Hollande will von Österreich lernen
Faymann in Paris: Der Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit stand im Zentrum der Gespräche. Frankreich stöhnt unter der hohen Jugendarbeitslosigkeit.

Foto © APAFaymann bei Hollande
Als der Bundeskanzler in Paris dem Flugzeug entsteigt, wird er am Fuß der Gangway von Ursula Plassnik empfangen. Die langjährige Außenministerin hatte sich 2008 aus Verärgerung über Werner Faymanns EU-Schwenk geweigert, dessen Regierung anzugehören. In der Zwischenzeit haben sich alle Wogen geglättet. Die Begrüßung fällt freundlich aus, wenn auch nicht herzlich.
Im Innenhof des Élysées kommt Frankreichs Präsident François Hollande dem Kanzler dann auf den Stufen entgegen. "Werner, geht's gut?", ruft Hollande seinem Parteifreund zu. Man schüttelt einander lange die Hand, keine Umarmung. Später ist immer wieder von "Werner, mon ami" (mein Freund) die Rede. Seit Hollandes Amtsantritt haben sich beide gut ein halbes Dutzend Mal in Brüssel und bei internationalen Konferenzen getroffen. Nun hat Hollande endlich einen Termin für Faymann gefunden - auch nicht schlecht, wenige Tage vor dem SPÖ-Parteitag.
Beide eint nicht nur die parteipolitische Couleur, sondern auch der Vorbehalt gegenüber Angela Merkels Euro-Politik - und die Überzeugung, dass die Reichen für die Finanzierung des Gemeinwohls stärker geschröpft werden sollen als bisher. Bei der abschließenden Pressekonferenz ist Hollande die Erleichterung über den wenige Minuten zuvor mit großer Mehrheit von der französischen Nationalversammlung angenommenen EU-Fiskalpakt anzumerken. Hollande musste gewaltige Überzeugungsarbeit in den eigenen Reihen leisten. Kein Wunder, hatte er noch selbst im Wahlkampf gegen den Pakt gehetzt.
Durchbruch
Das fast einstündige Vieraugengespräch wird von europäischen Fragen beherrscht, insbesondere vom erfolgten Durchbruch bei der Finanztransaktionssteuer, der Bankenunion und Griechenland ("Griechenland soll in der Euro-Zone bleiben, sofern es die Bedingungen erfüllt"). Besonderes Interesse zeigt Hollande an dem für Österreich typischen dualen Ausbildungssystem. Frankreich stöhnt unter hoher Jugendarbeitslosigkeit. "Wir brauchen neue Modelle für die Jugend", hebt Hollande hervor. Frankreich unterstützt Faymanns Vorstoß für die Errichtung eines EU-Ausbildungsfonds. Dissens gibt es wenig überraschend bei der Atomkraft. "Da hat jeder von uns eine eigene Position", so Hollande.












