Müssen wir uns vor ihm fürchten?
Seine Wählerschaft scheint ihm zu glauben. Niemand mag ausschließen, dass der 65 Jahre alte Mormone und Multimillionär Mitt Romney tatsächlich die US-Wahl gewinnt. Doch wirklich in die Karten schauen ließ sich der Republikaner bisher nicht.

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Seit einiger Zeit hat Mitt Romney den erfolgreichen Slogan von Barack Obama aus dem Wahlkampf 2008 übernommen. Romney spricht jetzt gerne vom Wandel, der sich einstellen werde, wenn er erst einmal zum US-Präsidenten gewählt sei. Und mehr noch, sagt Romney in diesen Tagen in Florida, in Virginia, in Ohio und anderswo: "Ich rede nicht nur vom Wandel. Ich habe einen Plan, damit der Wandel auch Wirklichkeit wird." Wie der Plan genau aussieht, darüber schweigt sich der Kandidat der US-Republikaner weiter aus. Er verspricht nur, die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen und zwölf Millionen Arbeitsplätze in vier Jahren zu schaffen. Das sind große Versprechen, aber darunter macht es ein Mitt Romney nicht.
Die Wählerschaft scheint ihm zu glauben. Niemand mag ausschließen, dass der 65 Jahre alte Mormone und Multimillionär tatsächlich die Wahl gewinnt. Schafft er es, dann wäre der Beweis angetreten, dass das Produkt unwichtig, die Verkaufsmasche aber alles ist. Romney ist ein Verkäufer, der seine eigene Ware ist. Jeder darf sie betrachten, niemand darf sie begutachten. Romney erinnert an einen Gebrauchtwagenhändler, der die Probefahrt erst nach Vertragsunterzeichnung erlaubt.
Lange Zeit haben die Demokraten im Wahlkampf versucht, den früheren Gouverneur von Massachusetts und erfolgreichen Finanzinvestor als gefährlichen Mann zu charakterisieren. Als einen kalten, gewissenlosen Geldhai, der um des Profits willen amerikanische Arbeitsplätze nach China schafft, Konten in der Karibik hat und dann noch weniger Steuern zahlt als der Durchschnittsamerikaner. Das war natürlich nur eine Karikatur von Mitt Romney.
Aber Karikaturen haben einen wahren Kern. Romney zahlt weniger Steuern als der Durchschnittsamerikaner und Konten in der Karibik hat er auch. Romney sei eben ein Talent, sagt der Management-Experte Roger Martin. Er sei einer der Vertreter der modernen Wirtschaft, die allein durch das Hin- und Herschieben fremden Kapitals zu persönlichem Reichtum gelangen. In Romneys Fall soll dieser etwa 250 Millionen US-Dollar umfassen. Er ist der reichste Bewerber um das Präsidentenamt in der US-Geschichte.
Willard Mitt Romney wuchs in Michigan in einem wohlhabenden Elternhaus auf. An Geld fehlte es nicht. Zwar sagte Romneys Ehefrau Ann vor ein paar Wochen, in der ersten Zeit mit Mitt habe es manchmal nur zu Thunfisch-Pasta gereicht. Aber so recht wollte sich nicht der Eindruck festsetzen, Mitt Romney habe es richtig schwer gehabt im Leben. Das wirkte sich aber nicht auf die Umfragen aus. Im Wahlkampf der letzten Wochen jedenfalls spielte Romneys Reichtum keine große Rolle mehr. Und auch seine verächtliche Äußerung, dass 47 Prozent der Amerikaner nicht willens seien, ihr Leben in den Griff zu bekommen, und stattdessen lieber von Staatszuwendungen lebten, machte zumindest keine Schlagzeilen mehr.
Lange versuchten die Demokraten, Romney als gefährlichen Opportunisten darzustellen, der seine Meinung je nach Publikumslaune ändert. Das war nicht übertrieben: Als es darum ging, die republikanische Basis zu begeistern, war Romney gegen Abtreibung, für allgemeine Steuersenkungen, gegen ein Gesundheitssystem mit mehr Versicherten. Doch als es schließlich darum ging, die Mitte der Gesellschaft zu erobern, änderte Romney seine Meinung teilweise um 180 Grad. Er sagte, in bestimmten Fällen sei Abtreibung vielleicht doch nötig. Er sagte, er wolle die Steuern für Reiche nicht senken. Mal schien es, als wolle er im ersten Bomber sitzen, der Richtung Teheran fliegt, dann gab der Republikaner im Streit um das Atomprogramm wieder der Diplomatie den Vorzug.
Die Demokraten beschwören weiter die Gefahr herauf, die durch einen Präsidenten Romney entstehen würde. Aber wäre Romney wirklich ein Präsident, vor dem sich die Amerikaner und die Welt fürchten müssten? Nein, wahrscheinlich nicht. Romney ist kein Ideologe, sondern ein Pragmatiker. Aber vielleicht doch. Denn viele von Romneys Beratern sind Ideologen.













