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    Zuletzt aktualisiert: 11.09.2012 um 00:25 UhrKommentare

    Der Kanzler ohne Bonus

    Die Inseraten-Affäre, die Rolle der SPÖ zur Kronen Zeitung, abrupter Kurswechsel in Sachen Wehrpflicht, weiße Flecken im Lebenslauf: Kanzler Faymann hatte wenig Gelegenheit sein Profil zu polieren, den Schwund an Wählern zu stoppen und eine Langzeit-Strategie zu präsentieren. Ein Kommentar von Thomas Golser.

    Foto © APA/ORF, Milenko Badzic

    Am Ende hatte auch die sonst eher unpolitische Tierwelt im Gartenhotel Altmannsdorf von den Sommergesprächen 2012 genug. Stechwütige Insekten suchten den obersten SPÖ-Politiker und den ORF-Anchorman heim, doch schon vorher war klar: Die Themen, in die Armin Wolf sich in gewohnter Manier verbiss, waren nicht die, die auch Werner Faymann im letzten ORF-Sommergespräch besprechen wollte. Die Inseraten-Affäre, die Rolle der SPÖ zum Boulevard, weiße Flecken in der Vita. Wenig Gelegenheit sein Profil zu polieren, den Schwund an (vor allem jungen) Wählern zu stoppen und so etwas wie eine neue Langzeit-Strategie in Rot zu präsentieren - so denn überhaupt vorrätig.

    Chancen verpasst

    Wie die anderen Parteichefs in den Gespräche davor (mit Ausnahme der grünen Episode mit Eva Glawischnig) verpasste auch Werner Faymann die Chance, tatsächlich offensive Aufklärungsarbeit zu leisten, was moralisches Tiefland in der Politik anbelangt: Damit, sich selbst jede Schuld abzusprechen und bestenfalls auf die anderen zu zeigen, ist schon lange kein Staat mehr zu machen. Mit der Posse um den nun blockierten Untersuchungs-Ausschuss schon gar nicht. Dass Faymann vor allem dann offensiv wurde, wenn er sich in die Ecke gedrängt fühlte, war offensichtlich. In solchen Situationen hilft nach außen hin belustigtes Grinsen relativ wenig - wem ist noch nach Lachen zumute?

    Dass ein amtierender Bundeskanzler selbst Gefahr läuft im Untersuchungs-Ausschuss Platz nehmen zu müssen und die Staatsanwaltschaft durchaus interessiert, ist für sich genommen schon ein starkes Stück. Sogar für Österreich, das nun mittlerweile wirklich einiges erlebt hat. Dass es "keine Anklage" gebe, ist juristisch zwar völlig korrekt, lässt aber noch immer die Frage offen, warum Faymann nicht trotzdem freiwillig und ganz offiziell dazu aussagen will. Wer nichts zu verbergen hat, könnte genau das auch medienwirksam belegen und beweisen, ohne dazu extra vorgeladen zu werden.

    Es wurde finster

    So dunkel der Garten war, in dem sich Faymann und Wolf Wortgefechte unter viel Zeitdruck lieferten: Noch finsterer ist das Bild, das Österreichs Politik mehr denn je nach außen hin abgibt. Faymann bleibt ein Kanzler ohne viel Bonus. Ein "Malus-Mann", der allen Ernstes ein Sommergespräch im Fernsehen mit einer Vorladung in einen Untersuchungs-Ausschuss zur Korruption vergleicht. Beinahe könnte er einem nach 30 Jahren Politik leid tun. Beinahe. Allerdings ist hier auch Mitleid keine Disziplin, die einen sehr weit bringen wird. Sehr respektable Zukunfts-Chancen könnten und sollten hingegen der ehrliche Umgang mit dem Bürger/Wähler und die Gabe zur Selbstreflexion haben. Möglicherweise erreicht diese Kunde auch einmal die Löwelstraße in Wien.

    Manchmal ist es doch gut, wenn der Sommer vorbei ist.

    THOMAS GOLSER

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