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Zuletzt aktualisiert: 28.09.2012 um 21:04 UhrKommentare

"Wir lassen uns die Schönheit abkaufen"

Es zählt nur Wirtschaftlichkeit, sagt Tarek Leitner.

Bei der Lektüre Ihres Buches gewinnt man den Eindruck, Sie haben sich einen lange aufgestauten Ärger von der Seele geschrieben. Wie ist es dazu gekommen?

TAREK LEITNER: Ich habe über die letzten Jahre so einiges beobachtet, das sich in meiner Umgebung verändert hat. Zu vielen mir unverständlichen Dingen habe ich mir Notizen gemacht, und da hat sich einiges zusammengesammelt. Jetzt ist es mir darum gegangen, die Ursachen zu finden, warum wir uns das gefallen lassen.

Liegen Schönheit und Ästhetik nicht immer im Auge des Betrachters?

LEITNER: Es geht dabei nicht um Geschmack, sondern um Verschandelung, und die ist weitgehend objektivierbar. Wenn man eine große Gruppe von Menschen an ein paar spezielle Orte unseres Landes stellt, werden alle sagen: Hier ist es "schiach".

Es gibt Städte, die manchen gefallen, anderen nicht. Der eine hat recht, der andere unrecht?

LEITNER: Bei einer solchen Beurteilung geht es schon um Subjektives. Aber oft ist es ja so, dass so viele Verschandelungen vorhanden sind, dass eben kaum noch jemand sagt, hier möchte ich bleiben und einen Kaffee trinken. Das halte ich für eine Art Messlatte. Immer wenn wir Erholung oder eine Auszeit brauchen, suchen wir Orte auf, die schön sind. Von denen gibt es aber immer weniger.

Warum lassen wir es zu, dass unsere Umgebung durch Einkaufszentren, Lärmschutz- und Plakatwände verunstaltet wird?

LEITNER: Wir lassen uns die Schönheit im Namen der Wirtschaftlichkeit abkaufen. Oft geht es da nur um ein paar Cent. Wir sollten uns fragen: Ist es das wirklich wert, damit ich dann nur fünf Minuten und nicht acht zum nächsten Geschäft brauche? In Wahrheit brauchen wir all diese großen Agglomerationen von Geschäften an den Umfahrungsstraßen nicht. Dadurch geht etwas anderes verloren, das viel mehr wert i st.

INTERVIEW: GÜNTER PILCH

GÜNTER PILCH

Fakten

Der Autor: Tarek Leitner, geboren 1972 in Linz, begann seine journalistische Laufbahn beim Landesstudio Oberösterreich. 1997 wechselte er als innenpolitischer Redakteur zur "Zeit im Bild" in Wien. 2001 arbeitete er als Leiter des ORF-Büros in Brüssel. Derzeit moderiert er die "Zeit im Bild 1" um 19.30 Uhr an der Seite von Marie-Claire Zimmermann. Leitner ist mehrfacher Romy-Preisträger.

Das Buch: Mut zur Schönheit. Streitschrift gegen die Verschandelung Österreichs. Brandstätter Verlag, 202 Seiten, 22,50 Euro.

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