Jörg Haiders Mann fürs Grobe
In seiner Kolumne "Chefetage" schreibt Adolf Winkler, wie Karl Pfeifenberger zur Abrechnung ausholte. Dabei hatte er selbst polarisiert, wie kaum ein Politiker der Ära Haider.

Foto © Gert EggenbergerKarl Pfeifenberger: "Ich war das wert"
Wie aus dem Nichts ist in der Vorwoche Karl Pfeifenberger aufgetaucht - mit massiver Kritik an Jörg Haider, vorgetragen ausgerechnet an dessen Todestag, weil zeitgleich eine drohende Hypo-Anzeige gegen Pfeifenberger publik wurde und er sich zur Wehr setzte. Gerhard Dörfler & Co. ("führungsschwache, fantasielose Riege") und Tilo Berlin ("den schickte mir Haider im Jahr 2000 ins Büro") bekamen ihr Fett gleich mit ab.
Pfeifenberger, ab 1999 in der Landesregierung und ab 2001 statt Mathias Reichhold Erster Landeshauptmann-Stellvertreter, war als Finanzreferent Haiders Mann fürs Grobe. Sein abrupter Abgang im Jänner 2005 nährt bis heute Spekulationen.
Er redete wie Karl-Heinz Grasser vom Nulldefizit. Doch obwohl er nach dem ersten Kelag-Teilverkauf an die RWE vier Milliarden Schilling für den Abbau der Landesschulden von 15 auf elf Milliarden Schilling verwendete, stiegen die Schulden bald wieder an. Er holte Werner Bilgram in die Kärnten Werbung und Johannes Gatterer auf den Flughafen. Billigflugpläne blieben Stückwerk. Die Seebühne wurde zum Debakel, hier gibt Pfeifenberger allerdings Haider die Schuld, "weil er statt mit Dietmar Pflegerl zusammenzuarbeiten, lieber politisches Kleingeld wollte". Die Zahl der Landsfirmen wucherte, versuchte Eingriffe in den KWF sind Legende. Pfeifenberger holte Hannes Androsch mit AT&S und dem Viva-Hotel ins Land, bleibend waren die Seilbahn-Investitionen. "Gegen mich als Politiker liegt nichts vor, weil ich Horst Felsner als Versicherung hatte. Ohne diesen korrekten Finanzabteilungschef passierte kein Akt meinen Tisch."
Pfeifenbergers Politik-Karriere begann indes mit einem Justizfall. "Ich stehe zu meiner Verfehlung, als Agrosserta-Chef eine Urkundenfälschung begangen zu haben. Es ging um einen Raiffeisen-Kredit, wie ihn hunderte Bauern auch bekamen. Das war mit einer Geldstrafe getilgt", bekennt er von sich aus. Haider holte ihn damals zur FPÖ. "Ich war ihm immer loyal."
Schon am Wahlabend im März 2004 habe er aus der Politik ausscheiden wollen, doch Haider überrumpelte ihn, indem er via Kleine Zeitung verkündete: "Pfeifenberger ist der Einzige, der bleibt." Damit hatte SPÖ-Chef Peter Ambrozy für die Chianti-Koalition keinen Finanzreferenten mehr fordern können.
Damals hatte Pfeifenberger schon die Hypo-Zusage für einen Vorstandsjob einer Bioenergie AG, der ihm 300.000 Euro im Jahr bringen sollte. Fünf Jahre unkündbar. "Ich habe so viel verlangt, weil ich das wert war", erklärt Pfeifenberger. Er bekam es nie. Nun prüft man Rechnungen seiner Biomasse-Beratungen. "Alles korrekt", sagt er. Seit 2010 führt er eine Montage-Personalfirma in Wien mit einer Schweizer Muttergesellschaft.












