Ligurien will sich nun selbst retten
Die Böden der Region im Nordwesten Italiens liegen brach. Erosion ist die Folge, Unwetter wirken katastrophal. Das soll sich demnächst ändern. Von Julius Müller-Meiningen

Foto © APASteinschlag auf der "Via dall' Amore"
Wenn die Touristen den berühmten Küstendörfern der Cinque Terre im Herbst den Rücken gekehrt haben, ergießen sich regelmäßig wahre Fluten über der Region Ligurien in Nordwestitalien. Besonders heftige Schäden richtet der Regen an. Der traurige Höhepunkt war der Herbst 2011, als bei Überschwemmungen und Erdrutschen 19 Menschen in der Gegend um Genua und La Spezia ums Leben kamen.
Auch heuer gab es bereits einen schweren Unfall, bei dem vier Australier verletzt wurden. Bei einem Erdrutsch auf der "Via dall'Amore" zwischen Riomaggiore und Manarola stürzten die Touristinnen ab.
Nun hat die Regionalregierung die Initiative ergriffen und will die weit fortgeschrittene Bodenerosion bekämpfen, die neben dem Klimawandel als eine der Hauptursachen für die Naturkatastrophen gilt. Regionspräsident Claudio Burlando will mit Geld aus einem Hilfsfonds die Bevölkerung dazu bringen, die vielen verlassenen Ländereien in Ligurien wieder zu bewirtschaften. Kooperativen sollen gegründet werden, deren Mitglieder verwahrlostes Gelände in Ordnung bringen. Notfalls gegen den Willen der Grundstückseigentümer. Das Gesetz soll noch im Oktober verabschiedet werden.
"Es gibt keine Menschen mehr, die sich um die Böden kümmern", sagt Regionspräsident Burlando. Eine Untersuchungskommission kam 2011 zu einem verheerenden Ergebnis: Viele Wälder und Felder, oft in Privatbesitz, sind verlassen und ungepflegt; Brücken entsprechen nicht gesetzlichen Normen; Erdrutsche wurden nicht gesichert; wildes Bauen verstärkt das Problem eines unsicheren Erdreichs. Der Umweltverband Legambiente fordert seit Längerem eine Umkehr. "Die Sicherung und Pflege von Land und Wäldern ist dringend notwendig, um weitere schwere Schäden zu verhindern", sagt Sprecher Santo Grammatico.
Auf fremden Grund für Ordnung sorgen
In der Nachkriegszeit arbeiteten in Ligurien 150.000 Menschen in der Landwirtschaft, heute sind es weniger als 14 000. Viele von ihnen haben das Pensionsalter erreicht, die jüngere Generation zieht lieber in die Zentren, als der mühsamen Landarbeit nachzugehen. Zusammen mit der Regierung in Rom will Ligurien nun einen Fördertopf aufstellen, um die Jugend zurück aufs Land zu locken. In der Zwischenzeit sollen die Kooperativen auf fremdem Grund für Ordnung sorgen. "Das ist keine Enteignung", sagt Regionspräsident Burlando. "Sondern ein notwendiger Eingriff in die ungepflegte Natur."













