicht einmal eine Karenzmöglichkeit", zeigt Ferdinand Vouk als Kärntner Gemeindebundchef und Bürgermeister (SPÖ) von Velden auf. Eine Nulllohnrunde sei inakzeptabel.

    "Kein anderer Politiker haftet derart weitreichend und persönlich. Bürgermeister stehen regelmäßig vor dem Richter, das ist ein österreichweites Problem", weiß Peter Heymich vom Kärntner Gemeindebund. Ist ein Unfall auf die schlechte Schneeräumung der Gemeindestraße zurückzuführen oder gibt es Verdienstentgang wegen einer zu späten Genehmigung, ist der Bürgermeister dran. "Was vor 20 Jahren im Gespräch geklärt wurde, wird heute ausjudiziert. Weil die meisten Bewohner eine Rechtsschutzversicherung haben." Mörtl ist froh, "einen sehr genauen Amtsleiter zu haben, der mir rechtlich alles abnimmt".

    Besorgniserregend ist der Blick in die Zukunft. Eine Umfrage (PriceWaterhouse-Cooper) unter 500 Ortschefs österreichweit ergab, dass 29 Prozent der Bürgermeister nach dieser Periode nicht mehr kandidieren wollen. Die Argumente hinter den Zahlen: "Die Leute erwarten oft einen Wunderwuzzi, der sich um alles kümmert, der Manager und Beichtvater zugleich ist. Das setzt viele Bürgermeister unter Druck. Und zu den gestiegenen Aufgaben kommen die Risken des Amtes", heißt es aus dem Gemeindebund. Kärnten sei da keine Ausnahme, sagt Vouk und hofft, "dass wir für die Wahl 2015 keine Salzburger Verhältnisse kriegen". Dort mussten zuletzt Bürgermeisterkandidaten über Inserate gesucht werden.

    ANDREA BERGMANN

    Was die anderen Politiker verdienen

    Seit 2000 sind die Politikergehälter in Kärnten "eingefroren". Der Landeshauptmann verdient 13.794 Euro brutto im Monat, ein Landesrat 12.415, ein Landtagsabgeordneter 4364 Euro, ein Nationalratsabgeordneter 8160 Euro (14 mal). SP und VP auf Bundesebene wollen die Politikergehälter um 2,8 Prozent anheben bzw. sozial staffeln. Experten fordern für Kommunalpolitiker deutliche Erhöhungen.

    132 Bürgermeister

    In Kärnten gibt es mit den Statutarstädten Klagenfurt und Villach (mit eigenen Stadtrechten) 132 Gemeinden und damit 132 Bürgermeister. 67 stellt die SPÖ, 27 die ÖVP, 27 die FPK, zehn gehören Namenslisten an, einer der Einheitsliste.

    Pensionisten, Bauern und Privatangestellte

    Das Bürgermeisteramt als Vollzeit-Job? Ab 10.000 Einwohnern (Bezirksstadt-Größe) ist das der Fall. Doch die überwiegende Mehrheit der 132 Kärntner Gemeindechefs hat einen Zivilberuf: 30 Bürgermeister sind Privatangestellte. An zweiter Stelle rangieren die Pensionisten (23). 18 Bürgermeister sind Landwirte, 14 Gewerbetreibende und zwölf sind im Landesdienst beschäftigt.

    Durschnittsalter

    Das Durchschnittsalter der Kärntner Bürgermeister beträgt 56 Jahre. Die ältesten Gemeindechefs sind mit 76 Siegfried Kampl (Gurk) und Gottfried Willegger (Lendorf). Der jüngste Bürgermeister ist Martin Gruber (Kappel) mit 29.

    Mehr Politik

    Mehr aus dem Web

      KLEINE.tv

      Gericht stärkt Auskunftsrecht bei Rüstungsexporten

      Das Bundesverfassungsgericht hat das Auskunftsrecht des Bundestages bei ...Noch nicht bewertet

       

      Politik im Bild

      Seligsprechung von Papst Paul IV 

      Seligsprechung von Papst Paul IV

       

      100 Jahre Erster Weltkrieg

      Eine Reise an Orte, die bis heute vom Krieg gezeichnet sind. Elf illustrierte Reportagen auf 285 Seiten. Das neue Buch der Kleinen Zeitung ist ab sofort im Online-Shop erhältlich.

       


      Steirische Strukturreform

      APA

      Die Landesspitze baut die Gemeindestruktur massiv um. Im Jahr 2015 soll es von den derzeit 539 nur mehr 285 Gemeinden geben.

      Griechenland in der Krise



      Seitenübersicht

      Zum Seitenanfang
      Bitte Javascript aktivieren!