Immer mehr unbegleitete Jugendliche
Das Schicksal eines 12-jährigen Buben aus Syrien, der von seinen Eltern am Wiener Westbahnhof zurückgelassen wurde, hat das Problem der unbegleiteten Minderjährigen wieder in den Fokus gerückt - für die sich niemand verantwortlich fühlt.

Foto © APATraiskirchen: Teure Betreuung
Dieses Kind ist keine Ausnahme. Die Asylzahlen der unbegleiteten Jugendlichen, die im Verfahren bessere Chancen als Erwachsene haben und deshalb oft "vorgeschickt" werden, steigen unaufhörlich. Wurden im Vorjahr 718 Asyl-Anträge aus dieser Personengruppe bis Ende August eingebracht, waren es heuer in diesem Zeitraum bereits 1.109.
Die mit Abstand größte Gruppe darunter stellen Jugendliche aus Afghanistan, von ihnen wurden 776 Anträge verzeichnet. Dahinter folgen junge Asylwerber aus Pakistan (95) und Algerien (44).
Die Zahlen sind einigermaßen alarmierend. Denn in früheren Jahren gab es solche Phänomene nicht. Beispielsweise wurden 2007 im gesamten Jahr gerade einmal 582 Anträge von unbegleiteten Jugendlichen gezählt. 2008 waren es 874. Bei den Zahlen zu beachten ist, dass bei einem relativ kleinen Teil der Anträge später festgestellt wird, dass die Altersangaben falsch waren, die Jugendlichen also bereits volljährig sind. Im Vorjahr waren das bei 1.346 Anträgen in 225 Fällen so.
Teure Betreuung
Als Problem stellt sich angesichts der steigenden Zahlen die (kostenintensivere) Betreuung der Kinder dar. Diese sollten eigentlich in geeigneten Einrichtungen wie Heimen oder Wohngemeinschaften untergebracht werden. Mehrere Medien berichteten am Freitag jedoch, dass in der Erstaufnahmestelle Traiskirchen, wo kein geeignetes Betreuungsangebot vorhanden ist, 13 Kinder unter 14 wohnen müssen. Acht von ihnen sind schon ohne Vater und Mutter nach Österreich gekommen. Dazu kommt noch eine deutlich größere Zahl in der Altersgruppe bis 18. Mitte September hieß es in der Erstaufnahmestelle Traiskirchen, insgesamt müsse man bis zu 400 Jugendliche unterbringen, die eigentlich in anderen Einrichtungen betreut werden sollten.
Was die Unter-14-Jährigen angeht, fühlt sich laut Ö1 für fünf von ihnen überhaupt niemand zuständig. Sie wurden im Burgenland aufgegriffen, deshalb ist laut Innenministerium die Bezirkshauptmannschaft Neusiedl am See zuständig. Das Burgenland meint aber, seine Aufgaben schon erfüllt zu haben, seien doch drei unmündige Minderjährige in sozialpädagogischen Einrichtungen im Bundesland untergebracht.
Das Innenministerium kann die Position des Burgenlands nicht nachvollziehen. Denn eine eigene Aufnahmequote für unter 14-Jährige gebe es nicht, stellte ein Ministeriumssprecher im "Standard" klar. Das Burgenland habe sich in der Bund-Länder-Grundversorgungsvereinbarung lediglich verpflichtet, 3,4 Prozent aller Asylwerber zu versorgen, Erwachsene ebenso wie Minderjährige, und auch diese Vorgabe werde um 15 Prozent untererfüllt.












