Groll auf die Banken hält an
"Occupy Wall Street" ist wieder da: Ein Jahr nach dem ersten Protestzug durchs New Yorker Finanzviertel bäumt sich die Bewegung noch einmal auf. Unter dem Motto "Wir sind die 99 Prozent" breitete sich die Bewegung weltweit aus. An den Gründen für den Aufstand hat sich wenig geändert.

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Ein paar Monate lang herrschte Ruhe an der Wall Street. Die schweren Eisengitter vor der Börse waren verschwunden; die Banker konnten wieder ungehindert zu ihren Arbeitsplätzen gehen. An diesem Montagmorgen jedoch sollten die Finanzjongleure etwas mehr Zeit einplanen, wenn sie aus dem Wochenende kommen. "Occupy Wall Street" ist wieder da: Ein Jahr nach dem ersten Protestzug durchs New Yorker Finanzviertel bäumt sich die Bewegung noch einmal auf.
Staatsmacht will vorbereitet sein
"Still Here" ("Immer noch da") steht auf einem Schild, dass eine Frau im Washington Square Park hochhält. Hier an der New York University hat sich am Samstag ein bunt zusammengewürfelter Haufen von Studenten, Menschenrechtlern, Friedensaktivisten und Kapitalismuskritikern versammelt, um sich für Montag warmzulaufen. Dann wollen sie wieder an die Wall Street ziehen und ihrem Unmut mit der Finanzelite kundtun.
Mehr als tausend Menschen tummeln sich an diesem sonnigen Wochenend-Nachmittag unter den Bäumen im Park. Von hier aus sind es keine dreißig Häuserblocks bis zum Finanzdistrikt. Die Atmosphäre ist entspannt. Während die einen lautstark diskutieren, sonnen sich gleich daneben die anderen im Gras. Am Wegesrand spielt eine Jazz-Combo und professionelle Schachspieler bitten die Touristen gegen ein paar Dollar Einsatz zu einer Partie.
Etwas abseits des Geschehens stehen vereinzelt Polizisten und beobachten die Kundgebungen. Die Mannschaftswagen mit ihren Kollegen kreuzen in den Seitenstraßen. Die Staatsmacht will vorbereitet sein, sollten die Proteste wieder hochkochen.
Vor einem Jahr, am 17. September 2011, zogen Hunderte Demonstranten zum ersten Mal durch den Finanzbezirk in Lower Manhattan und skandierten "Occupy Wall Street" ("Besetzt die Wall Street"). Sie forderten höhere Steuern für die Reichen und Zügel für die Bankenwelt. "We are the 99 Procent" ("Wir sind die 99 Prozent"), schmetterten sie den Anzugträgern in den umliegenden Büros entgegen. Die belächelten die Demonstrationen zunächst.
Doch die Bewegung breitete sich von New York in immer mehr Städte weltweit aus. Auch im deutschen Frankfurt kam es zu Demonstrationen. Nach zwei Monaten endete die Besetzung der Wall Street jedoch jäh: Die Polizei räumte das Camp der Protestler im nahen Zuccotti Park in einer Nacht- und Nebelaktion. Zahlreiche Menschen wurden festgenommen; die Verfahren dauern teils bis heute. "Occupy Wall Street" verschwand in der Versenkung.
Boni dürften eher mager ausfallen
Pünktlich zum Jahrestag wollen die "99 Prozent" wieder vor die New Yorker Börse ziehen. Gründe gibt es genug. In den vergangenen Monaten sorgten die Banken für einen Skandal nach dem nächsten: Einmal ging es um die Manipulation von Referenzzinssätzen wie dem Libor, ein anderes Mal um Geldwäsche für den Iran oder für mexikanische Drogendealer. Und dann verzockte die größte US-Bank JPMorgan Chase auch noch mindestens 5,8 Milliarden Dollar bei windigen Finanzwetten.
Selbst Bankchefs wie Jamie Dimon von JPMorgan Chase und Vikram Pandit von der Citigroup äußerten so etwas wie Verständnis für den Groll der Occupy-Demonstranten. Direkte Auswirkungen auf die Finanzwelt hatten die Proteste am Ende aber kaum. Den Bankern machten vielmehr die Schuldenkrise in Europa, der maue Wirtschaftsaufschwung in den USA und schärfere gesetzliche Auflagen infolge der Finanzkrise das Leben schwer. Dieses Jahr dürften die Boni deshalb eher mager ausfallen. Es wäre zumindest eine kleine Genugtuung für die "99 Prozent".













