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Zuletzt aktualisiert: 20.08.2012 um 23:33 UhrKommentare

Grüne Delle

Der Weg nach oben scheint für die Grünen frei. Doch die Partei muss erst lernen, komplexe Botschaften einfacher zu transportieren. Das ist noch kein Populismus, sondern eine Notwendigkeit am Weg in die Regierung. Ein Kommentar von Sebastian Krause.

Foto © APA/ORF/Milenko Badzic

Ob Eva Glawischnig wirklich so ruhig ist, wie sie inmitten des malerisch satten Grüns am Millstätter See wirkt, ist angesichts der aktuellen politischen Lage fraglich. Immerhin bitten scheinbar alle anderen Parteien die Grünen in die erste Reihe. Blau, Orange und Schwarz kämpfen mit der hausgemachten Korruption und dem austro-kanadischen Stimmenfänger, Rot glänzt maximal durch staatsmännisch aufgemachte Kritik-Reflexe an der Sumpflandschaft Österreich. Nein, Eva Glawischnig ist die Ruhe nicht abzunehmen. In ihr muss es brodeln, angesichts der Chancen, die sich den Grünen derzeit bieten.

Der Wähler wendet sich von den großen Volksparteien ab, die FPÖ lähmt sich selbst, die Piraten mausern sich zum lästigen Bremsklotz, sind aber (noch) keine ernsthafte Konkurrenz. Es scheint angerichtet für eine politische grüne Welle. Doch die freie Fahrt zur Regierungspartei wirkt unwahrscheinlich. Die Grünen, etablierte Kontrollinstanz ohne Dauerkontakt zum Staatsanwalt, aber als kleine Volkspartei nach wie vor undenkbar? Antworten, warum Grün auch am Stammtisch Anklang finden soll, konnte die Parteichefin auch nach mehrmaligem Nachfragen von Armin Wolf nicht liefern.

Die Komplexität grüner Politik zeichnet die Partei aus, ist gegenüber dem vorherrschenden Populismus aber auch ihr größter Nachteil. Grüne Themen, obwohl oft nah an SPÖ und ÖVP, lassen sich schwer transportieren und in Wahlergebnisse umsetzen. Wollen die Grünen den Sprung an die Macht schaffen, werden sie lernen müssen, mit der Einfachheit politischer Botschaften umzugehen - und selbst die Themen vorzugeben.
Der Weg für die grüne Welle ist frei, aber diese grüne Delle im Bild der Partei muss noch ausgemerzt werden. Sonst heißt es auch in einem Jahr wieder: Grün mag man mit dem Herz, die Stimmlage aber umfasst ein anderes politisches Farbspektrum.

SEBASTIAN KRAUSE

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