Geladene Waffen nun Dauerpflicht für NATO-Soldaten
Nach zahlreichen tödlichen Überfällen durch Einheimische müssen ausländische Soldaten in Afghanistan jetzt immer geladene Waffen tragen. Die internationale NATO-Truppe ISAF (International Security Assistance Force) bestätigte am Sonntag Medienberichte über eine Direktive von ISAF-Kommandant John Allen. Der US-General reagiert damit auf Überfälle von Afghanen in Armee- oder Polizeiuniformen.
Die ISAF registrierte heuer bereits 32 solcher Vorfälle. 40 ausländische Soldaten wurden dabei getötet. Im gesamten vergangenen Jahr waren es 21 Angriffe mit 35 Toten. Erst am Sonntag wurde erneut ein NATO-Soldat von einem Einheimischen in Polizeiuniform erschossen. Wie die ISAF mitteilte, ereignete sich der Angriff im Süden des Landes. Der Vorfall werde untersucht, nähere Angaben machte die ISAF nicht.
US-Soldaten tragen in Afghanistan auch in Lagern ein Sturmgewehr, allerdings ohne Magazin. Mit dem neuen Erlass müssen diese Waffen immer auch geladen sein. Deutsche ISAF-Soldaten sind seit langem auch im Camp mit einer geladenen Pistole bewaffnet.
Der TV-Sender NBC meldete unter Berufung auf eine nicht namentlich genannte Quelle eine weitere Vorsichtsmaßnahme: Demnach müssen US-Soldaten bei Treffen mit bewaffneten afghanischen Sicherheitskräften mindestens von einem "Schutzengel" bewacht werden. Dieser solle mit geladener Waffen bereitstehen, um sofort schießen zu können. Solche "Schutzengel" werden in Afghanistan bereits seit dem Frühjahr eingesetzt. Die "New York Times" schrieb, dieses "Schutzengel"-Programm werde nun zur Priorität.
Die ISAF führt die meisten dieser Überfälle auf ausländische Soldaten nicht auf Infiltration der radikal-islamischen Taliban zurück, sondern auf Faktoren wie persönliche Animositäten oder Stress. Dagegen meinte Taliban-Chef Mullah Mohammad Omar, die Aufständischen hätten die afghanischen Sicherheitskräfte unterwandert.
Die Angriffe solcher sogenannten Innentäter sind ein schwerer Schlag gegen die Bemühungen, ein Vertrauensverhältnis zwischen internationalen Truppen und afghanischer Armee herzustellen. Eine enge Zusammenarbeit ausländischer und afghanischer Soldaten ist Kernstück der NATO-Strategie zur Übergabe der Sicherheitsverantwortung an die afghanischen Sicherheitskräfte bis Ende 2014. Bis zu diesem Datum will die NATO ihren Kampfeinsatz in Afghanistan beenden.












