Springe zu: Inhalt | Hauptnavigation | Seitenleiste | Fußzeile
24. Mai 2013 03:24 Uhr | Als Startseite
Neu registrieren
Vier Tote bei FARC-Angriff in Kolumbien Schulreife soll mehr von Deutschkenntnissen abhängen Voriger Artikel Aktuelle Artikel: Politik Nächster Artikel Vier Tote bei FARC-Angriff in Kolumbien Schulreife soll mehr von Deutschkenntnissen abhängen
Zuletzt aktualisiert: 20.10.2012 um 21:25 UhrKommentare

"Er hat unser Programm gestohlen"

Bereits vier Abgeordnete haben BZÖ-Obmann Josef Bucher verlassen und sind zum Team von Frank Stronach übergelaufen - nun erklärte der Friesacher im Interview, wie er mit der Situation umgehen will.

"Ich bin kein Tanzbär, bin nicht spektakulär"

Foto © APA"Ich bin kein Tanzbär, bin nicht spektakulär"

Ein geschrumpfter Parlamentsklub des BZÖ traf sich Freitag in Graz zur Klausur. Bereits vier Abgeordnete haben Sie verlassen und sind zum Team von Frank Stronach übergelaufen. Sie werfen Stronach vor, mit Geld zu locken. Was ist mit Ihrer Partei los, wie viele Mandatare werden noch abspringen und - wenn Ihre Behauptung stimmt - dem Lockruf des Goldes erliegen?

JOSEF BUCHER: Es sollte eher die Frage gestellt werden, was sagt das alles über das gegenwärtige politische System in Österreich aus. Dass wir es zulassen, mit Zuständen, wie sie in Sizilien herrschen, verglichen zu werden. Das ist nicht nur eine Aufgabe von mir als direkt Betroffenem, dagegen etwas zu tun, sondern alle politischen Parteien in diesem Land sind aufgerufen, derartige Vorfälle an den Pranger zu stellen.

Die anderen Parteien werden aber von Stronach personell nicht so gerupft wie Ihre...

BUCHER: Genau genommen wechselten aus unserem Parlamentsklub nur zwei über, Elisabeth Kaufmann-Bruckberger und Christoph Hagen. Von den beiden anderen, Erich Tandler und Robert Lugar, haben wir uns selbst vorher getrennt, die waren wilde Abgeordnete.

Der nächste Abgang steht so gut wie fest, Ihr Abgeordneter Stefan Markowitz bemühte sich gar nicht mehr zur Klausur...

BUCHER: ...er hat mir mitgeteilt, dass er in der Familie einen Krankheitsfall hat.

Entschuldigungen dieser Art sind uns allen nicht ganz unbekannt. Kann es sein, dass er der nächste Überläufer ist?

BUCHER: Das weiß ich nicht.

Was für vergiftetes Klima muss in Ihrer Partei mittlerweile herrschen? Misstraut da nicht jeder dem anderen?

BUCHER: Bei unserer Klausur gab es nur Geschlossenheit, kein Misstrauen, aber ein großes Selbstbewusstsein, dass wir nach den nächsten Nationalratswahlen wieder im Parlament sein werden.

Derzeit schaut es den Umfragen nach nicht so aus, Stronach liegt offenbar in der Wählergunst weit vor dem BZÖ.

BUCHER: Vor einem Jahr lag die Piratenpartei in Umfragen bei zwölf Prozent, heute ist sie nicht mehr existent. Es kann sich vieles ändern, es wird sich vieles ändern.

Zugunsten des BZÖ?

BUCHER: Ich glaube, dass Ehrlichkeit und Anständigkeit die härteste Währung in der Politik sind.

Ist es denn anständig, wenn Sie Stronach einen "tollwütigen Millionär" nennen?

BUCHER: Es ist auf alle Fälle nicht anständig, wenn man, wie er sagt, man sei Werten wie Fairness, Wahrheit und Transparenz verpflichtet, und dann kauft man alle zwei Wochen einen anderen Abgeordneten heraus. Ich verstehe auch nicht, dass diese Abgeordneten nicht Manns genug waren, mit mir ein Gespräch zu führen und zu sagen, wir wollen zu Stronach gehen. Keiner dieser Kandidaten hat mit mir jemals ein Gespräch geführt oder eine Andeutung gemacht. Wo sind da die Ehrlichkeit und Transparenz?

Finden Sie es wirklich verwerflich, wenn Abgeordnete sich von Ihnen abwenden, weil sie glauben, bei einem anderen mehr Chancen für ihre politische Zukunft zu haben?

BUCHER: Zunächst ist es ab dem kommenden Jahr strafbar, was hier läuft. Stronach hat diese Frist noch schamlos ausgenützt. Es ist anhand von zwei notariell beglaubigten Aussagen von zwei unserer Abgeordneten nachweisbar, dass man ihnen für den Fall eines Wechsels Geld angeboten hat.

Wechsel von Politikern von einer Fraktion zu einer neuen hat es doch schon früher auch gegeben. Das Liberale Forum trennte sich von Jörg Haiders FPÖ, Jörg Haider sprengte sich 2005 mit dem BZÖ von der FPÖ ab. Das war alles in Ordnung?

BUCHER: Das ist mit den derzeitigen Geschehnissen nicht vergleichbar. Heide Schmidt und vier weitere Kolleginnen und Kollegen spalteten sich damals von der FPÖ ab, weil sie eine neue politische Richtung einschlugen, eine liberale Richtung. Ungeachtet dessen, welches Schicksal sie dann genommen haben. Jetzt aber sind die abgesprungenen Abgeordneten bei Stronach und verfolgen eigentlich weiter die Politik des BZÖ. Denn Frank Stronach hat im Grunde genommen unser Programm geklaut, er macht keine eigenständige Politik. Er ist in allen wesentlichen politischen Bereichen unserer Meinung - von der Flat Tax bis zu unserer Euro-Kritik.

In den nächsten Tagen dürfte Stronach Zuwachs durch einen weiteren Abgeordneten bekommen und damit so viele Parlamentarier beisammenhaben, dass er einen eigenen Klub im Nationalrat gründen kann. Wie werden Sie dem begegnen?

BUCHER: Wir werden dem nicht zustimmen, wenn wir aufgefordert werden, ein Urteil abzugeben. Weil die Grundlage dieses Klubs durch die Art der Abwerbungen eine strafrechtlich relevante sein würde und weil dieser Klub keine neue politische Richtung ist.

War denn die seinerzeitige Abspaltung des BZÖ von der FPÖ tatsächlich eine neue politische Richtung?

BUCHER: Haider wollte die Regierungskoalition mit der ÖVP fortführen, die jetzige FPÖ unter Strache wollte sie sprengen. Das hat zu dieser Kluft geführt.

In der Politik gibt es kein rechtlich geschütztes Urheberrecht auf Ideen. Vielleicht verkauft Stronach Ihr Programm besser als Sie?

BUCHER: Es kann sich ohnehin jeder ein Bild davon machen. Ich bin da in Österreich, stelle mich Fragen und Diskussionen. Ich frage, wo der Herr Stronach ist...

Der ist auch da, in diversen Fernsehsendern und Printmedien ist er durchaus präsent.

BUCHER: Seine Heimat ist das Flugzeug. Ich sage, ich bin Österreicher, mein ganzes Lebensumfeld ist Österreich. Ich kümmere mich um meine Heimat. Stronach kümmert sich um seine Heimat, die ist das Flugzeug.

Was macht er dann trotzdem besser als Sie, dass er bei sämtlichen Umfragen besser punktet?

BUCHER: Beim ersten Zusammentreffen mit ihm sagte er, er habe mich viele Monate studiert, er finde es gut, wie ich Politik mache, er wolle das unterstützen. Ich sei der richtige Mann zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle, ich solle der nächste Bundeskanzler sein. Ich war skeptisch. Aber Stronach antwortete, er sei der größte Autobauer der Welt, er bekomme, was er wolle.

Jetzt sagt Stronach was ganz anderes über Sie. Auf eine etwas deftige Art: Sie hätten "keine Hoden". Er dürfte damit meinen, Ihnen fehle die politische Durchsetzungskraft, das kämpferische Element.

BUCHER: Jeder, der meine Vergangenheit kennt, weiß, welche Kämpfe ich schon ausgestanden habe. 2009, als die Kärntner wieder zur FPÖ wechselten, dazwischen gab es unzählige Versuche, Bucher aus dem BZÖ herauszuschälen. Dem habe ich widerstanden.

Wie bezeichnen Sie die abtrünnigen Mandatare?

BUCHER: Politische Söldner, die sich selbst entlarven. Das BZÖ hat ihnen ihr Mandat verschafft. Es schaut jeder von denen auf seinen persönlichen Vorteil. Ich habe ein anderes moralisches Empfinden.

Und was verstehen Sie unter politischer Moral?

BUCHER: Das heißt für mich anständig bleiben, aufrichtig sein und Charakter haben. Ich bin kein politischer Tanzbär, keiner, der sich im Rampenlicht wohlfühlt. Ich mache sachorientierte Politik, die ist nicht spektakulär.

Und damit glauben Sie, bei einer Wahl bestehen zu können?

BUCHER: Die Chance lebt, das BZÖ wieder in den Nationalrat zu bringen.

Die Chance oder die Hoffnung?

BUCHER: Die Chance, ich bin kein Mensch, der sich etwas einredet.

INTERVIEW: CHRISTIAN WENIGER

Steckbrief

Josef Bucher wurde am 19. August 1965 in Friesach geboren, Ausbildung in der Bundeslehranstalt für Tourismusberufe, danach in verschiedensten touristischen Bereichen beruflich tätig.

Politischer Weg: Ab 2002 für die FPÖ im Nationalrat, 2005 wechselte er zum BZÖ, dessen Klubobmann er im Oktober 2008 wurde, ab April 2009 Parteichef.

BZÖ: Bei der Nationalratswahl 2008 erreichte das BZÖ 21 Mandate, nach dem Wechsel von Abgeordneten zur FPÖ und zu Stronach schrumpfte der orange Klub auf 14 Mandatare, nächste Woche dürften es nur noch 13 sein.

"Im Zentrum"

Mit dem Konflikt BZÖ-Stronach beschäftigt sich am Sonntag um 22 Uhr in ORF 2 auch die Reihe "Im Zentrum".

KLEINE.tv

Lokalaugenschein im Sulmtal

Das Kraftwerk an der Schwarzen Sulm ist sehr umstritten. Bauherr Peter M...Noch nicht bewertet

 

Politik im Bild

Terror von London: Soldat getötet 

Terror von London: Soldat getötet

 

Griechenland in der Krise



Politiker und Promis im Visier der Justiz

Foto: APA/AP/Reuters
 

Steirische Strukturreform

APA

Die Landesspitze baut die Gemeindestruktur massiv um. Im Jahr 2015 soll es von den derzeit 539 nur mehr 285 Gemeinden geben.



Seitenübersicht

Zum Seitenanfang