Genosse Frust führt Regie
Die SPÖ-Führung stellt sich selbst das Bein: Wegbröckelnder Wählerstamm, inhaltliche Grabenkämpfe, ein von der eigenen Mannschaft angezählter Parteichef - und dazu gehen Hochmut und Starrsinn Hand in Hand. Rot-Alarm - doch wer gibt den Notfallplan aus? Ein Kommentar von Thomas Golser.

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Eine Partei in Schockstarre: Der erfolgreich ausgehungerte Untersuchungs-Ausschuss zur Annoncier-Freudigkeit des Ex-Infrastrukturministers war noch nicht vergessen, da wurde Werner Faymann von eigenen Genossen "abgewatscht". Die Kritik am Parteichef war für den (ihm noch immer wohl gesinnten) oberösterreichischen SPÖ-Chef Josef Ackerl "feig, feig, feig". Nicht unbedingt mutig angelegt war freilich auch der Parteitag, auf dem Faymann sein 83,43-Prozent-Waterloo erlebte. Blaues Auge in Rot - stehend k.o.
Wehleidiges Lecken der Wunden
Seitdem übt man sich an der Spitze im realitätsfremden Beschwichtigen, im wehleidigen Wundenlecken und in verzweifelten bis hilflosen Versuchen, den parteiinternen Kompass wieder zu eichen: Der schlägt im Moment in alle Richtungen aus - und weist dann bis jetzt doch nur in rückwärtige Richtung. Stereotype Jubelposen sind mit versteinerter Miene so unglaubwürdig wie auf das Herausstreichen der Meinungsvielfalt in der Partei aggressive Rundumschläge auf Kritiker aus den eigenen Reihen folgen zu lassen. Die Maske ist gefallen - und wer will sie noch aufheben? Wiens Bürgermeister Michael Häupl verneint zwar "Selbstmord"-Tendenzen der SPÖ, doch fit wirkt sie auch nicht mehr. Für eine Gesunden-Untersuchung kommt der Patient Partei wohl etwas zu spät.
Ein knapp 80-Jähriger soll nun das über Generationen verwässerte Parteiprogramm "koordinieren" und verjüngen. Es sind auch erst schlappe 34 Jahre vergangen, seit SPÖ-Urgestein und Pensionistenverbands-Chef Karl Blecha zum letzten Mal dafür zu Hilfe gerufen wurde: Direkter Kurs voraus in die Vergangenheit, könnte man anmerken. Recht gut passt das immerhin zur etwas angegrauten Stammwählerschaft der SPÖ. Klubchef Josef Cap, ebenfalls mit mauen 88,7 Prozent Zustimmung abgemahnt, will dabei helfen, das Bild seiner Partei wieder zu schärfen. Wenn man seine letzten, nicht eben wenig arroganten Aussagen zum (von Faymann nicht besuchten) Untersuchungs-Ausschuss denkt, darf man diesbezüglich auch wirklich sehr gespannt sein. Oder auch nicht. Das rote Personal bleibt jedenfalls das gleiche - man fühlt sich fest im Sattel.
Erklärungen im Versuchsstadium
Die bislang ausgegebenen Erklärungen kamen über das Versuchsstadium nicht hinaus: Die Rede war (wie so oft) davon, "Inhalte zu schlecht erklärt zu haben" - eine Aussage aus dem gut gefüllten Fundus der Beliebigkeiten. Wenn der steirische SPÖ-Landeshauptmann Franz Voves mangelnde Diskussionskultur als Ursache für das Desaster anführt, dürfte das schon eher der Realität entsprechen. Bei Grabenkämpfen kann man den Karren auch ganz blendend in den Graben fahren. Ihn bis zum Wahljahr 2013 wieder flott zu bekommen, dürfte eine mehr als nur sportliche Herausforderung werden. Eine von innen heraus und wohl auch von oben herab korrodierende Partei, die Funktionäre an der Basis zu Recht geändert wissen wollen. Doch wer hat nun den Notfallplan zur Hand?
Verträgt man noch politische Gegner, wenn man sich selbst zum Feind geworden ist?













