Blasmusik statt Pomp für verunsicherte Blaue
Kurt folgt Uwe Scheuch am Parteitag der FPK kommenden Sonntag. Schlicht und unspektakulär, mit Blasmusik und ein paar Reden soll der Sonntag in Villach ablaufen.

Foto © ReutersUwe und Kurt Scheuch
Feuerschlucker und Akrobaten auf der Bühne, bombastische Licht- und Musikinszenierungen, das war einmal; damals, als bei Kärntner FPÖ-, dann BZÖ-Parteitagen mit Jörg Haider alles besser schien im Lande. Schlicht und unspektakulär, mit Blasmusik und ein paar Reden soll hingegen der ordentliche Parteitag der Kärntner Freiheitlichen (nun FPK) am Sonntag in Villach ablaufen, wenn Kurt Scheuch als Nachfolger seines Bruders Uwe zum Parteichef gewählt wird. Bombastisches wäre in Tagen wie diesen unpassend und den Funktionären wie der Öffentlichkeit nicht zumutbar.
Begleitet von Negativschlagzeilen
Denn begleitet wird der Parteitag von Negativschlagzeilen: Nach der Part-of-the-game-Affäre und den (nicht rechtskräftigen) Verurteilungen des als Landeshauptmannstellvertreter und Parteiobmann zurückgetretenen Uwe Scheuch gibt es jetzt Korruptionsvorwürfe auch gegen Landeshauptmann Gerhard Dörfler. Der Birnbacher-Millionenhonorar-Gerichtsfall betrifft die ÖVP wie die Freiheitlichen. Aktuelle Umfragen (OGM) sehen die Blauen auf 30 Prozent heruntergerasselt (zuletzt 44,9 Prozent). Die wöchentliche blaue Neuwahlblockade regt die Kärntner zunehmend auf: 48 Prozent wollen laut OGM sofortige Neuwahlen, die FPK hingegen hält am Wahltag 3. März 2013 fest. Wen wundert's, dass nicht zu erwarten ist, dass FPÖ-Chef HC Strache als Bündnispartner der FPK zum Parteitag kommt?
Trotz - oder besser wegen - all dieser Hintergründe wird sich Kurt Scheuch über ein Parteitagsergebnis über der 90-Prozent-Marke freuen dürfen, prophezeit ein Parteiexperte. "Weil die Funktionäre Geschlossenheit zeigen, wenn der Feind von außen kommt." Dabei sei die Basis zutiefst verunsichert. "Ein Rumoren gibt es aber nicht. Weil alle auf ihren Posten bleiben wollen." Zudem: Wer soll an der Spitze nachrücken? Diese Frage stellt sich auch Kriemhild Trattnig, national-freiheitliches Urgestein, die FPÖ-lerin geblieben ist. "Die FPK bräuchte dringend einen Neuanfang", konstatiert sie. Vor 20 Jahren habe sie schon gewarnt, "dass es mit dieser Beliebigkeit, der Verflachung der Persönlichkeiten und dem Diktat der Vorsitzenden nicht gut gehen kann. Jetzt sehen wir, was aus dem System Haider geworden ist."
Features
Live-Ticker vom Parteitag
Am Sonntag, 2. September, findet der FPK-Parteitag statt. Die Kleine Zeitung berichtet ab 11 Uhr live mit Ticker, Videos und Fotos.
Die Chef-Riege
Längstdienender Kärntner Parteichef der Freiheitlichen war Jörg Haider (1983 bis 1998), ihm folgten Jörg Freunschlag (1998 bis 2001) und Martin Strutz (2001 bis 2005), ehe es wieder Haider war (2005 bis zu seinem Tod 2008), mit Stefan Petzner als geschäftsführendem Parteichef.
2008 wurde Uwe Scheuch Parteichef. Am 1. 8. trat er zurück.












