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Zuletzt aktualisiert: 06.09.2012 um 06:45 UhrKommentare

Bill Clinton verneigt sich vor Präsident Obama

Eine Bill-Clinton-Show wie aus alten Zeiten soll Barack Obama zum Wahlsieg verhelfen. Obama wurde in der Nacht auf Donnerstag offiziell als Kandidat nominiert. Von Damir Fras.

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CHARLOTTE. Gleich beginnt die große Show. Und diesen Auftritt will sich sogar der Präsident selbst nicht entgehen lassen. Geplant war das nicht, aber Barack Obama überrascht offenbar gerne. Am späten Mittwochabend taucht der US-Präsident in der Time Warner Cable Arena von Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina auf, wo die Demokraten ihren Wahlparteitag abhalten und ihn offiziell zu ihrem Kandidaten für die Präsidentschaftswahl am 6. November 2006 bestimmen.

Und was das für eine Show ist. Es ist eine Bill-Clinton-Show wie aus alten Zeiten. Der Ex-Präsident, bekannt für seine einfache und prägnante Sprache, legt mit einem Frontalangriff auf Obamas Herausforderer, den republikanischen Präsidentschaftskandidaten Mitt Romney, los. Dieser könne leider nicht rechnen, sonst müsste er selber einsehen, dass seine Pläne, die US-Wirtschaft zu beleben, nicht aufgehen könnten, sagt Clinton unter dem Jubel von rund 25.000 Menschen in der Arena. Da seien ihm die Pläne von Barack Obama schon viel lieber, sagt Clinton. Die seien nämlich solide durchgerechnet und ausbalanciert. Alle Menschen in den USA würden davon profitieren, nicht nur die Schwerreichen.

Hintergrund

Dem Auftritt wurde sehr große Bedeutung beigemessen, da Clinton als beliebtestes Mitglied der Partei gilt. Zudem war das Verhältnis der beiden einst sehr angespannt, weil Bill Clintons Ehefrau Hillary 2008 die parteiinternen Vorwahlen um die Präsidentschaftskandidatur gegen Obama verlor. Heute ist sie als Außenministerin Teil der Regierung.

Clinton, US-Präsident von 1993 bis 2001, hält eine kraftvolle Verteidigungsrede für den Amtsinhaber, der sich in den Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit Romney liefert. Die Schulden der USA liegen mittlerweile bei 16 Trillionen US-Dollar, 23 Millionen Menschen sind ohne Job, die Wirtschaft wächst nicht so schnell wie erhofft.

Wer hat den Schuldenberg verursacht?

Doch wer trägt dafür die Schuld? Die Delegierten und Besucher des Demokraten-Parteitags sind sich da mit Clinton völlig einig. Der hat nämlich eine Theorie, die ihnen schlüssig erscheint. Die Argumentation der Republikaner sei ziemlich einfach und durchschaubar, sagte Clinton: "Die Republikaner sagen: Wir haben ihm den ganzen Dreck hinterlassen, er ist mit dem Putzen nicht schnell genug fertig geworden, also schmeißt ihn raus und stellt uns wieder ein." Dabei wisse doch jeder, sagt Clinton, wer der wahre Schuldige sei. Die ökonomischen Probleme, mit denen die USA heute zu kämpfen hätten, seien ein Erbe der Regierung von Obama-Vorgänger George W. Bush, dem Republikaner.

Obama habe bei Amtsantritt im Januar 2009 ein Land vorgefunden, dass am Rande des wirtschaftlichen Kollapses gestanden habe, sagt Clinton. Es sei aber unrealistisch zu glauben, dass eine Amtszeit ausreiche, um diese Probleme zu lösen. Obama habe es dennoch vermocht, das Fundament für einen Aufschwung zu legen. Deswegen und weil er im Gegensatz zu Romney rechnen könne, müsse Obama auch wiedergewählt werden, ruft Clinton in die Arena hinein, aus der ihm lauter Applaus und rhythmisches Klatschen antworten. Er genießt den Auftritt sichtlich. Er fühlt sich wohl.

Erinnerungen an Clintons Amtszeit

Nach Michelle Obama, die am Abend zuvor die menschlichen Qualitäten ihres Mannes in einer bejubelten Rede beschrieben hat, versucht nun Clinton, die politischen Qualitäten des ersten schwarzen US-Präsidenten in den Vordergrund zu stellen. Dabei weckt Clinton unter den Delegierten wehmütige Erinnerungen an die Zeit seiner Präsidentschaft. Damals ging es den USA wirtschaftlich noch sehr gut. Danach wurde es nur schlimmer.

Aber halt, sagt Clinton jetzt: "Hört mir gut zu." Damals 1993, als er ins Weiße Haus eingezogen sei, sei die Wirtschaft bei weitem nicht so schlecht gelaufen wie 2009, als Obama das Amt übernahm. Die Schwere der Krise sei das Problem, sagt Clinton: "Kein Präsident - weder ich, noch irgendeiner meiner Vorgänger - hätte es geschafft, den ganzen Schaden innerhalb von vier Jahren zu beheben." Aber die Dinge besserten sich immerhin. "Und wenn ihr den Vertrag mit dem Präsidenten verlängert, dann werdet ihr das auch spüren", verspricht Clinton: "Daran glaube ich aus tiefstem Herzen."

Clinton genießt wieder die Reaktion des Publikums und sagt dann, dass es bei der Wahl am 6. November im Prinzip um eine einfache Frage gehe: "In was für einem Land wollen wir eigentlich leben?" Wer eine Gesellschaft von Individualisten wolle, in der jeder nur nach seinem eigenem Fortkommen strebe, der solle doch Romney und seinen Vizepräsidentschaftskandidaten Paul Ryan unterstützen. Wer aber ein Land wolle, in dem Wohlstand und Verantwortung geteilt werden, der müsse sich für Obama und seinen Vizepräsidenten Joe Biden entscheiden.

Die Show läuft perfekt. Es ist nicht eingetreten, was viele Beobachter befürchtet hatten. Dass der eigensinnige Clinton dem Präsidenten die Schau stehlen könnte. Das Gegenteil ist eingetreten, wenn der Applaus und der Jubel in der Arena ein Maßstab dafür sind. Bill Clinton hat seinen Auftritt gehabt, aber gefeiert wird in Wirklichkeit Barack Obama.

Der ist während der Rede von Clinton in der Arena nicht zu sehen gewesen. Er tritt erst in den gewaltigen Schlussapplaus hinein auf die Bühne in Charlotte und umarmt seinen Vorvorgänger. Das gibt die Bilder, die Obamas Wahlkämpfer sehen wollen - der 42. Präsident der USA empfiehlt, den 44. Präsidenten der USA zu wählen.

Unklar ist, ob die Bill-Clinton-Show sich positiv in den Umfragen auswirken wird. Eines ist aber gewiss. Die Republikaner dürften sich ärgern. Denn als sie vergangene Woche ihren Kandidaten in Tampa in Florida feierten, ließ sich Präsident Nummer 43, besagter George W. Bush, nicht einmal sehen.


Zitiert

"Ich will einen Mann nominieren, der nach außen hin cool ist, aber im Inneren für Amerika brennt."

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