Minister stoppt Frauen-Bevorzugung
Der Aufnahmetest an der Wiener Med-Uni, bei dem Mädchen Punkte aufgrund des Geschlechts bekamen, schlägt weiter Wellen. Minister Töchterle: "Das ist eine problematische Diskriminierung."

Foto © APAMedizin-Aufnahmetest in Wien
Für den 18-jährigen Grazer Thomas P. heißt es weiter warten. Der Maturant hat zwar in Wien beim Aufnahmetest für das Medizinstudium mehr Punkte erzielt als Maturantinnen, die einen Studienplatz erhielten, kam aber dennoch nicht zum Zug. Erstmals in der Geschichte der österreichischen Universitäten wurde die Leistung von Burschen und Mädchen aufgrund der insgesamt schlechteren Mittelwerte der Maturantinnen unterschiedlich bewertet.
Mit der Konsequenz, dass Mädchen mit weit weniger Punkten aufgenommen wurden und Burschen mit mehr Punkten abgewiesen wurden. Aus Sicht der Vizerektorin und Genderbeauftragten der Universität, Karin Gutierrez-Lobos, eine gerechtfertigte Maßnahme.
Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle zieht nun aber die Reißleine. "Das ist klarerweise nicht fair gewesen. Ich bin der Meinung, dass Leistung zählen muss und nicht das Geschlecht. Das ist eine problematische Diskriminierung der Burschen. Das ist Problem ist, dass das eine autonome Entscheidung der Universität gewesen ist."
In einem ersten Schritt hat nun das Ministerium als Aufsichtsbehörde versucht, für die Studenten eine rasche Lösung zu finden. "Die Universität hat eine Kulanzlösung angeboten und die Plätze von 740 auf 800 erhöht. Wir sind davon ausgegangen, dass damit alle Burschen einen Platz bekommen, die nicht zum Zug kamen. Wenn das nicht der Fall sein sollte, müssen wir uns das neu anschauen", betont Töchterle.
Wenig anfangen kann der Wissenschaftsminister mit der Position der Wiener Med-Uni, die sich von Europarechtlern beraten ließ. "Unser Ansatz war, die Ungerechtigkeit, dass Frauen beim Test benachteiligt wurden, auszugleichen. Es traten immer rund 55 Prozent Frauen und 45 Prozent Männer an, der Test hat diese Prozentzahl dann umgedreht", verteidigt Johannes Angerer von der Med-Uni die geschlechtsspezifische Bewertung.
Der Grund für das seit Jahren schlechtere Abschneiden der Frauen dürfte aber weniger in den Testfragen liegen. In Deutschland und in der Schweiz gibt es bei diesem Test keine signifikanten Unterschiede zwischen Burschen und Mädchen.
Eine Wiederholung der unterschiedlichen Bewertung dürfte es allerdings in Österreich nicht mehr geben. "Ich werde versuchen, dies zu verhindern", betont Töchterle. Für den Fall, dass Maturanten nun aufgrund der ungleichen Beurteilung den Verfassungsgerichtshof einschalten, meint er: "Als Nicht-Jurist fällt mir eine Einschätzung über die Erfolgsaussichten schwer. Mein Rechtsempfinden sagt mir aber, dass jede Diskriminierung aufgrund des Geschlechts ein Unrecht ist."












