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Zuletzt aktualisiert: 19.10.2012 um 07:50 UhrKommentare

Bis zu 80.000 Menschen verschwanden spurlos

UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay warnte die UNO vor einem großen Massaker in Syrien. "Es sollte nicht erst so etwas drastisches geschehen wie in Srebrenica, damit die Welt ernsthaft eingreift", so Pillay.

Foto © Reuters

Bei neuen Kämpfen in Syrien sind am Donnerstag mindestens 135 Menschen getötet worden. Unter den Todesopfern seien 53 Zivilisten, 51 Soldaten und 21 Rebellen, erklärte die in London ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Der Sondergesandte für Syrien, Lakhdar Brahimi, wird nach Angaben eines UN-Vertreters bereits am Freitagnachmittag in Damaskus eintreffen.

Allein bei einem Luftangriff der syrischen Armee auf die schwer umkämpfte Rebellenhochburg Maaret al-Numan wurden am Donnerstag nach Angaben von Rettungskräften 44 Menschen getötet. Unter den Opfern waren demnach viele Frauen und Kinder, die in zwei Wohnhäusern und einer Moschee Zuflucht gesucht hatten.

Die Rebellen hatten die strategisch wichtige Stadt Maaret al-Numan Anfang Oktober erobert. Die Armee bombardierte unterschiedlichen Quellen zufolge am Donnerstag auch die Stadt Kusseir in der Provinz Homs und die Wirtschaftsmetropole Aleppo.

Brahimi reist nach Syrien

Ungeachtet der schweren Kämpfe hofft Brahimi weiterhin, die Konfliktparteien von einer Waffenruhe während des islamischen Opferfestes vom 26. bis 28. Oktober überzeugen zu können. Der Sondergesandte von UNO und Arabischer Liga soll nach Angaben des UN-Vertreters in Damaskus, Khaled al-Masri, bereits am Freitagnachmittag in der syrischen Hauptstadt eintreffen. Zuvor hatte ein syrischer Außenamtssprecher gesagt, Brahimi werde am Samstag Außenminister Walid Muallem treffen. Bald ist nach Angaben eines Sprechers Brahimis auch ein Treffen mit Präsident Bashar al-Assad geplant.

Am Mittwoch nahmen die jordanischen Behörden nach Angaben eines ranghohen Salafisten-Anführers zwei Al-Kaida-nahe Männer vor ihrem Grenzübertritt nach Syrien fest. Das syrische Außenministerium warf der Türkei und Saudi-Arabien vor, gezielt Al-Kaida-Kämpfer nach Syrien zu schleusen. Inmitten zuletzt immer schärferer Spannungen zwischen Syrien und der Türkei veranstaltete die türkische Armee am Donnerstag nahe der Grenze zu Syrien ein Manöver.

Menschen verschwunden

Seit dem Beginn des Aufstands gegen den syrischen Präsidenten Bashar al-Assad im März 2011 starben nach neuesten Angaben der Opposition bereits mehr als 34.000 Menschen. Nach Angaben der Nichtregierungsorganisation Avaaz verschwanden im selben Zeitraum 28.000 bis 80.000 Menschen.

UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay warnte am Donnerstag die internationale Gemeinschaft vor einem großen Massaker in Syrien. "Es sollte nicht erst so etwas drastisches geschehen wie in Srebrenica, damit die Welt ernsthaft eingreift", sagte Pillay und mahnte den UN-Sicherheitsrat zur Einigkeit. In Srebrenica hatten bosnisch-serbische Milizen 1995 rund 8000 Muslime getötet. Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) äußerte sich besorgt über Berichte über den Einsatz von Streubomben in Syrien.


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